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Der Israelit · 1878-02-20 · Heft 8 (20.2.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 8 (20.2.1878)
Date
1878-02-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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189 taten, die von den beiden von der Gemeinde angestellten Religionslehrern erzielt werden. Wäre man sich D'Dio pro, so wäre man längst zu der Kenntniß gelangt, daß bei einer Bevölkerung von etwa zwölfhundert Familien, die ein stattliches Contingent schulpflichtiger Kinder stellen, zwei Lehrer durchaus nicht genügen, und daß überhaupt die ganze Einrichtung der „Religionsschule" nichts taugt. Ich bin kein Pädagog, aber selbst als Laie wage ich zu behaupten, daß die vorhandenen Lehrkräfte, so wie die Zahl der Unterrichtsstunden viel zu gering sind, um auch nur den bescheidensten Ansprüchen zu genügen. Unsere Monarchie hat nur wenige Gemeinden aufzuweisen, in welchen die Heranwachsende Generation so ignorant auf religiösem Gebiete wäre, wie hier. Die Kinder werden mso “Q, ohne die heilige Sprache correkt lesen zu können, und unsere ntpnpn mm bleibt den meisten ein terra, invoxuita. Die wohlhabenden Familien, die noch einige Pietät dem väterlichen Glauben Erhalten haben, lassen ihren Kindern von Privatlehrern einigen Unterricht im Hebräischen ertheilen. Aber die Kinder der Armen, die nach einem alten, von der Erfahrung so vielfach bestätigten Ausspruche die eigentlichen Träger und Verbreiter der Lehre sind, wachsen in unglaublicher Unwissenheit heran und kennen nicht einmal Namen und Bestandtheile unseres nationalen Schriftthums, von dem ein Prof. Schleiden — um eine kompetente und gewiß unparteiische Capacität anzuführen — wörtlich sagt: „Schwerlich wird man in der ganzen Literatur alter Völker seit Beginn unserer Zeitrechnung Etwas finden, was den religiösen Dichtungen der Juden an einfacher Größe, an Erhabenheit der Gedanken und eben so würdevoller als ergreifender Sprache an die Seite zu stellen wäre" . . . Nicht viel besser als in der Volksschule ergeht cs dem Religionsunterrichte in der Mittelschule. Der Religionslehrer — ein gewesener Rabbiner und emer. Buchhändler — lebt in dem Wahne, er sei der größte Gelehrte Europa's und seine bibl. Geschichte das gediegenste Werk der gesammten Literatur, und darum glaubt er auch seine Pflicht hinlänglich erfüllt zu haben, wenn er strenge daraus steht, daß nur jeder Student im Besitze dieses „gediegenen Werkes" sei, das er verfaßt, verlegt und dessen Absatz ihm so sehr am Herzen liegt... Wahrlich es ist höchst an der Zeit, daß sich wackere, einflußreiche Männer der Sache mit Wärme und Hingebung annehmen! Was den zweiten Pfeiler der sittlichen Weltordnung , Awoda, anbelangt,. so ist zu bemerken, daß eigentlich nur an hohen Feiertagen das Gotteshaus besucht wird; denn an gewöhnlichen Sabbaten ist unser Tempel leer, nur von Wenigen besucht. Ursache dieser bedauerlichen Erscheinung ist in erster Reihe der vernachlässigte Jugendunterricht, der das empfängliche Gemüth der Jugend für die heiligsten Güter unseres Volkes nicht zu erwärmen sucht, für das Judenthum nicht zu begeistern strebt; in zweiter Richtung ist es „der Geist der Zeit", der es so herrlich weit gebracht, daß man der religiösen Sammlung, der Erbauung und Belehrung entrathen kann; und drittens endlich trägt der Umstand, daß de- Tempel in einem entlegenen Winkel der Vorstadt „Kröna" sich befindet, wohl auch das Seinige dazu bei, daß er so wenig besucht wird. Die Erbauer hätten dafür sorgen können, daß er an einer andern, geeigneteren Stelle stünde; denn die Zeit seiner Erbauung fällt bereits in eine Epoche, in der man sich aus der dumpfen, engen „Gasse" herauswagen konnte. — Im Centrum der Stadt wäre wohl der geeignetste Platz für den Tempel gewesen. Nun aber ist er so gelegen, daß der Weg dahin von den meisten Stadttheilen und Vorstädten aus ziemlich entfernt und namentlich bei ungünstiger Witterung für Greise, Frauen und Kinder, aus deren Mitte bekanntlich die meisten Tempelbesucher sich rekrutiren, beschwerlich ist. Die Gewohnheit spielt in unserm Leben eine große Rolle. Vieles läßt sich sowohl anals auch abgewöhnen .... Schuld an dem schwachen Besuche unseres Gotteshauses trägt nicht nur der Jndiffe-. rentismus, — diese ansteckende Krankheit unserer Zeit — sondern auch die Gewohnheit: im Winter und bei schlechtem Wetter ist der Weg dahin beschwerlich — und so gewöhnt man sich ab, selbst bei schönem Wetter das Haus des Herrn zu besuchen. — Verhältnismäßig besser frequentirt ist die in der innern Stadt befindliche und aus Privatmitteln erhaltene Betstube, in welcher nach orthodoxem Ritus gebetet wird. Dagegen ist man hier nicht sehr glücklich bei der Wahl der D’Jin und hat es mit dem ewigen Wechsel dieser Functionäre kein Ende. Besser ist es mit dem dritten Pfeiler, auf dem das Heil der Welt beruht, mit CHDn bestellt. Der angeborene Wohlthätigkeitssinn unseres Volkes manifestirt sich auch hier oft in glänzender Weise und wird so manche Thräne getrocknet, so manche Noth gelindert. Von Vereinen sind zu nennen vor Allem die „Chewra Kadischa", die sehr wohlthätig wirkt und musterhaft geleitet wird. Nicht minder wohlthätig wirkt der „Frauen«Verein", dessen Hauptaufgabe es ist, arme Wöchnerinnen und Kranke zu unterstützen. Erwähnen wir noch des „Waisenhilfsvereins", so haben wir so ziemlich alle Vereine unserer Gemeinde aufgezählt. Das Vereinswesen ist

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