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Der Israelit · 1878-03-13 · Heft 11 (13.3.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 11 (13.3.1878)
Date
1878-03-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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265 „aber ich kann nicht mehr mit ihr leben! — nein, ich kann es nicht!" v'(y, „Ich glaube, sie liebt Dich trotz alledem^noM und würde vielleicht dazu zu bewegen sein."^W^ „Mick aufs Neue zu betrügen." rief erFmM bitterem Hohn. „Nein, Kind , zum Betrügendes hören zum mindesten zwei, — einer, der bamL und einer, der sich betrügen läßt. Ich aber.' nicht mehr der Narrder sich zum zweiten von ihr betrügen ließe." , " „Ader." T- -.' r „Kein aber, Nosa, ich bitte Dich um G'ötteswillen nack dieser Richtung hin kein Wort mehr zu verlieren." „Sv mußt Du es versuchen, sie in Güte zu bewegen, daß sie in die Scheidung willigt. Aber — ich kenne Emma — Du darfst es nicht wild, nickt in Heftigkeit von ihr fordern, sonst erlangst Du nichts. — Und Deine Kinder?" „Dürfen von einer solchen Mutter nicht erzogen werden — sie bleiben bei mir." „Darauf wird sie nicht eingehen." „Wer weiß? vielleicht läßt sie sich durch Geld gewinnen und ich würde gern den größten Theil - meines Vermögens opfern, um von ihr los zu kommen. — Doch ick höre den Vater kommen. Mein GAlt! was wird ec zu dem Unglück feines Sohnes sggen — er hat mich gewarnt." 0Ü& * * ** Bis spät am Abend blieb Carl im Hause seines Vaters, es war ihm entsetzlich, heimzugehen, Doch mußte er sich endlich dazu entschließen. — Als er nach Hause.kam, hatte sich Emma bereits zur Ruhe begeben. Es war ihm lieb, daß er sie heute nicht mehr traf; es wäre ihm unmöglich gewesen , in Ruhe mit ihr zu sprechen, und er war .^r Ruhe so dringend bedürftig. ^schöpft warf er sich auf ein Ruhebett in seinem Zimmer, er fürchtete schon, der Schlummer werde ihn fliehen, doch nach wenigen Minuten legte es sich wie Blei aus seine Lider und er ver-; sank in einen tiefen festen Schlaf, der ununterbrochen bis zum Morgen währte. Die Sonne stand schon hoch am Himmel als er erwachte. Rasch sprang er auf, er fühlte sich heute doch wenigstens körperlich frisch und gekräftigt. Nachdem er seine Toilette beendet und Das Morgengebet verrichtet, ließ er sich das Frühstück in sein Zimmer bringen und dann, erst begab er sich in's Wohnzimmer. Emma in reizender Morgentoilette, lehnte in einer Chaiselongue. Ueberrascht schaute er sie an, er wußte im ersten Moment selbst nicht, warum sie ihm heute so ganz anders erschien als sonst, Loch bald gewahrte er, daß es ihre eigenen Haare ,?r^We Heute über Nacken und Schultern sich ^NgelterL /M^Hülle, die sie sonst bedeckte, war Wtfernt; Oozu Huch heute noch die Maske, sie war 1~i bereis^gestern gefallen. Mick war ihr nicht entgangen; mit em Lächeln wünschte sie 'ihm „guten or^en.' Er erwiederte ihren Gruß und trat näher. „Willst Du die Glocke ziehen, so wird der Kaffee hereingebracht werden/' ' „Ich danke, ich habe bereits gefruhstückt." Sie preßte die Lippen aufeinander. „Darf man vielleicht fragen, wo Du geruht hast, Dein Frühstück einzunehmen?" Er beachtete den Hohn nicht, der in Ton und Worten lag. „Auf meinem Zimmer", erwiederte er ruhig. Aber in ihr kochte es. „O wie weise, o wie vernünftig, wie ganz dazu berechnet uns in's Gerede der Leute zu bringen! Der Herr schläft in seinem Zimmer, der Herr frühstückt in seinem Zimmer, was sollen die Dienstboten davon denken? _ Wo werden Sie geruhen, das Diner einzunehmen?" fügte sie nach einigen Augenblicken Schweigens hinzu. „Bei meiner Schwester." erwiederte er tonlos. „Das ist zu viel!" schrie sie aufspringend. Cckrl, das dulde ich'Äicht l". ’^ine heftige Antwort tra^ ihftl ^auf Vre Lippen, hoch er bezwang sich. „Ich sehe ein." entgegnete er nach einigen Minuten mit möglichster Ruhe, ^ouß Wff Verhalten seit gestern MHMHt ange- Mpm s?in kann." Sie athmete , erleichtert auf, sie hatte -nicht erwartet,/daß er so viel einräumen werde. „Es freut mich herzlichst, haß Du Dein Uneinsiehst, und nun sie ulickte mit bezaurnd<rn Lächeln zu ihm auf, „nun laß auch ÄlleS vergessen sein, Carl," fügte sie bittend hinzu. Sie war aufgestanden .und zu ihm getreten und eben im Begriff ihren Arm um seinen Hals zu schlingen, doch er^ erhob sich hastig. - „Du hast mich mißverstanden," sprach er tief aufathmend, „es ist nicht meiy Unrecht, das ich einsehe — es ist die UnhaÄßarkeit unseres Verhältnisses." Sprachlos, mit weit aufgeriffenen Augen starrte sie ihn an. „Ich verstehe Dich nicht," flüsterte sie endlich. „Habe die Güte, Deinen Platz wieder einzunehmen." Sie gehorchte unwillkürlich, auch er ließ sich wieder nieder. „Ich möchte Dich ersuchen, mich ruhig anzuhören." Aber es vergingen einige Minuten, er mußte sich sammeln, bevor er beginnen konnte. Sie

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