Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-02-27 · Heft 9 (27.2.1878) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 9 (27.2.1878)
Date
1878-02-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447757--14650-2470568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

206 Zeitungsnachrichten und Gorrefpondenzen. Deutschland. Ingolstadt. Aus einer der jüngsten Nummern D es »Israelit" habe ich erfahren, daß in Bornheim bei Frankfurt a. M. mehrere israel. Familien sich angesiedrlt, die auch bereits ein gemeinschaftliches Betlokal gemiethet, um gemeinschaftlichen Gottesdienst daselbst abzuhalten. Unwillkührlich erinnerte mich dies an die traurigen religiösen Zustände in der alten Festungs- Stadt Ingolstadt. Bei uns ist leider das Gegentheit der Fall. Im vorigen Jahre ließ sich ein streng-orthodoxer, reicher Mann in unserer Stadt nieder, der auf eigne Kosten einen Betsaal mit allem nöthigen Comfort eingerichtet, seinen eignen ömar und für seine Kinder einen ReligionS - und Ele..:entarlehrer aus der israel. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg besoldet. Trotzdem schenken die hiesigen Israeliten, mit Ausnahme eines einzigen jungen Mannes, all diesen Einrichtungen so wenig Aufmerksamkeit, daß bis jetzt auch noch nicht Einer von ihnen die Schwelle unseres Gotteshauses betreten. Obgleich an den verflossenen D’*nu d»d» schriftliche und mündliche Einladungen an dieselben ergangen sind, besuchten sie weder am nj»n vtn noch am di1 unfern Gottesdienst, und waren wir gezwungeu, sechs junge Leute aus München kommen zu lassen, um die Gebete mit po verrichten zu können. Von der ihnen unentgeltlich gebotenen nöTi» nehmen sie keine Notiz; fast sämmtliche Familien essen nsnDi ibg. Allen jenen Glaubensgenossen, namentlich aus Franken und Schwaben, die schon öfters den Wunsch geäußert haben, daß sie wegen der günstigen Geschäftslage in hiesiger Gegend die Stadt I. zu ihrem bleibenden Domicil erwählen würden, wenn für das jüdisch-religiöse Leben mehr Sorge getragen wäre, kann ich versichern, daß sowohl für geregelten Gottesdienst und Religions- und Elementarunterricht als auch für dienü’ntcr hinreichend genug gesorgt ist, und können alle diese Institutionen unentgeltlich benützt werden. Berlin. In einer am 8. Februar abgehaltenen Versammlung der Christlich-Socialen antwortete der Hofprediger Stöcker auf eingegangene Fragen u. A.: „Eine Judenverfolgung stehe der Partei fern (wie liberal!) Es wäre aber Feigheit, wenn sie es unterlassen wollte, auszusprechen, daß die größte Schuld an der gegenwärtigen geschäftlichen Nothlage die Börse, die fast ausschließlich im Besitze der Juden sei, trage. Die Socialdemocraten wissen das ebenfalls gut, sie schimpfen aber nur deshalb nicht auf die Juden, «eil Lassalle ein Jude gewesen." Berlin Dem Schreiben eines Berliner Pfarrers an die Red. der „Boss. Zeit." entnehmen wir die Erklärung desselben, „daß er sich von den Weihnachts-Sammlungen zurückgehalten habe, weil in dem Comitä, welches diese Sammlungen veranstaltete , jüdische Männer sich befänden. Er hielt es für unvereinbar mit dem ausgesprochen christlichen Wesen des Weihnachtsfestes, weil es die Geburt des Stifters der christl. Religion feiere, daß dazu als Comitsmitglieder Juden mitwirkten. Eine solche Wahl anzunehmen, sei von Seiten der Juden unpassend, von Seiten derer, welche Juden wählten, ein Zeugniß, daß sie die christliche Bedeutung des Festes nicht würdigten." (Sehr richtig.) Beutherr (O.-S.). Gerade weil die Redaction und zwar mit Recht die Verantwortlichkeit für den Jnseratentheil des „Israelit" ablehnen muß, hoffe ich auf Ihre Unterstützung rechnen zu dürfen, wenn ich Sie bitte, gegenüber einer häufig in Ihrem Blatte wiederkehrenden Anzeige des hiesigen Fleischers und Wurstmachers Riesenfeld die nöthige Publication zu veranlassen, daß seine angepriesenen Wurst - und Fleischwaaren in Bezug auf nnttc keine Garantie bieten. In hiesiger Gemeinde besteht seit mehreren Jahren eine Commission, welche aus Vertretern des Vorstandes, der Repräsentanten und Gemeindemitgliedern besteht, die mit dem Rabbiner Hand in Hand geht, um die 1^3-Fleischangelegenheit zu überwachen. Die Aufgabe dieser Commission ist es, darauf zu halten,' daß Fleischer und Wurstmacher nur Fleisch von erlaubter ddti» zum Verbrauch bringen, was hier eine dringende Nothwendigkeit ist; denn vielleicht nicht bald wo anders wuchert die unsaubere Winkelschächterwirthschaft so als in hiesiger Gegend. Riesenfeld hat sich an die Verordnungen des Rabbiners und der Commission nicht gehalten, sich vielfach die gröbsten Verletzungen zu Schulden kommen lassen, und als vor Kurzem Nichts übrig blieb als öffentlich bekannt zu machen, daß Rabbiner und Commission keine Verantwortlichkeit für baS bei Riesenfeld mehr tragen wollen, hat R. in hiesigen Blättern öffentlich erklärt, er werde vor wie nach sein Geschäft weiterführen, billigere Preise stellen als seine Concurrenten, das Fleisch aber vor wie nach aus den Bezugsquellen wie bisher schaffen, die er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.