Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1878)
- Date
- 1878-03-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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236 So entstand das erste Gottesheiligthum in der Wüste, so entsteht noch heute jedes bj/ö anpo in der winzigsten jüdischen Dorfgemeinde der Diaspora. Das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit, das Bedürfniß der Vereinigung mit Gott, die Sehnsucht nach seiner schützenden Nähe, seiner segnenden Liebe, schufen und schaffen die jüdischen Heiligthümer. Wo noch jüdische Herzen schlagen, wo noch jüdische Seelen athmen, der Nus 'v inp'i nenn findet noch allenthalben seinen hpk tr« «an». An den goldenen Särgen dagegen. die das Reformjudenthum seinem Gotte zimmert, haben diese jüdischen Genien keinen Antheil. Wahrlich, die ärmliche jüdische Dorfgemeinde, die sich's Jahrzehnte lang zur Pflicht gemacht, daß jedes einzelne Mitglied von jedem Geschäftsgewir.n seinen bestimmten Theil zum Baueiner „Schul" beisteuere , und die nun nach langem Ringen und Sehnen, endlich ein bescheidenes nojan nd zu besitzen so glücklich ist, wahrlich eine solche Gemeinde wiegt vor Gott, Dutzende von Reformgemeinden mit ihren Quadersteinbauten auf. Und nicht nur vor Gott, auch in den Augen jedes unbefangenen Menschen. -- Jeder Stein, jeder Sparren, das ganze Ensemble, wie er es chat entstehen und vollenden sehen, erinnert den schlichten Dorf-Juden, an den Antheil, der auf ihn fällt, es ist ihm in der That das wahre Symbol der Einheit und Zusammengehörigkeit der ganzen Gemeinde, d. h. ein nDjan rva, und jeder Besuch dieser Stätte schürzt einen neuen Knoten in das Alle umschlingende Band der Eintracht und Liebe. Von allen diesen Empfindungen weiß der Reformjude Nichts, wenn er sein Gotteshaus besucht. Alle geläuterten Gefühle, alle rührende Erbauung, welche christliche Kirchenmusik, gemischte Chöre. Predigt und gekürzte Andacht, auch in ihm erwecken mögen, mit jener freudigen Beseitigung haben sie Nichts gemein, deren Dollmetsch das Psalmwort ist: rva 'v onowa ’nnoa'. Ein Gottes-Haus nennt auch der Psalmsänger die Stätte der Gottesverehrung , aber seine Freude gilt nicht dem Holz und Stein, sondern dem i1?:, dem Umstande, daß man durch den Besuch des Gotteshauses zeigt, daß es kein Haus ausschließlich für Gott sei. Ja, daß das Gotteshaus, in erster Reihe dazu bestimmt ist, die Herzen seiner Besucher mit Freude zu erfüllen, ist den Bekenner« des Refvrmjudenthums vollständig abhanden gekommen , obwohl diese Thatsache in owaj, nun und D’aina wiederholt ausgesprochen ist Mit den Worten orpjs dsn oyn 4on das ganze Volk sah es und jauchzend fielen sie auf ihr Antlitz nieder, schließt der Bericht der Errichtung und Einweihung des ersten Gottesheiligthums, und das Ideal' des spätesten Gotteshauses gipfelt in der jesaianischen Verheißung: ich werde sie bringen zu meinem heiligen Berge und werde sie — nicht andächtig stimmen, erbauen, rühren, in Wehmuth und Zerknirschung aufgehen lassen, sondern — erfreuen in meinem Bethause u. s. w. Daß dies Zwitterjudenthum unserer Tage, welches seine jüdische Religion mit einer Handvöll, innerhalb der Gefühlsspähre geweckten und verrinnenden Andachtserregungen abfüttern möchte, kein Verständniß und keinen Platz für die Helle, freudige Heiterkeit hat, die der schlichte Jude aus seinem nwan rva mit ins Leben hinausnimmt, kann wahrlich nicht befremden. Seine Lust und seine Freude wurzelt ja in anderen Kreisen, dazu bedarf es eines Gotteshauses mit Nichten. Es bleibt daher seinen Besuchern fremd und läßt sie kalt, denn die Schauer- und Buß-Paraden, die obligaten Herzerfchütterungen, Thränen-Predigten, Andacht - Rührungen und Seufzer - Choräle, mit denen da der „Weinberg des Herrn" bestellt wird, haben mit dem frischen warmen Leben außerhalb des Tempels nichts, gar nichts gemein. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e n t s ch l a n d. Wiesbaden, 21. Febr. Auf die Beschwerde des Vorstandes der hiesigen isr. Cullus-Gemeinde ist höheren Ortes angeordnet worden, daß fortan die Verwendung des isr. Central-Cultus-Fonds nicht mehr auf Unterstützungen an isr. Religions- Lehrer. bezw. zu Zuschüssen an die Cultus-Gemeinden behufs Bestreitung der Lehrer-Besoldungen aus dem genannten Fonds ausgedehnt werden solle. Bei der bisherigen Einrichtung hat die hiesige Cultus-Gemeinde für die Bedürfnisse derjenigen des ganzen ehemaligen Herzogthums Nassau alljährlich 5—6000 Mk. aufzubringen, wovon sie nun befreit ist. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Pretzbltrg, 1ö. Febr. Ein seltener Act der Pietät war es, der sich jüngst dem Beschauer hier darbot und jedes echt jüdische Herz, mit wahrhafter Zufriedenheit erfüllte. Man fühlte so recht innig die Bedeutung der Worte enier mo men und wie beseeiigend es sein muß, Gutes und Ge- " 1 Vn «r 1 litllFi»