Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1878)
- Date
- 1878-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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„Es ruft die Lockstimme, tat aber niemals geboren. o wer Reichthum schafft, Aber nicht mit Recht. In seiner Tage Mitte Verläßt er ihn Und an seinem Ende Steht er entwürdigt da. Ein Sitz der Ehre Hoch von Anbeginn an Ist der Boden unseres Heiligthums. Wie viele schwache Geister auch das Reformjudenthum berücken, wie viel Kurzsichtige es mit seinem Firlefanz auch blenden mochte, alle imposanten Majoritäten, alles künstliche Schaugepränge konnte den Inneren Kern dieser Modereligion nicht auf die Dauer verhüllen. Von Tag zu Dag erweist es sich mehr .und mehr als unfruchtbare Lockstimme. Die Phrasenseuche, in der es wurzelt und gipfelt, seinr Literatur, seine Predigten, seine Gesänge, seine Chöre, sie stehen in jämmerlichem, umgekehrtem Verhältniß zu seinen — Thaten. Es gackert — hat aber niemals geboren. Es imponirt durch seinen Reichthum; gewiß. Wenn auch nicht mit dem des Geistes, so doch mit materiellem Reichthum. Die Reichen vor allen anderen finden ja ihre Rechnung am besten bei einem religiösen Bekenntniß, dem mit einer Hand voll Geld Genüge zu leisten ist. Die Institutionen des Reformjudenthums sind glänzend dotirt. Warum sollten sie auch nicht? Wo Reformjuden das Heft der Gemeindeverwaltung in ihre Hand gespielt haben, werden Vermächtnisse und Legate, werden alle O'Iiv onan, die gottesfürchtige, hochherzige Jehudim zur Förderung von onDn ni^mi mny mm gestiftet haben, skrupellos zur kräftigen Unterstützung des Reformjudenthums, also zur Untergrabung von □non muy mm-verwendet. Und es standen doch alle die Heimgegangenen Stifter auf dem Boden des gesetzestreuen Judenthums, es stammen doch alle diese Stiftungen aus einer Zeit, in der man so wenig an ein Reformjudenthum dachte, daß der edle jüdische Gemeinsinn der Einzelnen, welcher noch über das Grab hinaus die idealen Güter der Gemeinde fördern wollte, nichts Besseres ihun zu können glaubte, als seine o»am onan dem Vorstand der Gemeinde zu unterstellen. Das Alles ist klar wie das Sonnenlicht. Ein Jeder weiß es und die reformatorischen Gemeindezwingherren wissen es am besten, wenn die edlen Stifter jener □'am onan aus ihren Gräbern erstehen, ihre Stiftungen aus der bundesbrüchigen Hand reißen und sie dem orthodoxen Judenthum zuwenden könnten, dem sie mit jeder Faser ihres Herzens angehörten, und das sie mit ihrem Gelde fördern wollten, sie würden es längst gethan haben. So aber wird heiliges jüdisches Geld zur systematischen Ausrottung des Judenthums verwendet, so schafft man sich Reichthum, „aber nicht mit Recht". Doch was soll man sich über die Vergewaltigung der Todten wundern, wo sie so dreist und unerhört an den Lebenden geübt wird? Die non nai roso scheint nun einmal in den reformatorischen Katechismen nicht zu stehen, oder von den Reformen auf Grund der aus dem omo pnp omna resultirenden Kollegialität jedenfalls nicht sehr scrupullös behandelt zu werden. Daß man gesetzestreue Juden, deren ganzes Leben und Wirken ein feierlicher Protest gegen das Reformjudenthum ist, zwingt, die Institutionen der Apostasie mit zu unterhalten, das ist eine Ungeheuerlichkeit, die mehr als ausreicht, um das üs^oa -wiy rwiy voll und ganz auf das Reformjudenthum zu beziehen. Daß der Flitter, der auf solcher Unterlage ruht, eben nur Flitter ist, daß diese äußerllche, glänzende Machtstellung innerlich hohl und unhaltbar ist, wenn man nur mit dem Maßstab des Rechts an sie herantritt, kurz daß der widerrechtlich erworbene Reichthum auch das Reformjudenthum inmitten seiner Tage verläßt, um es schließlich in seiner Entwürdigung zu zeigen, das haben wir in unseren Tagen erlebt, und erleben es täglich in eclatanter Weise. O, wenn es den Edlen in Israel, denen während eines halben Jahrhunderts das Umsichgreifen dieser Abfallsreligion den Lebensabend verbittert, das jüdische Herz gebrochen und den klaren Geist mit Wehmuth getrübt hat, wenn es ihnen vergönnt wäre, in unseren Tagen die Kehrseite der glänzenden Medaille zu schauen, zu sehen, wie der naj vrnV' dafür sorgt, daß „seine Abtrünnigen schon auf Erden verzeichnet werden", und so am Ende entwürdigt dastehen! Würde und Nimbus, künstlicher Heiligenschein und erborgter Glorienschimmer, das waren ja die bestechlichen Lockmittel, mit denen man die Massen zu gewinnen und auch dann nichtjüdischen Kreisen zu imponiren glaubte; wie hat man sich da so gründlich verrechnet, indem man die Rechnung eben ohne den naj, den alten jüdischen Hort machte! Was bei dem fehlenden Rechtlichkeitssinn der Reformjuden trotz aller Vorstellung und Bitten nicht zu erlangen war, die Befreiung der gesetzestreuen Juden von einem widernatürlichen Hörigkeitszwange, haben die Regierungen in Baden, Preußen und Hessen in liberalster Weife gewährt. Seit dem so die Berechtigung der Juden aus unjüdischen Gemeinden auszuscheiden anerkannt, und damit der staatliche Zwang gefallen ist, der das wurmstichige Reformjudenthum noch dürftig zusammenhielt, ist in den betreffenden Kreisen eine Panik