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Der Israelit · 1878-03-06 · Heft 10 (6.3.1878) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 10 (6.3.1878)
Date
1878-03-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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229 Gott nicht schauen; sie hatten vergessen den Hort ihres Lebens, sie hatten sich gebückt vor dem Bilde des Nebukadnezar, sie halten gespeist an der Tafel des Achaschwerosch. Und Gott selbst hat Sein Angesicht verhüllt. Der Mordbefehl HamanS bedroht die gesammte Nachkommenschaft Jakobs, und nirgendwo bietet sich auch nur eine Aussicht auf Rettung. Aber es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels. Wie die Erhebung aus tiefster Erniedrigung erfolgte, dieser Betrachtung wollen wir noch einen Schlußartikel widmen. (Schluß folgt.) Literarischer Bericht. 'n nyio, „Die Festtage Israels." Für isr. Schulen methodisch bearbeitet von L. Wolfs, Prediger der isr. Gemeinde zu Saarlouis. Das Büchelchen scheint auf dem Standpunkt des gesetzestreuen Judenthums zu stehen; es ist daher doppelt Pflicht, dasselbe einer eingehenden Würdigung zu unterziehen, um es für unsere Schulen zu empfehlen oder zu verwerfen. Nach sorgfältiger Prüfung desselben müssen wir uns für das Letztere aussprechen. Das Büchelchen eignet sich wegen der ganzen Form der Darstellung, seiner Unzulänglichkeit und besonders wegen der groben Jrrthümer, von denen es fast auf jeder Seite strotzt, für keine jüdische Schule, am wenigsten für eine, in welcher Kinder für das überlieferte Judenthum erzogen werden sollen. Was die äußere Form betrifft, so ist es die eines Katechismus für jüdische Religion. wie es deren Dutzende gibt. Man kann der Form des Dialogs, zur Darstellung bestimmter Disciplinen, volle Berechtigung zuerkennen, ohne dem Frag- und Antwortspiel das Wort zu reden, womit man ursprünglich in nichtjüdischen Kreisen, und seit einigen Decennien auch bei uns, Kindern die höchsten Wahrheiten einzutrichtern für gut findet. Gegen das Mechanische, Geisttödtende, Zwecklose der katechisirenden Form beim Religionsunterricht ist von bewährter pädagogischer Seite bereits so viel geschrieben worden, daß man sich von rein pädagogischem Gesichtspunkte billig darüber wundern darf, im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts einem Buch zu begegnen, das Kindern Religion nach einer Methode beibringen will, über welche die moderne Pädagogik so unerbittlich den Stab bricht. Und nun gar jüdische Religion, Judenthum! Man braucht nie einen Blick in die pädagogische Literatur, man braucht nur einen Blick in die zeitgenössische Judenheit geworfen zu haben die ja ihren religiösen Fond aus solchen systematischen, methodischen Religionsbüchern geschöpft hat, um ihren praktischen Werth zu beurtheilen. Hat diese Frag- und Antwort-Religion ihre Alumnen religiöser gemacht, hat sie sich nicht nur bei den Prüfungen in der Schule und den Confirmanden- Paraden, sondern auch bei den Prüfungen des Lebens also bewährt, daß die großgewordenen Kinder auf die Fragen, die das Leben an sie stellt, die Antwort ihrer Religionshefte und Religionsbücher allezeit in Bereitschaft haben? Oder zeugt imGegentheil das ganze Leben der großgewordenen Kleinen dafür, daß sie die ihnen gelehrte Religion nur als einen obligatorischen Lehrgegenstand der Schule ansehen, der mit dem eigentlichen Leben nichts gemein hat, dessen Inhalt wohl die Religionshefte und Religionsbücher aber nicht die Herzen füllt, und den man daher mit den Kinderschuhen weit hinter sich werfen könne? Es kann kaum anders sein. Bei dem Unterricht der Geschichte, Sprachen, Mathematik, Physik, kurz bei allen Disciplinen, welche das Kind für das Leben lernt, fällt es Niemanden ein, diese kindische Methode, die nöthigen Begriffe durch fertige Fragen und Antworten einzubläuen, in Anwendung zu bringen, warum gerade bei Religion, bei jüdischer Religion, die doch mindestens denselben Anspruch auf praktische Bethätigung im Leben hat, wie die übrigen Lehrgegenstände? „Was verstehen wir unter 'n nyio?" fängt unser Büchelchen zu fragen an. Was man unter 'n njno versteht, muß ein jüdisches Kind erfahren, ehe sein Religionsbuch danach fragt; was man unter ‘n nyiD versteht, lehrt der einsichtige Lehrer schon in den ersten Sätzen der min seine Schüler, wenn sie aus der Schöpfungsgeschichte erfahren, daß Gott feine großen, die Welt beherrschenden Lichtträger in erster Reihe dazu eingesetzt hat, daß sie D'Jte»! O'Q'-1 DHJHD51 nn«6 dienen. Was kann der Lehrer, der seine Kinder nicht für die Schule, sondern für das Leben Religion lehrt, nicht Alles an die Thatsache knüpfen, daß die großen Licht und Leben spendenden Himmelskörper zu allernächst der Feststellung unserer Licht und Leben spendenden onyio dienen? In welchen mannigfachen Variationen kann er die Heiligkeit und Bedeutsamkeit der jüdischen onyio von diesem einzigen Gesichtspunkte aus, um so tiefer in die Kinderherzen senken, je absichtsloser, je beiläufiger es geschieht? Freilich werden die so unterrichteten Kinder, auf die Frage: Was verstehen wir unter #n nym? keine schulgerechte, wohlgegliederte Antwort geben, die als Staffage für modernes Prüfungsgepränge dienen kann, aber dafür leuchtet dem sich seines

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