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Der Israelit · 1878-03-13 · Heft 11 (13.3.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 11 (13.3.1878)
Date
1878-03-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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261 „Herr, mein Gott!" rief sie, „in welche entsetzliche Lage bin ich gerathen! Auch der freudige Entschluß, eines freiwilligen Todes zu sterben, ist mir verkümmert. Der Löwe hat mir foebeu feine Zähne gezeigt; er wäre im Stande, die blutigste Rache an meinem Volke zu nehmen. Laß mich sterben, o Gott, sende Du mir den Tod aus Deiner Hand! Ach» wohin sind meine Träume von Glück und Freude? Verschwunden sind alle meine Hoffnungen, und das Süßeste ist mir der Gedanke an den Tod geworden. Herr, mein Gott, ich murre nicht gegen Dich, ich beklage mich nicht, Dein heiliger Wille geschehe — und siehe, Allbarmherziger, ich verlange ja nichts als den Tod, der mich aus meiner entsetzlichen Lage befreie! O, sende Deine Blitze hernieder auf mein Haupt und laß mich sterben! Mein Vater, mein Oheim, wie werdet ihr jammern und klagen um mich! Ach unsrer Familie ist kein Glück befchieden! Wie oft habe ich geweint, wenn der liebe Vater und der gute Oheim von dem Feuertode des Großvaters erzählten! Glücklich war er, daß er sterben durfte, um den Namen Gottes zu heiligen. Mir ist auch dieses Glück versagt. Leben soll ich in Abfall und Sünde, als Sklavin des Jsmaeliten — kann es etwas Entsetzlicheres geben? Zeige mir einen Ausweg, mein Vater im Himmel! Rette mich oder befreie mich durch den Tod!"" So klagte und weinte und jammerte sie, bis die Sklavinnen des Serails kamen und sie aufforderten, etwas Speise zu sich zu nehmen. Die Bedauernswerthe genoß seit dem Tage ihrer Gefangenschaft nicht als Wasser und Brod. Mit Schrecken dachte sie daran, daß das Peßachsest nahe bevorstand. Was sollte sie an diesem Feste genießen, an welchem auch das gesäuerte Brod zu den verbotenen Speisen gehört? Am andern Morgen saß Esther in ihrem Gemache der neuen Schrecknisse harrend, die ihr dieser Tag bringen würde, als der Vorhang ihres Gemaches sich hob, und eine Frauengeftalt mit lautem Aufschrei auf sie zuftürzte. „Hanna!" rief Esther, und voll Entzücken umarmten sich die Beiden, und sie weinten, die Eine am Halse der Andern. „„Gepriesen sei der allmächtige Gott,"" sagte Hanna, „„der mich aus harter Sklaverei befreit und mich zu Dir, meine Esther, zurückgeführt hat!"" „Gepriesen sei sein heiliger Name! Aus harter Sklaverei, sagst Du? Du Aermfte, erzähle mir, wie es Dir ergangen!" „„O, erst berichte mir, Geliebte, wie es Dir geht! In allem meinem Elend habe ich nicht einen Augenblick aufgehört, an Dich zu denken und Dein LooS zu beklagen."" „Du Gute! Mein harret ein glänzendes LooS, ich soll Sultanin Chaseki werden." „„Unö Du."" „Ich flehe zu Gott, daß er mir den Tod sende, den ich so heiß ersehne und den ich freiwillig mir nicht werde geben dürfen. Doch nun erzähle mir von Deinen Erlebnissen." „„Das Herz voll Wehe ob des Abschiedes von Dir, wurde ich auf den Sclavenmarkt geführt. Laß mich schweigen von all dem Hohn, dem Spotte, der Erniedrigung, die mir da geworden. Viele Käufer hatten um mich gefeilscht, da nahete einer, bei dessen Anblick mir das Herz im Leibe erzitterte. Ich betete zu Gott, daß der Schreckliche, ohne mich zu bemerken, an mir vorübergehen würde. Allein er trat gerade auf mich zu, hob den Schleier und rief mit teuflicher Freude: „Hanna, bist Du zu kaufen? Nun, Du sollst mein werden." Mir vergingen die Sinne, ich fiel ohnmächtig zu Boden. Schläge und Stöße ließen mich wieder zu mir kommen. Als ich erwachte, war der Handel abgeschlossen; ich mußte dem folgen, den ich unter allen Menschen am Meisten fürchtete. Omar war es, aus Salonichi. Unsre Eltern waren Nachbaren gewesen, wir hatten als Kinder miteinander gespielt. Später hatte Omar eine unglückliche Neigung zu mir gefaßt; er begehrte mich zumM-'be; ich sowohl wie meine Eltern, wir wiesen ihn natürlich ab. Dann warmer unter die Sipahi's gegangen , er war es, der mit meinem Bräutigam, meinem Abraham, über ihm komme der Friede, Streit suchte und den Unglücklichen, in Verbindung mit einem andern Sipahi, erschlug. Dieser Omar war jetzt mein Herr geworden; ich mußte ihm in sein Häuschen folgen, in welchem er, seitdem er aus dem Heere geschieden oder vielmehr entlassen wurde, das Geschäft eines Schuhmachers betreibt. Ich will Dir nicht schildern, mit welcher Rohheit der Elende mich behandelte, welche Dinge er mir zumuthete. Ich schrie und weinte. Mehr als einmal gedachte ich zu sterben, mehr als einmal entrang sich das „Schemang Jisrael" meinen bebenden Lippen. Ein vorübergehender Glaubensgenosse hatte diesen meinen Stoßseufzer vernommen; er drang in das Haus Omars und begehrte mich auszulösen. Omar wies ihn voll Hohn zum Hause hinaus. Aber btt mitleidige Freund, den mir Gott in meiner Noth geschickt, kehrte wieder in Begleitung des ehrwürdigen Chacham Baschi. Dieser bot dem schrecklichen Menschen bedeutend mehr, als er für mich gegeben. Omar blieb unerbittlich. „Meine Tochter," sprach der Chacham Baschi, „ich

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