Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1878)
- Date
- 1878-03-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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234 „Und wie lautet die Lehre, der Du zu folgen gedenkst?" „„In den heiligen Geschichtsbüchern wird erzählt, daß der Eroberer der halben Welt, daß Nebukadnezar, der König von Babilon, ein Standbild machen ließ und allen seinen Unterthanen befahl , sich vor diesem Bilde zu bücken. Alle gehorchten dem Befehle des Königs. Nur drei jüdische Jünglinge, Chananja, Mischael und Asarjah, wagten es, dem Zorne des mächtigen Herrschers zu trotzen; sie ließen sich lieber in den glühenden Kalkvfen werfen, ehe sie sich vor dem Bilde bückten."" „Sie haben Recht gelhan. Von Dir aber. Esther, verlangt Niemand, daß Du Dich vor einem Götzenbilde bückest." „„Die Weisen berichten, daß es kein Götzenbild , sondern nur ein zu Ehren des Königs errichtetes Standbild war. Die drei Jünglinge wären nach dieser Ansicht nickt verpflichtet gewesen, ihr Leben preiszugeben; sie thaten es dennoch, um den Namen des Allheiligen zu heiligen." „Und so gedenkst auch Du, den Namen Gottes zu heiligen und lieber zu sterben, ehe Du zum Islam übertrittst?" „„Du hast es gesagt, hoher Herr!"" „O, Esther, Esther, Dein hoher Geist, Dein edler Sinn überstrahlen noch die Schönheit Deines Körpers! Du bist ein Edelstein, von höherem Werthe als all die Reiche, die ich von meinem Vater ererbt habe. Könnte ich mich mit Dir zurückziehen in die tiefste Dunkelheit, als niedriger Fellah den Boden bebauen und Dich mein Weib nennen, ich würde auf all den kostbaren Besitz gerne verzichten, der bisher die Freude meines Herzens gewesen Aber, ich kann nicht, ich kann nicht. Ich bin der einzige Sprosse aus Osmans heiligem Blute, zum Herrscher geboren und bestimmt. Wenn ich entfliehen wollte — vom andern Ende der Erde würden mich die Osmanen herbeiholen, um mich auf den Thron meiner Väter zu setzen. Ist es so, Salomo? Sprich Du!" „„Es ist so, Herr!' " sagte Salomo. „Was soll ich also thun? Dich kann ich nicht missen, Esther, eher würde ich sterben; meinen Herrscherpflichten kann ich nicht entfliehen. Was soll ich thun?" Esther schwieg. „Du schweigst? Ha, Du liebst mich nicht. Vielleicht hat schon ein anderer Mann Dein Herz gewonnen, ehe Sinan Dich entführte. Wäre dem so, ich würde ihn in Stücke zerreißen mit eigenen Händen. Du hast mich als girrenden Tauber kennen gelernt, Mädchen! Ich kann auch ein Löwe sein, ein blutlechzender, gleich meinem Ahn, dem Eroberer von Stambul. Sprich, Mädchen, hat schon ein Anderer Dein Herz gewonnen?" Esther erbebte bei diesem Ausbruche der Wuth des Sultans. Sie schwieg, nie noch hatte eine Lüge ihre Lippen befleckt. „Sprich!" schrie der Sultan, während seine Augen funkelten. Da gedachte Esther des Urahns Abraham, der zu Sara gesprochen: Es möge leben meine Seele um Deinetwillen. „„Es lebt kein Mann aus Erden,"" sprach sie zitternd, „„dem ich mich zu eigen gegeben hätte/'" Rabbi Salomo athmete auf, als Esther so sprach. „Was stehst Du da, Sclave!" schrie ihn der Sultan an. „Hinweg, führe meinen Auftrag aus!" Rabbi Salomo entfernte sich eilig. Des Sultans Zorn hatte sich gelegt. „Esther," sprach er. „verzeihe mir; meine große Liebe zu Dir ist's, die mich verzweifeln macht bei dem Gedanken, daß ich nicht Dein Gatte, nicht der Geliebte Deines Herzens sein sollte. Esther, habe Erbarmen mit mir!" „„Gnädigster Herr, ich würde mich bemühen, Dir ein treues Weib zu sein, wenn Du der Genosse meines Glaubens, ein Bekenner meines Gottes wärst."" „Du redest Thörichtes, Mädchen!" ,,„O, Herr, es gibt so viele der Frauen und Mädchen in Deinen weilen Reichen. Du kannst Dir die schönsten wählen, Mädchen, die schöner sind als ich; warum verlangst Du gerade mich zu Deiner Gattin?"" „Du kannst das Gefühl nicht ermessen., das mich bewegt, wenn Du also redest. Ich muß Dich jetzt verlassen. Möge Gott Deine Augen erleuchten und Dir den Weg zeigen, der für mich und Dich der beste ist." (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gott« leben'» Buchdrucker ei (Mainzer Anzeiger). ■mmääL^täääM