Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1878)
- Date
- 1878-03-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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231 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 28. Februar. Dem „Mainzer Anzeiger" entnehmen wir: „In der gestrigen Etaüt:aLhssitzung wurden die Zuschüsse, welche die Stadt den katholischen und protestantischen Geistlichen leistet, auf's Neue genehmigt. Bei dieser Gelegenheit stellte der Stadtverordnete, Herr BanquierM. Oppenheim, zugleich Präses des Vorstandes der israel. Gemeinde , den Antrag, die Zuschüsse auch auf den israel. Cultus auszudehnen, da ja auch die Israeliten ihre Beiträge an das Einkommen der Stadt zu leisten hätten. Dieser Antrag wurde an die Finanz-Commission verwiesen. „So sehr wir dem Anträge des Herrn O. im Principe beistimmen, so sehr müssen wir uns darüber wundern, daß, da die israel. Gemeinde von den Mitgliedern der israel. Religionsgesellschaft, ohne irgendwelche Gegenleistung, Beiträge für ihren Cultus fordert und — jetzt schon 25 Jahre lang — executorisch beitreibt, Herr O. von den christlichen Mitbürgern etwas verlangt, was er und seine Eollegen den eigenen Glaubensgenossen versagen. Es war unerfreulich zu vernehmen, daß der Vorstand der israel. Gemeinde zu Mainz eine Petition beim Landtag eingereicht hatte, welche diese ebenso ungerechten wie unhaltbaren Zustande, den freiheitlichen.Intentionen der Regierung und der Kammer entgegen, zu verewigen bat. Welch' glänzendes Fiasco diese Bestrebungen beim Landtage gemacht, ist aus den Verhandlungen der zweiten Kammer bekannt; demnächst wird auch im Großherzogthnm Hessen das Ausrrittsgesetz — es ist kein Zweifel, daß die erste Kammer und die Regierung es genehmigen werden — in Kraft treten. Dann wird -er Vorstand der israel. Gemeinde der israel. Rrligionsgesellschaft — wie in Frankfurt a. M. — weitgehende Anerbietungen machen, und dann wird der löbliche Vorstand — wie in Frankfurt a. M. — mit seinen Anerbietungen zu spät kommen. 0,(be kann ja Niemand in Abrede stellen, daß der Antrag des Herrn O. auf Recht und Billigkeit bafirt ist. Zuerst aber sollten Herr O. und seine Collegen im Vorstande der israel. Gemeinde, dem Rechte und der Billigkeit Rechnung tragend, den schwerbelasteten, doppeltbesteuerten Mitgliedern der israel. Religionsgesellschaft, die jetzt aus eigenen Mitteln eine neue Synagoge für circa 120,000 M. *) zu bauen gezwungen sind, diese schweren Lasten brüderlich tragen helfen." *) Anm. d. Red. d. „Jsr." Die Synagoge wird auf mehr als 150,000 M. zu stehen kommen. Mainz, 28. Febr. Wir erhielten aus der* schiedenen Städten Berichte über Festlichkeiten, die bei Gelegenheit eines cn'v veranstaltet worden sind. Es ist für uns und unsere geschätzten Leser höchst erfreulich, aus denselben zu erfahren, »b '2 daß das Talmudstudium mit Eifer daselbst betrieben wird, eine Erscheinung, die namentlich in unserer mehr den materiellen Bestrebungen zugeneigten Zeit von nicht hoch genug zu schätzendem Werthe ist. Doch sind wir mit Rücksicht aus den Raum unseres Blattes sowie auf das geehrte Lesepublikum, gezwungen, diese Festberichte. die, weil lokaler Natur, auch nur für einen Theil des Publikums von großem Interesse sein können, nur im Auszuge zu bringen. Wir lassen nachstehend drei solcher Berichte folgen: Wien. Ja dem zur Synagoge in der Schiffgasse gehörigen cmon n’2, an dessen Spitze Herr Rabbiner Salomon Spitzer steht, wurde ein onv über '-HD abgehalten. Vor 13 Jahren wurde mit dem regelmäßigen Lernen des nvoipD begonnen. Beim Festessen hielt Herr Rabbiner Spitzer eine längere nam. an der Ich alle Anwesenden ergötzten. Der Vorstand des Emon n’2 ist eifrig für das Thorastudium bemüht, namentlich ist das rastlose Bestreben des Herrn Jakob Neurath lobend hervorzuheben. Paris, 15. Febr. Vergangenen Sonntag (~n>x ki"i) versammelten sich die Mitglieder des Vereines für Talmudstudium (Lveiets äs I'stnäs talmuäigus), etwa 35 an der Zahl in ihrem öffentlichen Betlokale, wo nach beendigtem.-imv-Gebete Herr Rabbiner Weißkopf eine von ihm regelmäßig vorgetragene, rooa beendigte. Beim Festessen sprachen Herr Oberrabbiner Isidor, Herr Rabbiner Weißkopf und Herr Dr. med. Klein, Präsident des Vereins. Die drei Redner ernteten den wohlverdienten großen Beifall aller anwesenden Gäste. Varanno (Ungarn), im Adar. Unter den zahlreichen wohlthätigen Vereinen, welche durch unfern früher« Rabbiner Herrn David Schück (jetzt in Tokay), im Schoße der hies. Gemeinde ins Leben gerufen wurden, nimmt die fcnzn d"v einen hervorragenden Platz ein. Nach den Statuten werden die einzelnen Tractate des Talmuds an die zahlreichen Mitglieder vertheilt, damit im Laufe eines Jahres ganz üuv durchgelernt werde. Aus einer r2DD wird allabendlich von je einem Mitgliede vorgetragen. Im Adar wird ganz duv beendet, bei welcher Gelegenheit auch ein Festessen stattfindet, welches auch Heuer als ein echt jüdisches Freu-