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Der Israelit · 1878-02-27 · Heft 9 (27.2.1878) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 9 (27.2.1878)
Date
1878-02-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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„Danke, danke," — seine zitternde Hand schob das Glas zurück, so hastig, daß es umfiel und fein Inhalt sich über das Tischtuch ergoß. — Er war nicht im Stande, ein Wort der Entschuldigung über seine Lippen zu bringen. „Es schadet nichts," lachte Caroline, „Friedrich schüttet öfters den Wein über den Tisch." „Pardon!" flüsterte Carl endlich und dann, sich mit Anstrengung aufrichtend, „ich muß heim gehen." „Wie? schon wieder fort?" Caroline und ihr Gatte wollten Einsprache erheben, doch er ließ sich nicht halten. „Ich gehe mit Dir, Carl," flüsterte Emma, sich rasch erhebend. Es war das erste Wort, das sie seit seinem Eintreten gesprochen. Er wandte sich nicht zu ihr und erwiederte keine Sylbe, sondern wartete schweigend, bis sie mit Hilfe ihrer Schwester Hut und Mantel umgenommen. Sie waren schon im Begriff, das Zimmer zu verlassen, als Caroline lachend rief: „Aber wollt ihr denn Euren Hugo nicht mitnehmen?" „Hugo hier?!" Caroline schellte und befahl der eintretenden Zofe, das Kind zu bringen, und wenige Minuten später hüpfte der Kleine in das Zimmer. „Papa! Papa!" jauchzte er, als er den Vater erblickte und sprang an ihm empor, „lieber, lieber Papa!" Carl nahm den Kleinen in seine Arme und drückte ihn fest an sein wogendes Herz. „Mein Hugo! mein lieber Hugo!" Emma gewahrte die Thräne, die des Gatten Auge füllte", sie preßte die Lippe zwischen die per'lengleichen Zähne und wandte sich hastig ab, um sich von Schwester und Schwager zu verabschieden. Carl verneigte sich grüßend und schritt mit seinem Knaben an der Hand die breiten Stiegen hinunter. Emma war an seiner Seite, stumm und bleich wie er. / Lachend blickte Caroline ihnen nach. „DaS wird eine Scene geben, Friedrich, hu! mir graut!" Sie lachte noch herzlicher. „Arme Schwester! arme Emma!" „Sage lieber, armer Carl," entgegnete Friedrich ernst, „der Mann schien entsetzlich zu leiden." „Die Männer halten doch immer zusammen, verbinden sich gegen uns arme Frauen. Warum soll ich Carl bemitleiden und nicht Emma? er wird gegen seine Frau wüthen, das sieht man ihm an." „Es ist wahr, er sah geradezu verzweifelt aus. Aber so wenig ich seine Anschauungen theile, so finde ich es doch gradezu unverzeihlich von Deiner Schwester, daß sie in dieser Beziehung ihren Mann betrogen hat." „Herr Sittenrichter, Herr Sittenrichter, wie kommst Du an diese Moral? und Du scheinst ganz zu vergessen, daß Du selbst es warst, der Emma bei ihrem s. g. Betrug Beistand geleistet." „Ich? bitte sehr um Entschuldigung, das kann ich nicht gelten lassen. Hätte ich eine Ahnung gehabt, wie ernst Carl diese Dinge nimmt, ich hätte Emma nimmer aufgefordert, an unfern Mahlzeiten Theil zu nehmen." „Vielleicht hat Emma auch keine Ahnung davon gehabt." „O doch, das hat sie wohl. Auf ihrem starren, bleichen Antlitz stand es deutlich geschrieben, daß sie wußte, wie schwer sie ihren Gatten gekränkt" „Ach, höre schon auf mit Deinen Moralpredigten, die gefallen mir durchaus nicht. Und wenn Du glaubst, ich sollte daraus lernen, wie schwer sich eine Frau versündigt, wenn sie ihren Mann betrügt, so irrst Du Dich sehr. Mich reizt es vielmehr, auch einmal den Versuch zu machen, Dich zu betrügen. Wenn ich nur gleich wüßte, wie ich's anfange" und dabei schlang sie ihre Arme um seinen Hals und warf sich laut lachend an die Brust des sie vergötternden Mannes. (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Für deu folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. ür ein W^ingeschaft in einer größeren Stadt Süddeutschlands, das eiue alte, solide Kundschaft besitzt, vorzüglich sondirt ist, wird wegen Ableben des Chefs zur Stütze des Nachfolgers ein junger Mann, der Kenntnisse im Weinfache hat und bereits in dieser Branche mit Erfolg gereist j ist, als Associo gesucht. Eine Einlage wird nicht gefordert, wohl aber Nachweis über Qualification und streng sittlichen Charakter. Bewerbungen sind unter Chiff, M. K. Nr. 716 an die Exped. d. Bl. zu richten.

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