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Der Israelit · 1878-02-27 · Heft 9 (27.2.1878) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 9 (27.2.1878)
Date
1878-02-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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210 „„Und dennoch ist das, was Du für mich empfindest, nicht wahrhafte Liebe. Siehe, Herr, die wirkliche Liebe ist selbstlos und will nur das Glück des Geliebten. Wie die Liebe zu Gott, so soll auch die Liebe sein zwischen Mann und Weib. Wie ich Gott lieben und ihm dienen soll, nicht in der Absicht, Lohn zu empfangen, so sollen Mann und Weib einander lieben, nur von der Absicht erfüllt.. Eines das Glück des Andern zu befördern." " „Gibt eS eine solche Liebe?" „„ES gibt eine solche Liebe; so war Abrahams Liebe zu seinem Gotte. Alle seine Hoffnungen knüpften sich an den einzigen, geliebten Sohn, und er zögerte nicht einen Augenblick, ihn zum Opfer zu bringen auf Gottes Geheiß. So war Jonathans Liebe zu David; wiewohl Jonathan, des Königs Erstgeborener, wußte, daß er Krone und Reich an David überlasten mußte, liebte er diesen in reiner, hingebender Liebe. Nur die Liebe, die stärker ist, als des eigenen Herzens Wünsche und Begehren, ist wahrhaft und echt."" „Und ist Dein Glück nicht mein höchster Wunsch, und will ich Dich nicht emporheben auf den höchsten Thron der Welt und alle meine Reichthümer Dir zu Füßen legen?" „„Armer, unglücklicher Mann, kannst Du mehr Glück geben als Du selbst besitzest? So lange Du Thronfolger warst» sah Dein Vater in Dir seinen Feind und Nebenbuhler; als Dein Vater starb, mußtest Du Deine Hand mit vielfachem Brudermord beflecken, und Du wirst wieder in Deinen Söhnen Deine Feinde und Nebenbuhler schauen, vor denen Du Thron und Leben schützen mußt! Wenn heute ein Betrüger, der sich für Deinen Bruder oder Oheim ausgibt, Glauben findet, so kannst Du in einem Augenblick alle Deine Herrlichkeit verlieren, und die Dir nahe stehen, theilen Dein düstres Geschick. Das LooS, das Du mir bietest, hat nichts Verlockendes für mich."" „So laß meine Liebe Dich rühren!" „„Wenn Du mich wirklich liebst, so laß mich zu meinem Vater ziehen."" „Verlange eher, daß ich das Licht meiner Augen hergebe, ehe ich Dich ziehen lasse." „„Wie, Du behauptest, mich zu lieben, und verfolgst die Söhne und Töchter meines Stammes mit grausamen, ungerechten Maßregeln?"" „Wenn Du einwilligst, meine Gattin zu werden, so nehme ich sofort das Verbannungsdecret zurück." „„Nicht das ist der Weg, mein Herz zu gewinnen. Bedingungslos mußt Du das Verderben abwenden von meinen Blutsverwandten."" Der Sultan erhob sich, um ein silbernes Glöckchen in Bewegung zu fetzen; ein Diener erschien. „Der jüdische Arzt/' befahl der Sultan, „der im Audienzfaale wartet, soll kommen." Der Diener entfernte sich. „Du wirst mit mir zufrieden sein, Esther," sagte der Sultan. Diese verhüllte ihr Angesicht mit dem Schleier. Rabbi Salomon trat ein und warf sich mit dem Antlitze zu Boden. „Stehe auf, Salomon," sagte der Sultan, „und nimm diesen meinen Sigelring. Begib Dich damit in meine Kanzelei und laß in meinem Namen ein Decret ausfertigen, daß die Verbannung der Juden aus Stambul zurückgenommen sei. Diesen Hadju-Heiman bestgele mit meinem Ringe und bringe mir den Ring zurück." Rabbi Salomon empfing den Ring und küßte den Saum des Gewandes seines Herrn. „Nicht mir danke," sagte Mohammed, „sondern dieser da; sie ist in der That eine zweite Esther an Liebreiz, Anmuth und Edelsinn. O, möchte sie doch auch mir eine liebevolle Gattin werden, wie einst jene Esther eS dem Könige von Persien war! Bitte Du sie, guter Salomon, daß sie länger nicht meinen Wünschen entgegen sei!" Thränen entstürzten Salomo's Augen; aber er bezwang sich; mit fast übermenschlicher Anstrengung wurde er seiner Bewegung Herr. „Rose von Salonichi," sagte er, „möge Gott Deine Augen erleuchten, daß Du Dasjenige zu thun Dich entschließest ......" Er konnte nicht weiter reden; zu mächtig war der Schmerz, der in seinem Innern wühlte. Der Sultan hatte glücklicher Weise nicht zugehört. Er hatte nur Äuge und Ohr für Esther und hatte gar nicht bemerkt, daß Rabbi Salomo den angefangenen Satz nicht zu vollenden vermochte. Auf einen Wink Mohammeds entfernte sich her schwergeprüfte Mann. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. - mfrriVif- Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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