Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1878)
- Date
- 1878-03-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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233 Feuilleton. oSji&er Wem. Eine historische Erzählung. X. „Bist Du mit mir zufrieden, Esther?" fragte der Sultan, nachdem Rabbi Salomo sich entfernt hatte; ..o, laß mich wieder Dein süßes Antlitz schauen." „„Ich danke Dir, hoher Herr,"" entgegnete die Angeredete, indem sie den Schleier entfernte, „„Deine Güte macht mich so kühn, Dir noch einen Wunsch vorzutragen, dessen Gewährung Dir eben so leicht werden wird."" „Du dankst mir und nimmst gleich die Hälfte des Dankes zurück? Woher weißt Du, daß es mir so leicht geworden, Deine Bitte in Bezug auf die Juden von Stambul zu gewähren?" „„Und sollte es dem Herrscher eines großen Landes nicht leichter sein, Recht und Gerechtigkeit zu üben als Grausamkeit und Härte?"" , „War ich denn nicht berechtigt, den Juden zu zürnen? Hat doch einer ihres Stammes es gewagt, mir nach Krone und Leben zu trachten!" „„Einer ihres Stammes! Der Sohn eines Renegaten war es, dessen Vater den Quell unsres Lebens verlassen, dessen Mutter eine Türkin gewesen, der im Islam geboren und erzogen war. Und das Vergehen dieses Elenden willst Du den Juden zur Last legen? Warum verbannst Du nicht lieber die Bekenner des Islam aus Stambul, da doch jener Verbrecher einer der Moslemim gewesen?"" „Du sprichst sehr weise, Mädchen. Nenne mir den Wunsch, den ich Dir erfüllen soll." „Als Sinan, Dein ehemaliger Großwesir, mich gewaltsam aus Salonichi entführte, da war meine mütterliche Freundin, meine Erzieherin, die mir seit dem Tode meiner Mutter diese zu ersetzen sich stets bemüht hat, bei mir. In Stambul wurden wir von einander getrennt. Ich wurde in den Serail geführt, meine Freundin wurde im Hause der Schwester Sinans zurückbehalten. Ich bitte Dich, hoher Herr, laß meine arme Hanna zu mir kommen. O, sie wird sich im Leid um mich. verzehren, und wer weiß, welch schreckliches Loos ihr schon zu Theil geworden."" „Sinan hat sie auf den Sclavenmarkt geschickt und sie verkaufen lassen." „„O, laß sie zurückkaufen, gnädigster Herr! Du versicherst, daß Du mich liebst, Herr! So bebefreie meine Hanna, die mir die theuerste ist von allen Frauen der Erde. Um meinetwillen ist sie geraubt worden, um meinetwillen muß sie so Schreckliches dulden! Sie hat meine Kindheit gepflegt, in Krankheit an meinem Lager gewacht; wie könnte ich es ertragen, sie, die geliebte Freundin, im Elend der Sclaverei zu wissen!"" „Aber sie ist eine Jüdin, sie wird Dich im Widerstande gegen meine Pläne bestärken." „,,Du irrst, hoher Herr, sie wird im Gegentheile sich bemühen, mich zu bewegen, mein Leben zu erhalten und mir Unannehmlichkeiten zu ersparen. Ach, sie liebt mich so sehr!"" Ein Eunuch des Harems meldete, daß Signor Salomon zurückgekehrt sei, um dem Sultan dessen Sigelring zurückzustellen. Esther zuckte zusammen, als sie Salomons Namen hörte. Die türkische Sitte, die da gebietet, daß die Frau vor einem fremden Manne ihr Antlitz verhülle, kam ihr sehr gelegen. Rasch zog sie den Schleier vor. Der Sultan bemerkte es mit Wohlgefallen. Er winkte dem Eunuchen, der sich entfernte, um Signor Salomon eintreten zu lassen. Dieser warf sich vor dem Sultan nieder, und überreichte ihm, auf der Erde liegend, den Sigelring. „Ich brauche nicht zu fragen," sagte Mohammed , „ob Du meinen Auftrag ausgeführt hast. Es wird Dir damit mehr geeilt haben als mir. Aber behalte den Ring zur Ausführung eines andern Befehls. Gehe zu Sinan und sage ihm, daß er die Sclavin, die er aus Salonichi entführt hat, die Jüdin Hanna, in den Serail sende. Sollte er sie schon verkauft haben, so mag er ihren Rückkauf bewerkstelligen. Damit der etwaige Käufer keine Schwierigkeiten mache , so soll dieser Ring einem Jeden, der daran zweifelt, beweisen, daß es mein Wille und Befehl ist. Bist Du mit mir zufrieden, Esther? Stehe auf, Salomo, und wiederhole mir, was Du der Rose von Salonichi gerathen?" Rabbi Salomon erhob sich. „„ErhabenerHerrscher,"" sprach er, „ich habe der Rose von Salonichi, die einen freiwilligen Tod wählen wollte, gesagt, daß sie nach jüdischem Religionsgesetze nicht dazu verpflichtet sei."" „Und Du weigerst Dich dennoch, Esther, meine Gemahlin zu werden? Siehe, dieser Mann ist ein Weiser Deines Volkes. Warum willst Du seinen Ausspruch nicht befolgen?" „„Auch mich, hoher Herr, haben Vater und Oheim in den Weisheitslehrev meines Volkes unterrichtet.""