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Der Israelit · 1878-03-13 · Heft 11 (13.3.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 11 (13.3.1878)
Date
1878-03-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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262 beklage Dich; allein, was ich geboten, ist das Höchste; mehr zu bieten verbietet mir das Gesetz unsrer Weisen, die da angeordnet haben, daß man den Sclaven nicht höher auslöse als um den Sclavenwerth, damit die Räuber nicht lüstern werden, Juden und Jüdinnen zu stehlen in der Erwartung , daß diese um hohen Preis ausgelöst werllen " Schon wollte der ehrwürdige Chacham sich entfernen, als in Begleitung eines Defterdar und gefolgt von bewaffneten Dienern ein Mann hereintrat. Nun, ich nenne ihn nicht, Du sollst seinen Namen errathen, Theure!"" „Du brauchst ihn nicht zu nennen; ich weiß, wen Du meinst." „„Nun also, dieser Fremde schien mich nicht zu kennen; er trat auf den Chacham zu und sprach: „Wünscht Euch GlüL, Rabbi, das Verbannungsdecret ist zurückgenommen; ich war in Eurem Hause, Euch die Freudenbotschaft zu bringen; da wurde ich hierhergewiesen. Das trifft sich gut. Ich habe im allerhöchsten Aufträge eine jüdische Sclavin zu suchen. — Wie heißt Du? fragte er mich. — Hanna, antwortete ich zitternd. Woher bist Du? — Aus Salonichi. — Wer brachte Dich hierher? — Sinan Pascha. — „Es ist die, welche wir suchen," sagte er zu dem Defterdar. Dieser nickte beistimmend. — „Wir nehmen die Sclavin mit uns," sagte er dann zu Omar. „Der Sultan verlangt sie für seinen Harem! „Wie," schrie Omar, „der Sultan will diese alte Hexe! Ich glaube Euch nicht!" „Schweige, Hund," sagte der Defterdar. Omar tobte und schrie. Da ließ ihn der Defterdar ergreifen; er wurde niedergekegt und erhielt ein Dutzend schmerzhafte Hiebe auf die Fußsohlen. Mich aber führte man fort, ließ mich ein Bad nehmen und versah mich mit Kleidern. Es war spät Abends als ich im Serail anlangte. Heute Morgen führte man mich hierher."" „Wie danke ich Gott, Laß ich Dich wieder habe, Du Traute!" „„Und was hast Du beschlossen, zu thun?"" „Ich weiß es nicht; gern möchte ich mir den Tod geben; allein ich wage es nicht. Niemals aber werde ich eine Abtrünnige werden, mag kommen, was da will." „,,O. sei vernünftig, meine Theure, füge Dich in das Unvermeidliche! Bedenke, wie viel des Guten Du stiften kannst. Aber, sprich, wovon hast Du die ganze Zeit gelebt, mein Herzblatt?" " „Ich habe nichts als Wasser und Brod genossen." „„Du fromme Jungfrau, Du! Gott schaut herab vom Himmel und sieht uns. Er wird Dein frommes Thun belohnen. Aber schon jetzt werden in dieser Beziehung Deine Leiden ein Ende haben. Man hat mir gesagt, daß ich eine jüdische Küche einrichten und erlaubte Speisen für Dich bereiten darf. Schon steht neues Kochgeschirr bereit und ein versigeltes Kistchen, gefüllt mit allerlei nach jüdischem Gesetze geschlachtetem Geflügel."" Durch den aufgehobenen Vorhang, den ein draußen stehender Diener emporhielt, trat Sultan Mohammed in das Gemach. Esther ging ihm entgegen und sprach: „Ich danke Dir, hoher Herr, daß Du meinen Herzenswunsch erfüllt hast. Dies ist Hanna, meine Freundin, nach der ich mich so sehr gesehnt. Hanna, danke auch Du dem Padischa!" Hanna warf sich zur Erde nieder und küßte das Gewand des Sultans. „Stehe auf," sprach dieser. „Freust Du Dich, wieder bei Deiner Herrin zu sein?" Hanna erhob sich. „„O, Herr."" sagte sie, „bis zum letzten Athemzuge meines Lebens will ich für Dein Glück beten, weil Du mich aus schrecklicher Sclaverei befreit und mich meiner geliebten Herrin wieder zugeführt hast."" „Beweise Dich dankbar, indem Du Deiner Herrin zuredeft, meinen Wünschen nicht länger Widerstand entgegenzusetzen." „Sie hat mir schon zugeredet", sagte Esther lächelnd. „Wie glücklich macht mich Dein Lächeln", rief der Sultan. „Es ist das erste Mal, daß ich Dich lächeln sehe. Das ist Dein Verdienst, gute Hanna. Du hast mich dadurch reichlich für Deine Befreiung belohnt. Jetzt aber gehe und bereite Deiner Herrin ein Mahl; sie hat lange genug die gewohnten Speise entbehrt." Hanna ging, sich tief vor dem Sultan verneigend. Mohamnled und Esther waren allein. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaetion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Noux'scken Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Main; (Mainzer Anzeiger).

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