Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1878)
- Date
- 1878-03-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. Erste Beilage;a tlr. 11 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 3. März. Dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde ist auf das Gesuche betr. die bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden in Rumänien mit den dortigen Christen von dem auswärtigen Amte folgender Bescheid zugegangen : „Berlin, den 28. Februr 1878. Die Vorstellung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde vom 1. d. M. und die derselben beigefügten gleichlautenden Vorstellungen der Vorstände jüdischer Gemeinden in anderen deutschen Städten sind dem Fürsten Reichskanzler vorgelegt worden. Seine Durchlaucht haben von dem Inhalt mit Interesse Kenntniß genommen und mich beauftragt, darauf Nachstehendes ergebenst zu erwidern: Der Herr Reichskanzler wird wie bisher so auch künftig gern jede geeignete Gelegenheit benutzen, um seine Theilnahme für die Erfüllung der in jenen Vorstellungen dargelegten Wünsche zu bethätigen. Der Zeitpunkt, zu welchem der Versuch einer solchen Einwirkung zu machen sein wird, läßt sich freilich mit Bestimmtheit nicht vorhersehen; sollten indessen die Verhandlungen der aus Anlaß der gegenwärtigen Friedensunterhandlungen in Anregung gebrachten Conferenz eine Möglichkeit dazu gewähren, so wird der deutsche Bevollmächtigte alle Bestrebungen unterstützen, welche dahin zielen, daß den Angehörigen jedwedes Religionsbekenntnisses in den betreffenden Ländern diejenigen Rechte und Freiheiten zu Theil werden, welche ihnen in Deutschland verfassungsmäßig gewährleistet sind. — Ich gestatte mir zugleich die gefällige Vermittelung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu dem Zwecke ergebenst zu erbitten, damit die vorstehende Erwiederung auch zur Kenntniß der betheiligten Vorstände der jüdischen Gemeinden in rc. rc. gebracht werde. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts. gez. v. Bülow." Dresden, 19. Febr. Meine kürzliche Mittheilung von dem hier einem Juden vor der Taufe versagten, kurz nach derselben gewährten Eintritt in das Sanitätsoffizierkorps hat gerechtes Aufsehen erregt und die Runde durch viele Zeitungen gemacht. Wie zu erwarten, haben sich auch die Reptilien ihrer bemächtigt und daran herumzunagen gesucht. In den hiesigen Dresdener Nachrichten wird bestritten, daß der Proselyt vor seiner Taufe direkt oder indirekt Schritte gethan habe, Militärarzt zu werden. Mir ist aus zuverlässiger Quelle das Gegentheil versichert worden. In der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" wird in geschraubtester Weise meine Behauptung, daß Juden zum höheren Sanitätsoffizierdienst seit 1873 nicht mehr zugelassen werden, bestritten und als tendenziös bezeichnet. „Tendenziös" ist die bewußte Unwahrheit. Thatsache ist aber, daß von dem Augenblick an, da die höheren Militärärzte der Armee Offiziere wurden (während sie früher Beamte waren) den Juden der Zutritt in diese Stellung versagt wurde. Dagegen beweist weder der Umstand etwas, daß es Unterärzte, oder Reserve-Militär-Aerzte oder vor 1873 angeftellte höhere Aktiv-Militär-Aerzte jüdischer Konfession gibt. Die gesetzwürdige Neuerung datirt eben seit 1873. Thatsache ist, daß in dem von mir erwähnten Falle der Aspirant zuerst mit der Frage: ob er Jude sei? — worauf sein Name hinwies — von maßgebender Stelle empfangen, und als er jene Frage bejahen mußte, deßhalb abgewiesen worden ist, ungefähr acht Tage darauf aber mit dem inzwischen erworbenen Taufschein sich wieder vorstellte und — angestellt wurde. Die geschraubte Widerlegung in der N. A. Z. versteckt sich hinter „gewisse Bedingungen," die zu erfüllen seien, ohne sie zu «ennen. Die Zutrittsbedingung ist der — Taufschein. Hoffentlich wird diese Angelegenheit im Reichstage bei Berathung des Militärbudgets oder sonst, von einem unserer Freunde zur Sprache gebracht. Es handelt sich um eine Frage des Rechts und der Gerechtigkeit, nicht blos darum, ob ein Jude Offizier oder aktiver Militäroberarzt werden könne. (Bolkszeitung.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Herr Wilhelm Löwenfeld, Associö der Kleinmünchener Kunstmühle (Brüder Löwenfeld und Hofmann) hat der Gemeinde Kleinmünchen ein Geschenk von 40,000 ff. zur Errichtung und Dotirung einer Klrinkinderbewahr-Anstalt gemacht, wovon ^0,000 fl. zum Baue und zur Einrichtung eines entsprechenden Gebäudes und 20,000 fl. zur Dotirung der Anstalt verwendet werden. _