Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1878)
- Date
- 1878-03-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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285 das Heiligthum selber zur Krücke für den Abfall, den es verhindern und sühnen sollte. Dieser unglückselige Wahn hat unser» Staat, hat unsere nationalen Heiligthümer in Trümmer gelegt, fast zwei Jahrtausende leiden wir unter diesem verhangnißvollen Jrrthum, und das Reformjudenthum unserer Tage, arbeitet mit seinem ganzen Fanatismus darauf hin, diesen Jammer auf's Neue heraufzubeschwören und das in einer ganz eigenen, erschreckenden Weise. So wie sich die Kathastrophe vor unseren Augen vollbracht, waren doch in Betreff dieses Punktes die Zustande nicht, deren Schilderung wir aus unseren prophetischen Büchern kennen. Gab es auch damals Zeiten, wo „Israel feinen Schöpfer vergaß und Tempel baute", mußte auch damals Gottes Wort an Jirmijahu ergehen: „Stelle Dich in das Thor des Gotteshauses und sprich: Höret Gottes Wort ganz Jehuda, das durch diese Pforte geht, sich vor Gott zu bücken. So hat Gott Zebaoth gesprochen, bessert Euren Weg und Eure Thaten, dann will ich bei Euch weilen an diesem Ort. Verlaßt Euch doch nicht auf die Lügenreden, welche (immer) sagen: Gottestempel, Gottestempel! — Gottestempel sollen sie selber sein!" war es somit dieselbe falsche Vergötterung des Gottestempels, die sich damals wie heute geltend macht, so liegt doch ein gewaltiger Unterschied zwischen Einst und Jetzt. Weil der Tempel, mit seinem Dienste das gottentfremdete Leben sühnen sollte, war man we» nigstens consequent genug, Tempel und Tempeldienst unangetastet zu lassen. Je rücksichtsloser man sich im Leben von Gott und seinem Willen emancipirte, se kecker man dem Gottesdienst des Lebens den Rücken kehrte, desto rigoroser celebrirte man den Tempelgottesdienst; und wenn auch diese Gewissenhaftigkeit nur äußerer Firniß war, der die innere Herzlosigkeit dem prophetischem Auge nicht verbergen konnte, man wahrte doch die äußere Form, diese wenigstens wagte man nicht zu verletzen. So empörend nun diese Werkheiligkeit auch sein mag, die als Deckmantel so verwerflicher Bestrebungen gilt, so liegt darin doch eine nicht zu nnterschätzende principielle Anerkennung des im Leben geächteten göttlichen Willens. Durch diese Wahrung der äußeren Form innerhalb des Tempels , war es den Bessergesinnten wenigstens möglich, ihn noch als den letzten gemeinsamen Punkt zu betrachten, der sie noch mit ihren abgefallenen Brüdern verband. Die Heiligkeit, Unverletzlichkeit, die Unterordnung dieser Stätte unter den göttlichen Willen räumte, wenn auch nur formell, selbst der Abgefallene ein. Sie hatten noch einen gemeinsamen Boden; uanpo Dipo. — Bei der regenerirenden unverwüstlichen Kraft, mit der Gott alle seine Institutionen in erster Reihe aber tcnpa rttnpi ausgestattet hat, durfte, mußte die Treue der Treuen 'ja niyna 'ttnpo motpo n« no» ivr« ’ppo sich immer noch der Hoffnung auf eine Rückkehr zum Pflichtbewußtsein hingeben. Die Idole des ReformjudenthumS schließen diese Hoffnung aus. Nichts ist dem Juden und Namenjuden gemeinsam heilig, gemeinsam verwerflich , was nicht auch schon der aufgeklärte Nichtjude für heilig oder verwerflich fände. Die Gotteshäuser aber, die dos unjüdische zügellose Leben heilig sprechen sollen, tragen ja den Abfall von Gott erst recht an der Stirne. Unjüdische Embleme, unjüdische Culte, entziehen dem sog. jüdischen Gotteshause auch äußerlich die letzte Spur eines jüdischen Gepräges, während der dürftige Rest jüdischer Eigenthümlichkeit, wie sie sich noch an dem Inhalte und der Sprache unserer Gebete bekundet, dem verhängnißvollen Rothstift verfällt. Zu dieser officiel und systematisch betriebenen Verdrängung des Judenthums aus dem Gotteshaus, zu dieser officiell und systematisch betriebenen Einschmuggelung nichtjüvischer gottesdienstlicher Formen in das Gotteshaus, kömmt noch die Razzia, die von der Kanzel, gegen die noch etwa unversehrt gebliebenen leM jüdische Faser eröffnet wird, kömmt die Propaganda, die man in Schule und Haus, in Vereinen und Zeitschriften, für die Verflachung und Fälschung des alten Judenthums macht, und die nrDja ’na, die Stätte, von deren Ernst und Heiligkeit man sonst die Besinnung und Sammlung, auch ans den schwersten Irrungen erwarten durfte, sie sind die Herolde, die greifbaren Zeugen, des schmählichen Verraths an unserer heiligen jüdischen Sache geworden. Dem treuen Juden, dem dieser herzbrechende Jammer nahe geht, bleibt nichts übrig, als solche Stätten zu meiden. Er weiß, daß die Acht seiner Weisen und Lehrer auf diesen Prunktempeln ruht und auf Jedemder ihre Sanction fördert, indem er den Fuß über ihre Schwelle setzt. Ihm wiegt die formvollendete architectonifche Schönheit dieser Gotteshäuser ihre Entweihung nicht auf, weil er sieht, wie dieser unjüdische Prunk die letzte Spur einer jüdischen Gesinnung schon im Keime erstickt, und den Fluch des heidnischen Sehers auf sich ladet, der die Schönheit der jüd. Tempel rühmte, um die Stätten der GottcSverehrung zu vernichten. *) ivb nn« ytcn mw pma-iao pnp 'a-> idn (1 >nai nrDJa ’na an*? rrr «bv ->vib vrpa iaba rrn no .('np pinaD) app' •pSi« iato no ,tcmo