Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1878)
- Date
- 1878-03-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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232 denfest gefeiert wurde. Unser Rabbiner Herr Z. Spiro und Herr Rabbinatsassessor Marens Guttmann hielten inhaltsreiche mit Beifall aufgenommene Reden. Es wäre zu wünschen, daß derartige auf orthodoxer Basis beruhende Vereine in vielen Gemeinden ins Leben gerufen werden. Das walte Gott! — Oesterr.-Ungarische Monarchie. Wie«, 25. Febr. Vor einiger Zeit meldeten wir, daß ein gewisser Markbreiter bei Preßburg sich in die Donau gestürzt und sein ganzes Vermögen der Wiener isr. Cultusgemeinde hinterlassen hat. Neuestens dringt auch der vollständige Wortlaut des Testamentes in die Oeffentlichkeit, nach welchem der Verstorbene der Cultusgemeinde ausdrücklich verbietet, irgend einem seiner Verwandten auch nur den geringsten Theil von seinem Vermögen zukommen zu lassen. Die Schwester des Dahingeschiedenen macht Anspruch aus das Erbtheil, weßhalb sich ein Prozeß entspann, bei welchem die isr. Gemeinde als Universalerben durch den Advokaten vr. M. Heller vertreten ist. Der ganze Nachlaß beträgt über 102000 fl., welche im Preßburger Depositenamte deponirt sind. (W. Isr.) Wien, 25. Febr. Gestern fand im kleinen Bethauslokale des hiesigen Leopoldstädter Tempels, unter Vorsitz des Vice-Präsidenten Herrn Bernhard Singer, die 3. ordentliche Generalversammlung des Vereins zur Errichtung von Volksküchen nach isr. Ritus statt. Dem vom Herrn vr. Siegmund Wahrman verlesenen Berichte entnehmen wir, daß im abgelaufenen Jahre 51153 ganze und 191487 halbe Portionen, ferner 155486 Gemüse-, 29776 Thee-, 60992 Suppen- und 238903 Brot- Portionen verbraucht wurden. Der Verein hat einen Ueberschuß von 6975 fl. erzielt. Der Stammfond wurde um 4258 fl. vermehrt. (W. Isr.) Holland. Amsterdam. Der Kriegsminister hat verordnet, daß die Militärbehörden den jüdischen Soldaten an jüdischen Feiertagen Urlaub zu geben haben. An Samstagen sollen die jüdischen Soldaten von jedem Dienste befreit sein, und auf Wunsch können sie auch an jüdischen Fasttagen vom Dienste dispensirt werden. (Jew. Chr.) Asien. Vom Karmel, 27. Dec. Die von den Capitänen Wilson und Warren seit einem Jahrzehnt begonnene, von Lieutenant Conder fortgesetzte Vermessung Palästinas ist durch den Royal Ingenieur E. Kitchener nunmehr vollendet; derselbe hat am 14. December Beyrut verlassen. Der Ualsotins Exploration Fund in England hat darauf jährlich über 1000 Pfund Sterling verwendet. Auf Grund dieser sorgfältigen Aufnahmen steht die Veröffentlichung einer genauesten Karte des heiligen Landes bevor, wozu jene von Van de Velde eine dankbare Vorarbeit bildet. — Heber die augenblicklichen Zustände in Palästina schreibt man demselben Blatte. „Da alle wehrfähige Mannschaft bis zum fünfzigsten Jahr unter die Soldaten gesteckt ist, die große Zahl auf Nimmerwiederkehr; so bleiben nur noch Knaben, Weiber und Greise zurück, um die Felder zu bestellen; alle Hantirung liegt darnieder, auch in der Colonie; die Armuth im Lande ist gräßlich und Morden und Rauben an der Tagesordnung. Das Unglück wollte, daß die letztq Ernte in dem sonst getreidereichen Hauran gänzlich mißrathen ist. Inzwischen fetzten die Beduinen mit Tausenden ihrer Kameele und Rosse über den Jordan, weideten die Sommerfrüchten ab und raubten den ungetretenen und tribulirten Weizen von den Felsentennen, wobei es zu förmlichen Scharmützeln kam und es auf beiden Seiten Todte absetzte, aber die Angreifer immer im Siege blieben. Und während das Land ringsum gräßlich ruinirt und jeder mit wie ohne Krieg an den Bettelstab gebracht ist, nimmt der türkische Beamte noch unerbittlich Steuer-Erhebungen vor. Das Elend wurde in der letzten Zeit noch durch die Pockenepidemie vermehrt, welche in St. Jean d'Acre von 8000 Seelen nicht weniger als 1260 Opfer hinwegraffte. Auch wir verloren daran sieben Personen, und durch die Gluth des lang anhaltenten Scirocco, wodurch das Thermometer im Schatten auf 34° R. stand, verschmachteten uns namentlich die Kinder unter einem Jahre; zwanzig find ihrer dieses Jahr gestorben; die Sterblichkeit war in der Colonie nie größer. Alles kommt aus Rand und Band. Selbst die Furcht vor Blutrache , die sonst den Araber merkwürdig vor gewaltthätigen Verbrechen zurückhält, scheint nicht mehr zu wirken. Der Preis der Lebensmittel steht hoch und Niemand kann für die Sicherheit unterwegs einstehen. (A. A. Z.)