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Der Israelit · 1878-02-27 · Heft 9 (27.2.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 9 (27.2.1878)
Date
1878-02-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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209 Feuilleton. -Mher Khiera. Eine historische Erzählung. - IX. „Wer ist dieser da, meine Mutter?" fragte der Sultan, auf Rabbi Salomon deutend. „ „Es ist Salomon Afchkenasi, ein großer Arzt, ein geschickter Staatsmann, der unter der Regierung Deines Vaters der hohen Pforte nicht unbe^ deutende Dienste geleistet hat. Er ist auch ein jüdischer Gelehrter, und ich habe ihn hierherbeschieden, damit er die Rose von Salonichi über das belehre, was ihre Pflicht ist."" „Stehe auf, Salomon, begib Dich in den Saal der Audienzsucheuden; ich werde Dich rufen lassen, wenn ich Dein bedarf." Rabbi Salomon stand auf, verneigte sich tief und ging. „Auch Dich, meine Mutter, bitte ich, mich mit der Rose von Salonichi allein zu lassen." Die Valide entfernte sich, ohne ein Wort zu sagen. „Und nun, schöne Esther," sagte der Sultan, „Rose von Salonichi, wie meine Mutter Dich nennt, nimm den Schleier hinweg und laß mich Dein holdes Antlitz schauen." Esther gehorchte; der Sultan nahm seinen Platz ihr gegenüber. Beide schwiegen lange Zeit. „Esther," unterbrach endlich der Sultan das Schweigen, „es sind erst wenige Wochen, seitdem ich aus der Verbannung, in die ich als Kronprinz gesandt war worden, seitdem ich aus der Gefangenschaft hierherkam, um den ersten und herrlichsten Thron der Welt zu besteigen. Als sich^ auf der Herreise vor meinem trunkenen Blicke die wundervollste Landschaft entfaltete, als ich die Schlösser und Paläste, die Gärten und Lusthaine, den Serail und dieHauplstadt erblickte, da streckte ich im höchsten Entzücken meine Arme aus und rief: „Mein, mein!" Und ich war im Vollgefühle des Besitzes der glücklichste Mensch auf Erden. Aber, seit ich Dich gesehen, halte ick mich für arm; denn aller Reichthum erscheint mir gering im Vergleiche mit einem Kleinod, wie Du es bist. O, Esther, werde meine Gemahlin, theile den Thron mit mir. Alle Schätze dieses Reiches will ich Dir zu Füßen legen, und dünkt es Dir zu wenig, so will ich ausziehen an der Spitze meiner Heere und die Kostbarkeiten aller Länder erringen, um sie vor Dir auszuschütten. Wohl könnte ich Dich zwingen — aber ich will nicht. Freiwillig sollst Du die Meine werden, sollst mich lieben wie ich Dich liebe, sollst nicht bloß mein Weib sein, sondern meine Gefährtin, meine Freundin, meine Berutherjn, sollst mir helfen, dieses große Reich zu regieren, sollst Theil nehmen an allen meinen Sorgen. Hoffnungen, Wünschen. Und haben alle diese glänzenden Aussichten nichts Verlockendes für Dich? Sprich wenigstens , Mädchen, und laß mich den Wohllaut Deiner Stimme hören!" „„Wisse, o Herr,"" sprach Esther, „„Habsucht, Ehrgeiz, Herrschsucht haben keinen Raum in meinem Herzen."" „Und die kostbarsten Stoffe aus Indien, die herrlichsten Gewebe aus Persien, und die größten und schönsten Diamanten meiner Schatzkammer — schon die bloße Vorstellung davon ist geeignet, jedes Frauenherz zu berauschen — Dein soll Alles, Alles sein! Du wirst Dich mit allen dieserk glänzenden Dingen schmücken, und Deine Schönheit wird jeden Schmuck überstrahlen! Befiehl, und es sollen Kostbarkeiten vor Dir ausgebreitet werden, wie sie Dein Auge nimmer gesehen!" „„Ich danke Dir, Herr, nicht nach Sammet und Seide, nicht nach kostbar gewirkten oder gestickten Gewändern, nicht nach Gold und Edelsteinen sehnt sich mein Herz. Mein Herz sehnt sich nach meinen Lieben daheim, die um mich trauern und weinen und nicht wissen, was aus mir geworden. Mein Vater und mein Oheim lehrten mich andere Dinge werthschätzen als den bunten Flitter, der sonst junge Mädchen mit Entzücken erfüllt; sie lehrten mich, mein Herz veredeln, meinen Charakter kräftigen und mein höchstes Glück in der Erfüllung meiner Pflichten zu suchen und zu finden. O, laß mich heimkehren zu meinen Lieben, und ich werde Dich segnen und für Dich beten, solange ich lebe,'"" „Und lehrten Dich Deine Verwandten nicht, daß es Deine Pflicht sei, den Landesherrn, den Vater des Vaterlandes, zu lieben?" „„Wohl; ihn zu lieben und zu verehren, wie man einen Vater liebt, aber nicht wie einen Bräutigam oder einen Gatten."" „Wahrlich, Mädchen, Du bist auf Alles gerüstet nnd kannst antworten, wie kein Gelehrter es vermag! So muß ich mich wohl auf's Bitten verlegen. Erkenne doch meine große Liebe zu Dir und habe Mitleid, habe Erbarmen!" „„Wie, Herr, Du behauptest, daß Du mich liebest? Nein, Herr, Du liebst mich nicht."" „Habe ich Dir nicht gesagt, daß ich mich ärmer als der ärmste Bettler dünken würde, wenn ich Dich nicht besitzen sollte?"

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