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Der Israelit · 1878-02-13 · Heft 7 (13.2.1878) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 7 (13.2.1878)
Date
1878-02-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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168 er auch auf Seite der orth. Partei eine Art Jnactivität bemerke, mit andern Worten, daß auch von Seite der constituirten Gemeinden noch nicht Hand ans Werk gelegt wurde, um dieser Congreßpartei die Waage zu halten! Wenn auf Seite der Orthodoxie ein Stillstand eingetreten ist, antwortete ich ihm, so sind nur die Statusquo - Männer darob anzuklagen. Kommet, Ihr Ntatusguo-Männer zu uns, so Euch die Beantwortung, ob Thora oder nicht, am Herzen liegt, und wir werden mit vereinter Kraft der Welt zeigen, daß wir die wahren Fortschrittsmänner sind, die das Religiöse mit dem Weltlichen auszusöhnen verstehen! Ein zweiter 6tatu8quo-Freund suchte wieder die hin und her Wankenden damit zu verteidigen, indem er in der Trennung einen moralischen Nachtheil bemerkt. Täuschen wir uns nichb, sagt der 8tatu8quo Freund, noch glimmt der Judenhaß unter der Decke. Bei der mindesten Veranlassung entzündet er sich und wird, wie es letzthin in den j Nachbarländern geschah, zu einer sengenden Flamme.! Wer vermöchte dem Allem Einhalt zu thun? j Nur die Gemeinschaft Israels, die Mitglie-! der einer einigen und einzigen jüdischen Confession,! die nicht in Sekten getheilt ist. Die Antwort, die j ich ihm gab, war folgende:! Mit dieser Rechtfertigung stellen Sie sich, j theurer Freund, ein Armuthszeugniß aus. Hiemit! lassen Sie nur merken, wie schwach Sie mit der j jüdischen Geschichte vertraut sind und wie wenig! Sie das jüdische Herz kennen. In den ruhmreichen! Mackabäerkämpfen, in dem Widerstreben gegen das! Christenthum, in den letzten leidenvollen Kämpfen gegen die römische Weltherrschaft standen Pharisäer und Sadduzäer brüderlich vereint und bei den schweren Leiden unter den persischen Königen Tirus, Kobad, Nuschirvan, Hurnisdas, bei den wechselvollen Geschicken unter den ersten Bekennern des Islam und bei den grausamen Bedrückungen im byzantischen Reiche standen die Anhänger und Bekämpfer des Talmuds stets zusammen'"). Wenn man bei der Trennungsfra,ie das materielle und moralische Nebel vor Augen hat; wenn das Kind mit zwei Köpfen als Mißgeburt und als lebensunfähig erscheint, wie kann man daran vergessen, daß ein dreiköpfiges Geschöpf noch eher als Mißgeburt betrachtet werden müsse. Wenn die materielle und moralische Kraft geschwächt wird, wenn sich das Judenthum in zwei Theile, Orthodoxe und Neologen theilt, so wird die Kraft noch 12) Siehe Geschichte des Karäerthums von Dr Fürst. Abschnitt 1, Capitel 14. geschwächter, wenn sich von diesen zwei Parteien noch eine dritte, Ltatusguo-Partei. lossagt! Der Philosoph PanätiuS hat alle Beratschlagungen der Menschen über das, waS Pflicht fei, unter drei Hauptfragen gebracht. Die erste: Ist das, was ich thun will, recht oder unrecht? Die zweite: Ist es nützlich oder schädlich? Die dritt endlich: Wenn das, was recht ist, mit dem Nützlichen zu streiten scheint, welches soll ich wählen? — Nun muß die 8tstusquo-Partei auch diese Fragen des Philosophen an sich richten: Wenn man Thora und Judenthum erhalten will; wenn man sich Garantie verschaffen will, daß die religiösen Gemeindeinstitutionen auf dem Boden deS orthodoxen, gesetztreuen Judenthums fortbestehen werden, ist d >s Ktatusquo-Princip recht oder unrecht? Diese Frage muß jeder gesinnungstüchtige Jude entschieden beantworten: Es ist unrecht. Was die zweite Frage betrifft: Ist das Verbleiben im 8tatu8guo nützlich »oder schädlich? Diese Frage haben wir entschieden schon beantwortet, daß die 8tatu8gno - Anhänger das moralische Nebel der Trennung, wenn ein solches auch gefolgert werden könnte, durch ihre Stellung als dritte Partei noch vergrößern. Was die dritte Frage betrifft: Wenn die Constituirung der Gesammtorthodoxie, die recht und billig ist, mit dem Nützlichen, mit dem materiellen Interesse — da erstens der Wohlstand größtenteils bei den Neologen zu treffen sei und zweitens , da. wenn sich die Gemeinde theilt, so muß eine jede ihren Rabbiner, Schächter u. s. w. haben, was große Spesen erheischt — zu streiten scheint, welches sollen wir wählen? Wer diese Frage aufwirfi, gehört unstreitig zu derjenigen Sekte der Philosophen, die nichts Begehrungswürdiges kennen als sinnliche Lust und Schmerzlosigkeit; und glaubt, daß auch die Religion nur insofern verdiene, gesucht und ausgcübt zu werden, als sie sinnliches Vergnügen und niederen Gewinn befördere. Wer aber glaubt, daß das Moralisch-Gute das einzige Gute sei; wer so glaubt, daß die Religion. die Thora nämlich, höher als alles Irdische und Niedrige steht, wird keinen Augenblick säumen, die letzten zwei Fragen mit der größten Entschiedenheit zu beantworten: Das wahrhaft Gute und Tugendhafte ist dem scheinbar Nützlichen vorzuziehen; Thora und Judenthum müssen unter allen Umständen erhalten werden! Ein dritter 8tatusquo-Freund suchte die genannte Mittelpartei damit zu entschuldigen: „Da man die traurige Ueberzeugung hat, daß der Herr Cultusminister mehr den Neologen als den Orthoxen zugethan sei, indem er die feierlichen Pro-

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