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Der Israelit · 1878-02-27 · Heft 9 (27.2.1878) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 9 (27.2.1878)
Date
1878-02-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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214 G Juden in Rußland zu leiden haben, aufzuheben.! Unter Anderen hat der Czar den hebräischen Kaufleuten fremder Nationalitäten, welche Rußland zu Handelszwecken besuchen, gestattet, Mitglieder der 1. Kaufmannsgilde zu werden, durch welches Privilegium dieselben auf gleichen Fuß mit den russischen Kaufleuten gestellt und wodurch ihnen gewisse Rechte eingeräumt werden, ohne welche es § fast unmöglich ist, Exportgeschäfte in russischen! Städten zu betreiben. Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. XXV. j Zwei Jahre sind verstrichen. Emma befindet! sich in dem luxuriös ausgestatteten Boudoir ihrer j Schwester; ihr ältestes Kind, ein bildschöner j Knabe von nahezu fünf Jahren befindet sich in Carolinens Kinderzimmer, wo er sich mit seiner Cousine unter der Aufsicht der Bonne fröhlich j tummelt. j Emma, Caroline und ihr Gatte befinden sich j am Frühstückstisch. Längst ist es der geistvoll sarj kastischen Caroline gelungen, die Schwester zu j überzeugen, daß es ebenso unsinnig als lächerlich, wollte sie auch außer dem Hause die speciell jüdischen Vorschriften beobachten und längst läßt es sich Emma am Tische ihrer Schwester trefflich munden, ohne auch nur die leisesten Gewiffensscrupel zu empfinden. Doch achtet sie mit Sorgfalt darauf, daß ihre Kinder sie bei solchem Mahle nicht überraschen. Die Kleinen könnten plaudern, | und ihr Gatte hat noch keine Ahnung von der Sinnesänderung seiner Gattin.! „Wann erwarten Sie denn Carl zurück, liebe j Emma?" wandte sich Friedrich, Carolinens Gatte, j an seine Schwägerin. „Morgen um diese Zeit wird er hoffentlich! schon hier sein," erwiederte die Gefragte. j ffHvffentlich," neckte Caroline,' „sehnst Du . Dich wirklich nach der Heimkehr Deines langweii ligen Mannes?"! „Ja, in Wirklichkeit und zwar recht von; Herzen, denn ich finde ihn durchaus nicht lang-; weilig." „Ach, ich glaube Dir's doch nicht, denn wenn; Carl zu Hause ist, kannst Du ja niemals an unseren deliciösen, kleinen Dejeuners theilnehmen." j „Da sehen Sie, wie frivol Ihre Schwester : ist" scherzte Friedrich „sie findet es geradezu unbegreiflich, daß eine Frau sich nach ihrem Manne sehnen kann, wenn sie durch seine Gegenwart auf Schinkenbrödchen und Hasenbraten verzichten müsse. Ich glaube, Du böse Frau, wärst im Stande, für ein Dutzend Austern ganz an Deinen Mann zu vergessen." „Nun, das gerade nichtlachte Caroline, „aber wenn Du noch eine Schüssel Caviar hinzufügen würdest." „Dacht' ich's doch, für eine Schüssel Caviar bin ich Dir feil" und mit komischen Augenverdrehen stieß er einen tiefen Seufzer aus. — „Doch warte nur, Du Böse, ich werde mich revanchiren. Aber für jetzt will ich mir das Frühstück nicht verderben. — Darf ich Ihnen noch ein Paar Austern empfehlen, liebe Emma? sie sind in Wirklichkeit deliciös." Emma dankt verbindlich lächelnd und nahm die ihr dargereichte Schüssel und war eben im Begriff, davon auf ihren Teller zu legen, als im Vorzimmer rasche Schritte laut wurden. Ein hastiges Klopfen an die Thür des Boudoirs und ohne daß das einladende Herein abgewartet wurde, ward dieselbe geöffnet, und Carl stand auf der Schwelle. „Ich muß vielmals um Entschuldigung bitten, daß ich so unangemeldet, wie ein Bär, hereinstürme, aber ich komme so eben heim und erfahre, daß meine Frau hier ist, da trieb mich die Sehnsucht ihr nach. Aber wo ist denn Emma?" fügte er näher tretend hinzu. Leichenblaß, keiner Bewegung fähig, saß Emma wie erstarrt, die glanzlosen Augen bald auf den unverhofft heimgekehrten Gatten, bald auf die unerlaubte Speise auf ihrem Teller richtend. „Um Gotteswillen, Emma, was ist Dir?" rief er, sie erblickend, und ihr starres Aussehen einem Unwohlsein zuschreibend. Unwillkürlich haftete ihr Auge noch immer auf dem Teller vor ihr — er folgte ihrem Blick — und im Moment hatte er Alles errathen. Er taumelte zurück, das Glück seines Lebens lag in Trümmern. „Willkommen, bester Schwager!" rief der Hausherr auf den Wankenden zueilend und ihn in ein Fauteuil niederdrückend. „Das heißt überraschen, wir haben Sie erst morgen erwartet." Mit fast übermenschlicher Anstrengung rang der Unglückliche nach Fassung. „Ich muß vielmals um Entschuldigung bitten," stammelte er, „daß ich gestört." „Bitte, lieber Carl, welche unnöthige Förmlichkeit unter Geschwistern. Darf ich Ihnen ein Glas Madeira anbieten? Die Nachtreise scheint Sie angestrengt zu haben."

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