Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1878)
- Date
- 1878-02-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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- Cicero 2× ep/1024888
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169 teste der Mehrheit gegen das Rabbinerseminar ingorirte; nachdem man ferner überzeugt ist, daß der Cultusminister den isr. Schulfond — der das Eigenthum der Gesammtjudenheit Ungarns und Siebenbürgens ist — den Neoligen bereits ganz zu Verfügung stellt; nachdem man endlich sieht, daß die Pflege der Volksschule — die das Fundament der Bildung ist — versagt wird, um für ein Rabbiner-Seminar, das ihnen nicht taugt und uns schadet, Geld in Ueberfluß zu haben; nachdem man ferner sieht, daß die materielle Gewalt auf Seite der Neologen ist, so ist es kein Wunder, wenn manche Gemeinden es mit der Neologen- Partei nicht ganz brechen will. Was ich diesem antwortete, war ungefähr Folgendes: Das wahre Judenthum hat zu seiner Erstarkung nie durch materielle Mittel Propaganda gemacht. Eine jüdische Gemeinde muß im Sinne der Thora handeln, nicht weil sie hievon einen Geldnutzen oder irgend eine Ehre erhofft. Uebrlgens muß ich Ihnen bemerken, daß, als nach der zwölfstündigen Nacht, jede Stunde ein Jahr lang, wieder für Ungarn der Morgen aufging; als nach dem Scheintode der ungarischen Nation wieder im Jahre 1861 die erste Lebensregung bemerkt wurde. Franz Deak sagte: „Zu uns stehen Recht und Gesetz und die Heiligkeit der Verträge, gegen uns die materielle Gewalt." Wir Orthodoxen sagen es ihm nach: Zu uns stehen Recht und Gerechtigkeit, die Heiligkeit unseres Glaubens und die weise Einsicht der ^andesväter, gegen uns die materielle Gewalt! Aber was dieser große Ungar zum Tröste und zur Beruhigung seiner Nation gesprochen, das hat der große Cicero 13) mit andern Worten niedergeschrieben: „Es ist für Diejenigen, die an der Negierung Theil haben, kein größeres Mittel, allgemeine Liebe zu erhalten, als wenn sie von Eigennutz und Bereicherungsbegierde entfernt sind. Die aber, welche Gunst beim Volke dadurch gewinnen wollen, daß sie entweder eine neue Austheilung der Ländereien Vorschlägen, d. h. mit andern Worten , daß sie die rechtmäßigen Besitzer aus ihrem Eigenihume vertreiben und andere darin setzen wollen: Diese erschüttern die Grundfeste des gemeinen Wesens. Erstlich zerstören sie die Eintracht , die unmöglich mehr unter Brüdern stattsinden kann, von denen der Eine dem Andern das Seinige geraubt hat. Zweitens heben sie alle Gerechtigkeit auf, deren erstes Gesetz es ist: einem Jeden das Seinige. Endlick erlangen sie durch diese allgemeine Zerrüttung nicht einmal die G'.ulst, 13) Cicero in seinen menschlichen Pflichten, 2. Buch, Capitel 22. welche sie hoffen. Denn Der, welcher durch sie verloren hat, ist ihr Feind; nicht einmal Der, welcher bekommen hat, will das Ansehen haben, als wenn er damit zufrieden wäre; um glauben zu machen, daß es ihm gebühre. Der Beleidigte hingegen, schreiet laut und vergißt es niemals. Und gesetzt auch, deren wären mehr, die mit Unrecht empfangen, als Derer, welche unbillig verloren haben: so folgt daraus noch nicht, daß sie auch die Stärkeren sind. Denn die Menschen müssen, in Absicht dessen, was sie auSrichten können, nicht blos nach ihrer Zahl, sondern auch nach ihrem Gewichte beurtheilt werden." Haben sich daher alle wirklich orth. Gemeinden zu einer Gemeinsamkeit durch den Akt der Constituirung auf Grundlage des Landesorganisationsstatutes von Seite der aut. orth. Israeliten Ungarns und Siebenbürgens vereinigt, so ist auf unsere Seite auch die große Mehrheit, die Wahrheit, das Recht und die Gerechtigkeit und wir erheben einen direkten und indirekten Protest gegen die materielle Gewalt und gegen die Feinde der Thora und des wahren Judenthums, und Gott wird mit uns sein. Daher Brüder! Juden! Constituiren wir uns zu einer Gemeinsamkeit! Bekunden wir dadurch zuvörderst die willige Unterordnung unter das höchste Gesetz, unter das Joch der Thora, und beweisen wir ferner, daß wir auf dem Boden des Schulchan Aruch feststehend, den Ansprüchen der Zeit Rechnung zu tragen verstehen. Es ist die höchste, letzte Zeit, daß jeder Jude zu sich sage: So nicht ich für die Erhaltung der Thora sorge — wer denn? So ich für mich allein bleibe und den Kämpfen ferne stehe — was bin ich? So nicht jetzt, so lange die Strenggläubigen am Leben sind — wann denn? Und hoffend, mit meinen schwachen Worten ein Sandkorn zu dem großen und heiligen Werke beigetragen zu haben, lege ich die Feder nieder mit einem innigen Brudergruß und Händedruck für und an alle treuen Freunde und Förderer der heiligen Sache — ob Juden oder Nichtjuden — in der Nähe wie in der Ferne. ZeituussncrcL)ricL)ten und Correspondenzcu. Deutschland. H Osthofen, 28. Januar. In dem seltenen Alter von 100 Jahren verschied gestern sanft die Wittwedes FeitelMayer hier,' Namens Gütche.