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Der Israelit · 1878-03-06 · Heft 10 (6.3.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 10 (6.3.1878)
Date
1878-03-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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meinnütziges in seinem Leben gewirkt zu haben. Herr M. H. Singer, ein Mann, der 22 Jahre hindurch, noch unter dem Rabbinate des Chatam Sofer Vt, die Leitung der Gemeinde hier in Händen hatte, beschloß dieser Tage sein segensreiches Leben im Kreise seiner Kinder zu Pesth. Auf dessen letzwillige Anordnung wurde seine Leiche hierher überführt. Die Gemeinde zollte den sterblichen Ueberresten des Heimgegangenen Edlen, welcher durch zwei Decennien mit bewunderungswürdiger Gewissenstreue als Vorstand gewirkt — dadurch ihre Achtung, daß, während der Leichenwagen die Straßen passirte, sämmtliche Geschäftslokale geschlossen waren. Daß die Betheiligung am Leichenbegängnisse eine allgemeine war, braucht nicht erst gesagt zu werden. Möge dessen Andenken als segnendes Beispiel anregend wirken! n'n'jj'j'r. D. Italien. Palermo Eine Gesellschaft zur Unterstüzzung von Schiffbrüchigen wurde durch unfern Glaubensgenossen Signor Elemente Arbib gegründet. Es wurde beobachtet, daß die meisten solcher Gesellschaften, wie sie in Italien existiren, von Juden ins Leben gerufen worden sind. (Jew. Ehr.) Frankreich. Paris. Ein interessanter Millionenvrozeß spielt sich jetzt dahier ab. In Mohilev (Rußland) lebte vor etwa 30 Jahren ein Jude Namens Mayer Garfinkel, welcher sich von seiner Frau scheiden ließ. Das einzige Mädchen, Namens Rebecka, welches dieser Ehe entsprossen, überließ G. seiner Frau. Er ging in die Welt, um sein Glück zu versuchen, wurde Brauntweinpächter und erwarb sich ein enormes Vermögen. Nachdem er in Petersburg zum Christenthum übergetreten und zum zweiten Mal geheirathet, begab er sich mit seiner Frau nach Paris. Seine zweite Ehe blieb kinderlos. G. ließ seiner inzwischen herangewachsenen Tochter R. eine angemessene Erziehung geben und besuchte sie oft, um sich von deren Wohlbefinden zu überzeugen. Schließlich verheirathete er dieselbe an einen Kaufmann, Namens Rabinowitz. G. nahm das Paar zu sich nach Paris und stand zu demselben in den besten Beziehungen. Im verflossenem Jahre starb G. und hinterließ ein Baarvermögen von 8 Millionen Francs und außerdem Realitäten, in Paris und in Petersburg, im Werthe von 2 Millionen. Natürlich meldete sich R. Garfinkel, verheirathete Rabbinowitz, als Erbin. Die zweite Frau des G. bestritt aber die Rechte der! Frau R., welche nun den Beweis zu liefern hatte! daß sie in der That die eheliche Tochter G.'s sei > Sie berief sich auf 18 Zeugen —. im Alter von! 75 bis 80 Jahren — welche sich nicht nur der! Trauung des verstorbenen G., sondern auch der Geburt R.'s Rab. erinnern konnten. Die Zeugen wurden bereits vernommen und machten richtig die erwähnten Aussagen, weshalb man erwartet, daß der Prozeß zu Gunsten der N. Rabinowitz ausfallen werde. (W. Jsr.) England. Der Gouverneur der Insel Malta hat angeordnet, daß jüdische Gefangene an jüdischen Sabbat- und Feiertagen nicht zur Arbeit angehalten werden dürfen. (Jew. Ehr.) Türkei. Conftantirropel Die Zahl der Israelitenwelche sich von Rumelien nach Constantinopel flüchteten, stieg bis zum 9. d. auf 5000. Die Lage derselben ist eine sehr traurige. Die Hilfsmittel reichen nicht aus, um alle versorgen zu können. Die Geschäfte stocken ganz und gar. Auf Anrathen des Oberrabbiners kehren viele' in ihre Heimath zurück. (W. Jsr.) Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. XXVI Inzwischen schritten Carl und Emma schweigend neben einander einher die Straßen entlang, die zu ihrer Wohnung führten. Emma hatte die andere Hand ihres Kindes ergriffen, der so zwischen den Eltern dahin hüpfte und unermüdlich plauderte und es gar nicht merkte, daß er nur höchst selten und dann auch nur eine einsilbige Antwort erhielt. Wer sie so sah, dies jugendlich schöne Paar und in ihrer Mitte den bildschönen Knaben, der hätte sie für die glücklichsten Gatten und Eltern halten müssen — und wie sah es in dem Innern dieser Gatten aus! Sie hatten ihre Wohnung erreicht, Carl öffnete die Thür, Emma schritt voran. Noch hatten sie kein Wort, keine Silbe mit einander gesprochen, und doch war Carl vier Wochen abwesend gewesen, und sie hatten auch in dieser Zeit die zärtlichsten Briefe mit einander gewechselt, und so war nun ihr Wiedersehen.

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