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Der Israelit · 1878-03-20 · Heft 12 (20.3.1878) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 12 (20.3.1878)
Date
1878-03-20
Page
– (sequence 20)
Language
German
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302 stelle in denselben Waggons zugebracht, um erst 48 Stunden nachher hier anzukommen. Sie sind also 2 Tage und 2 Nächte einer ausnahmsweise strengen Kälte preisgegeben gewesen. Es sind wenig Israeliten, ca- 150, unter ihnen, die, meistentheils bemittelt, sich nach den ersten Erfrischungen mit ihren Familien entfernen; nur 25 bleiben uns, die wir nach Kräften wieder stärkten. (Schluß f.) Lyon» Herr B. F. Peixotto, Ex-General- Cansul der Vereinigten Staaten in Bukarest, hat den Posten eines Consuls in Lyon angenommen. (Warum in Lyon und nicht in Petersburg, wie es früher hieß?) England. London. Der hiesige Ausschuß jüdischer Deputirten hat, angesichts der bevorstehenden Neubildung eines autonomen Fürstenthums unter russischer Oberhoheit auf der Balkanhalbinsel gemeinsame Beratungen in Betreff des weiteren Schicksals der Glaubensgenossen in jenen Landestheilen eingeleitet. Es gilt die bürgerliche Glaubensfreiheit der Glaubensgenossen nach Kräften sicher zustellen. In einer vor wenigen Tagen gehaltenen Versammlung wurde darauf hingewiefen, daß die türkische Regierung den Juden vollkommene Freiheit gelassen habe. Auch die Anglo-jüdische Gesellschaft widme,t der Sache ihre Aufmerksamkeit. Rußland. Kowrro Der hiesige Gouverneur, Herr P. A. Baselewski und dessen Secretär, Herr H. L. Chrschanstowski haben sich der durch das große Brandunglück nothleidenden Israeliten in Wilko- Mir recht wacker angenommen. Beide waren persönlich zur Brandstätte geeilt, haben den Unglücklichen mit That und Rath geholfen und am Platze selbst ein Comite, bestehend aus kaiserl. Beamten gegründet, und als die Nothwendigkeit es erforderte, noch ein zweites Comite in Kowno selbst ins Leben gerufen und sich selbst der mühevollen Arbeit, die dadurch entstanden, unterzogen. Die menschenfreundliche Handlungsweise dieser beiden Herren verdient daher, besonders rühmend hervorgehoben zu werden. (Libanon.) Afrika. Algier- Es ist eine merkwürdige Erscheinung, daß in Algier viele Leute ein ungewöhnlich hohes Alter erreichen. Der imVerhältniß größteTheil dieser Glücklichen besteht aus Israeliten. So berichtet „Un. Jsr.": An Hundertjährigen sind vorhanden: 104 Franzosen, 11 Malteser, 30 Italiener, 155 Spanier, 240 Israeliten und 811 Mohamedaner. Ueber 100 Jahre alt sind: 4 Franzosen, 2 Dtalteser, 2 Italiener, 4 Spanier, 22 Israeliten und 121 Mohamedaner. Nach Verhältnis der Einwohnerzahl kommen die meisten auf die Israeliten. Brasilien. Rio di Janeiro. Wir erfreuten uns dieser Tage des Besuches einer hochinteressanten Persönlichkeit. welche taubstumm geboren, sich durch jahrelanges Studium und Willenskraft die englische und deutsche Sprache zu eigen gemacht hat. Wir sprechen von dem in allen Taubstummen- Congressen bekannten Philantropen I. Loew aus Oesterreich, der im Jahre 1810 geboren, sich durch Fleiß und Thätigkeit zur Höhe eines Wiener Groß- Industriellen aufschwang. Den Ertrag seines Fleißes verwendete er größtenteils zur Verbesserung der Lage seiner unglücklichen Leidensgefährten, welche philantropische Bestrebungen ihm die allgemeine Achtung und zuvorkommende Anerkennung seitens einigerMonarchen (Napoleons III., Franz Josephs I.) eintrug. Fünfundvierzig Orden und Medaillen spre- L^en für die Wahrheit unserer Behauptung. Bei dem Krach ließ Herr Loew seine Fabrik eingehen, ging nach den Ver. Staaten und von da nach Brasilien, in der — jetzt leider ziemlich aussichtslosen — Absicht, hier einen neuen Industriezweig einführen zu können. Der Kaiser empfing Herrn Loew in einer Privat - Audienz und unterhielt sich in englischer Sprache mit ihm auf das Wohlwollendste, sein Bedauern aussprechend, daß Herr Loew in Rio noch nicht reussirt habe. (Deutsche Brasilianische Zeitung.) Deutschland. Berlin, 16. März. (Preußischer Landtag, Abgeordnetenhaus.) Zur Verhandlung kömmt eine Petition des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde zu Merzig, welche ausführt, daß die Mitglieder der isr. Gemeinde daselbst früher eine besondere Elementar-Schule aus eigenen Mitteln unterhalten hätten; diese habe nicht die Rechte einer öffentlichen Schule genossen, sei vielmehr als eine Privatschule behandelt worden. Da es der Synagogen-Gemeinde in letzterer Zeit schwer geworden, qualificirte Lehrer zu gewinnen und dauernd zu erhalten, auch das Schullocal, welches Privat- Eigenthum der jüdischen Gemeinde sei, den jetzigen Anforderungen nicht mehr entsprochen habe und aus Sanitäts-Rücksichten habe geschlossen werden müssen, so sei die jüdische Schule durch Verfügung der Regierung zu Trier aufgelöst und die Kinder in die städtischen Schulen vertheilt worden. Die Synagogen-Gemeinde habe sich an den Bürgermeister der Stadt Merzig mit dem Ersuchen ge-

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