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Der Israelit · 1878-03-20 · Heft 12 (20.3.1878) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 12 (20.3.1878)
Date
1878-03-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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284 Das müde Herz zerfällt mit allen seinen Sorgen und eitlen Wünschen; aber der Geist, groß und frei, geht heim zum Vater des Lichts, wo keine Finsterniß und keine Nacht mehr sein wird. Der Glaube an die Unsterblichkeit ist das köstlichste Kleinod, der unschätzbare Gewinn, der dem Freunde des Guten für seine Arbeit, für seinen Kampf, für seine Selbstverleugnung und für jedes Opfer auf der Laufbahn der Tugend herrlich lohnt. Er ist die segensvolle Frucht, die aus den nächtlichen Leiden und aus dem Heiligthume eines edlen Herzens hervorkeimt und durch Ausdauer im Dulden und Wirken zur Reife gedeiht. Das ist der große Vorzug des Menschen, daß er im Ebenbilde Gottes erschaffen, daß er ein freies, vernünftiges Wesen ist. Und das ist auch die Bürgschaft des ewigen Lebens. Wer der ihm von Gott verliehenen Freiheit und Vernunft gemäß gelebt hat auf Erden, der wird fortleben für die Ewigkeit. Wer da weiß, daß Gott ihn dereinst in Seinen Himmel hinaufruft, den schreckt nicht des Grabes Nacht, nicht die Erde, die seinen Leichnam bedeckt, nicht die Stille einsamer Gräber, nicht das traurige Bild der Verwesung, Sonnig ist der Grabhügel de« Frommen; auf ihm sieht die religiöse Ueberzeugung den Himmel offen, und die Hoffnung der frommen Sehnsucht schwingt von ihm sich empor zum Throne des Allvaters. Das ist das schöne, herrliche Leben, das aus der Asche der Parah Adummah emporblüht; den Uebergang vom Lebeu zum Tode erschauen wir täglich. Diese Asche aber weist uns hin auf den Uebergang vom Tode zum Leben, zum ewigen Leben, zum Leben in Gott und Seinem Heiligthum. Aas alle Keiügthum und die modernen Synagogen. m. Wir haben strenge Rechtlichkeit, Opferfreudigkeit, die Sehnsucht nach der Gottesnähe, besonders aber den jüdischen Gemeinsinn, als die Grundlagen erkannt, auf welchen sich das alte Heiligthum erhob, auf welchen sich noch in der DiaSpora jedes ayo icnpo erhebt. Wir haben andrerseits in der Hierachie vieler Reformgemeindevorsteher, in der Theilnahmlosigkeit der einzelnen Reformjuden, in ihrem Bestreben Gott aus dem täglichen Leben zu weisen, in einem widernatürlich gehandhabten Gemeinde- und Steuerzwang, für die Existenz der modernen Prunktempel eine Erklärung gefunden. Mit wenigen Worten läßt sich die Kluft, die zwischen jüdischen Heittgthümern und Reformtempeln klafft, dahin präcisiren: Im Judenthum sind geheiligten Stättev der Gottesverehrung nur Mittel zum Zweck, dem abgeblaßten Schattenjudenthum unserer Tage, sind sie ausschließlich Selbstzweck. Das Judenthum ist nun einmal keine feiertägliche Kirchenrelkgion, die sich mit einigen andächtig im Tempel verbrachten Stunden, zufriedenstellen läßt. Daher ist der flimmernde Glanz, der unsere modernen Andachtsstätten umfließt, daher sind selbst die zahlreichen feierlichen Besucher kein Grademeffer für das jüdische Leben, das in der Gemeinde pulst. Sie sollen mir bauen ein Heiligthum, damit ich unter ihnen wohne, war das Gotteswort, welches in der Wüste das erste jüdische Gottesheiligthum schuf: und als dieses Heiligthum vollendet war, und Moscheh das Ganze überschauend, das Volk segnete, sind es die Worte nr3» man ff psn \t dd’-v nrc j?D3, welche ihm die Überlieferung in den Mund legt. In dem Hochgefühl der Freude, über den Besitz einer Stätte, in welcher nun Gottes Herrlichkeit weilen wollte, war die ernste Mahnung am Platze: Möge es nun Gottes Wille sein, daß seine Gegenwart auf dem Thun euererHände ruhe! Daß nicht der unglückselige Wahn Platz greife, durch den Besitz eines Heiligthums wäre Gottes Nähe nun für alle Zeiten gesichert, eine solche Stätte sei gar ein Freibrief für das ganze Thun unsrer Hände, man könne sie in denSchooß legen, man könne sie sogar zu jedem Attentate gegen Gott und sein Gesetz erheben, und Gott wäre befriedigt, wenn nur die äußeren Symbole seiner Gegenwart unversehrt erhalten blieben! So nicht! Gottes Schechinah ruht nicht auf eurem Heiligthum, wenn sie nicht auf dem Thun Euerer Hände ruhen kann! Die Heiligkeit des Gotteshauses kann nicht die Heiligkeit des eigenen Lebens ersetzen, sie soll ja im Gegentheil die Heiligkeit der Einzelnen anregen, steigern, wieder erwirken wo sie verloren gegangen. Nicht also weil Gott im Tempel wohnt, könnte er auf das thätige tägliche Leben verzichten, sondern umgekehrt; 'n o n&n> firti brnp -pno mm — iJno 3-93 Tp1?« .■pnND nny 13 Weil Gott inmitten Deines Lagers wohnt, muß Dein Lager heilig sein, darf er an Dir keine Blöße sehen, sonst weicht er zurück. Wo diese Anschauung geschwunden ist, wird

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