Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1878)
- Date
- 1878-03-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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280 Berufs bewußten jüdischen Lehrer, aus den blitzenden Augen, aus den lernbegierigen Mienen der Kleinen das herzerhebende Bewußtsein, seine Schüler würden einst die Frage nach der Bedeutung der 'n nyiD thatsächlich zur Zufriedenheit ihres Stifters beantworten, wann und wo im Leben danach gefragt werden sollte. „Welche Bedeutung hat das Wort “iyio? wird weiter gefragt. Die Antwort auf diese Frage hat der Schüler einer ihrer Aufgaben sich bewußten, - jüdischen Schule, bereits ebenfalls aus dem, mit dem Chumeschunterricht combinirten Grammatikunterricht erfahren. Er weiß, daß "ipo in der Zeit dasselbe ist, was njna im Raume bedeutet, ein Punkt, den Gott bestimmt hat mit ihm zusammen zu kommen. Freilich ist das Büchelchen, wie der Verf. im Vorwort sagt, für Schulen bestimmt, wo der Bibelunterricht in der Ursprache nur dürftig behandelt werden kann; aber darin gerade erblicken wir einen seiner Hauptmängel. — Es mag jüdische Schulen geben, denen durch das Rechnungtragen für viele äußere Umstände, nur eine dürftige Anzahl von Stunden übrig bleibt, aber es sollte keine jüdischen Schulen geben» welche die Misere der dürftigen Stundenzahl dadurch auf die Spitze treiben, daß sie in diesen wenigen Stunden den Bibetunterricht in der Ursprache, oder schlicht weg den L^arn-Unterricht dürftig behandeln. Chumeschunterricht muß der erste Lehrgegenstand einer jüdischen Schule sein und bleiben, wenn sie diesen Namen mit Fug und Recht führen will, nur auf diesem Fundament läßt sich mit Erfolg weiter bauen, an diesen Gegenstand läßt sich alles knüpfen, was Kinder lernen müssen, um Juden zu werden. Eine detaillirte Anleitung darüber, wie eben der Chumeschunterricht in diesem Sinne zu ertheilen sei, wäre eine sehr verdienstliche Arbeit, aber ein Religionsbuch schreiben, für Schulen, in welchen der Bibelunterricht in der heiligen Ursprache nur dürftig behandelt wird, das heißt die Verkehrtheit, die leider das jüdische Schulwesen vielfach beherrscht, in Permanenz erklären. Ein solches Religionsbuch stempelt sich damit selber als Krücke für ein verrottetes System, das man nur zu kennen braucht, um es zu bekämpfen. Solche Bücher erschweren das Einlenken in die gesunden ursprünglichen Bahnen und zwar um so mehr, je besser und reiner die Absicht ihrer Verfasser ist. Diese formellen Mängel des vorliegenden Büchelchens werden aber noch bei weitem durch die sachlichen Uncorrectheiten überboten, die feine Einführung vollständig unmöglich machen. Einige Beispiele werden unser Urtheil vor dem Vorwurf der Härte schützen. Aus welchem Gebote, lautet die dritte Frage, entnehmen wir die Pflicht die Feiertage zu heiligen? Antwort: Aus dem vierten Gebote: pn -‘Oi 'n "pa p vp '01 'ui nayn cpo’ nvw ncnpt> naipn du inttHp’i rown dv nx Diese Antwort läßt Vieles erwarten, und die Erwartung wird gerechtfertigt. Welches sind die wichtigsten Vorschriften für die Feier des Sabbat? Antwort: nppm ,Mi'p naa ,nbi2n; aber von roi'Pö -nv'tt keine Silbe. — Freilich wird auf die Frage: Wodurch sollen wir den Sabbat heiligen? geantwortet: Indem wir uns von jeglicher Arbeit enthalten. Aber.abgesehen davon, daß diese Antwort über dos Ziel hinausschießt, indem bekanntlich nicht alle Arbeiten, sondern nur nia-«>a verboten sind, wird diese das Werkverbot enthaltende eine Zeile, sofort im Notenparterre mit vier Zeilen verklausulirt. pan npna wird auf den Abend des 13. Nissan verlegt, während es thatsächlich mit Eintritt der Nacht de- 14. voizunehmen ist. pan -»yaii ,npna werden mit diesen 3 Worten und ihrer llebersetzung erledigt, während dem Seder fast drei Seiten gewidmet sind. Wenn wir sagen, daß die Schilderung der Seder-Gebräuche mit dem Polstersessel des Sedergebenden beginnt, und mit einem Tadel auf die Sitte der Kinder, den Afikomen zu verstecken, schließt, so genügt dies zur Würdigung dieses Passus. Diese wenigen Beispiele, die sich verdoppeln und verdreifachen ließen, reichen übrigens hinlänglich aus, zur Characteristrung des Buches. Zudem läßt die sprachliche Eorrectheit sehr viel zu wünschen übrig. Wir verweisen nur auf den Polstersessel an dem sich der Erzählende legt (S. ll), Moscheh erzürnt (S. 20) wegen dem Ungehorsam der Kinder Israel. >aa -an dv wird (S. 22) mit dem Tage übersetzt, an welchem die Achse gebrochen wird. S. 25 wird von Unterwerfung in» den Willen des Allmächtigen gesprochen rc. rc. Der Verf. bittet in seinem Vorworte um nachsichtsvolle Beurtheilung. Ihm, und seiner löblichen Absicht, einen Beitrag zur Förderung des Jugend « Unterrichts beizusteucrn, sei sie aus vollem Herzen gewährt. — Seinem Buche müssen wir sie versagen. —n—