Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1878)
- Date
- 1878-02-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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184 von den Maroccanern mißgünstig betrachtet und verachtet werden. Und dann, wie könnten die Vertreter der civilisirten Nationen dulden, daß man unter ihren Augen unschuldige Menschen, d. h. Frauen, Kinder und Männer ohne Gegenwehr wie Hunde abschlachte, und daß die Mörder unbestraft bleiben? Alle Juden von Tanger, Fez und Mequinez bezeugen mir durch ihre Hochachtung und ihr gutes Herz, daß sie das, was ich für sie thue, zu würdigen wissen, und sind mir hiefür dankbar. Scovazzo. Das Central-Comito hat dem H. Scovagzo für die Sympathien, die er den Israeliten von Marocco beweist und die denselben so werthvoll find, seinen Dank ausgedrückt. — Auf Antrag des Ministers des Aeußern, H. Melegari, hat der inzwischen verstorbene König von Italien den Oberrabbiner Dr. Samuel Toscano, Präsidenten des römischen Comites der All. isr., zum Ritter des it. Kronen - Ordens ernannt. Das Schreiben, welches der verehrte Rabbiner von dieser hohen Stelle erhalten hat, lautet folgendermaßen : Herrn Ritter Samuel Toscano, Präsidenten des römischen Comitäs der All. isr. univ. Ich hatte in letzter Zeit mehr als einmal Gelegenheit, den Eifer zu würdigen, mit welchem Euer Ehrwürden zu Gunsten der Sache der Humanität mitgewirkt hat, die, ich freue mich, es zu erklären, stets den mächtigen und herzlichen Schutz Italiens gehabt hat. Um ein Zeichen der Genugthuung der königlichen Regierung hierüber an den Tag zu legen, stellte ich bei Sr. Maj. den Antrag, den sie anzunehmen geruhte, Ihnen den Ritterorden der italienischen Krone zu verleihen. Indem ich Ihnen anbei mit Gegenwärtigem das Diplom und die Decoration überreiche, drücke ich Ihnen die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung aus. Melegari. Türkei. Konstarrtinopel, 29. Jan. Im Laufe der letzten Woche kam es abermals zu hitzigen Erörterungen im Parlament. Die hohen türkischen Würdenträger, ohnehin schon durch die Last der Tagesgeschäfte erschöpft, mußten es sich aufs Neue gefallen lassen, daß ihnen die Volksvertreter für ihre bisherigen Handlungen manch kräftigen Hieb versetzten. Die Debatten arten öfters in wüste, persönliche Zänkereien aus, welche erst ein Ende nehmen, wenn der Präsident der Kammer fein gebieterisches Veto einsetzt. Die Debatten der Woche begannen mit der Rede Davitschon Efendis (Jannina), einem wohlhabenden und charakterfesten Israeliten, über die gegenwärtigen Finanzverhältnisse. Mit großer Klarheit und umfassender Fachkenntniß behandelte der Redner die kitzliche Frage. Seit dem Krimkrieg habe die Regierung nicht Besseres zu thun gewußt, als in fremden Staaten Geld zu borgen, während doch die eigenen Mittel bei einigermaßen vernünftiger Verwaltung zur Deckung der Staatsbedürfnisse in allen Richtungen hinlänglich ausgereicht haben würden. Zu Abdul Aziz's Zeiten sei das Geld in liederlichster Weise vergeudert worden. Alle die bisher von den türkischen Finanzministern veröffentlichten und in die pompöseste Form gekleideten Budgetsausweise seien nur eitle Trugbilder gewesen, um die Nation und Europa damit über die Leere der Staatskasse und die höchst bedauernswerthe Administration der Finanzen zu täuschen. Vor allem müsse das Zehntwesen abgeschafft werden, das nur zur betrügerischen Bereicherung der Beamten und der Zehnterheber diene, das Volk und den Saat aber blutegelartig aussauge. — Hadschi Ennr Efendi (Aidin) und Khalil Efendi Ghanem (Beyrut) übernahmen die Vertheidigung der zur Zeit Redif Pascha's aus politischen Grüden Exilirten. Sie wünschten die Gründe der Ausweisung genau kennen zu lernen. Bis dahin aber müssen sie auf der Ansicht beharren, daß die betreffenden Verbannungen keinen weiteren Zweck hatten, als die Privatrache Redif's zu befriedigen. Nachdem sich hierauf noch verschiedene Abgeordnete aufs heftigste darüber beklagt hatten, daß der von der Kammer im vorigen Jahre der gemeinsten Veruntreuungen überwiesene Defterdar Tahir Efendi des Vilayets Salonichi nicht nur nicht bestraft worden, sondern nach wie vor auf seinem Posten verblieben sei, nnd es daher viel besser wäre, die Kammer sofort aufzulösen, da man deren Beschlüsse so wenig zu berücksichtigen geneigt sei, nahm Mehemed Ali Bey (Jannina) das Wort, um seine Kollegen von der Nothwendigkeit der Trennung des Civilgesetzes von dem Religionsgesetze zu überzeugen. Dies erweckte stürmisches Getöse von Seiten der Priester-Partei. Mehrere Hodschas und andere Träger des Turbans behaupteten, daß das Scheriat, d. i. das muselmännische Religionsgesetz, alle zum Wohle der Völker nothwendigen Bedingungen enthalte. Hod- 'scha Mustapha ging noch weiter. Er versuchte darzulegen, daß ganz Europa seine Civilisation von den Arabern und folglich aus dem Scheriat geschöpft habe. Dies gab Anlaß zu heftigen Erörterungen. Abnul Bey meinte, daß allerdings die Christen auch aus dem Scheriat geschöpft hätten, sie dies aber, seiner Ansicht nach, so sehr bewerkstelligt hätten, daß für die ursprünglichen