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Der Israelit · 1878-02-13 · Heft 7 (13.2.1878) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 7 (13.2.1878)
Date
1878-02-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XIX. Jahrgang. Zweite Leitagr zu Ar. 7 des Israelit. Leitender Artikel. Hffenes Schreiben an die 8t»tT»8-«zK»«-Gemeinden in Ungarn nnd Siebenbürgen. Von Salomon Schuck in Karczag. Rabbiner der Stadt und des Bezirks. (Schluß.) _ Welche Garantie haben aber Sie, ehrs. Statusguo-Gemeinden, daß die Gemeindeinstitutivnen auf dem Boden des orth. gesetztreuen Judenthums erhalten bleiben? Welche Beruhigung haben Sie bekommen, daß man Sie nicht unversehens in die Arme der Eongreßpartei liefert wird? Können Sie, ehrs. Gemeinden, nach der Einweihung des Seminars — bei welcher Dr. Kohn, Rabbiner und Prediger der Pesther Congreßgemeinde die Eröffnungsrede hielt und Worte ausstieß , die nicht vor eine erleuchtete Versammlung gehören, noch immer mit dieser Partei liebäugeln und der orth. Partei fern stehen? Welche Worte? Hörende und staunen Sie, meine Herren! Sie lauten folgendermaßen: „Der ung. König, B6la der 4. erließ ein Gesetz im Interesse der'Juden, dessen einen Paragraph lautet: „Wenn Jemand die füdische Schule in roher Weise beunruhigt u. s. w." Unter diesen jüdischen Schulen des damaligen Jahrhunderts ist außer der Synagoge die Jeschiwa") verstanden, u. s. w. Es sind eben jetzt 600 Jahren) da unser erlauchter König im Interesse der jüdischen Schule ein Gesetz erließ, nämlich den jüdischen Schulfond u. s. w. In diesen 660 Jahren haben sich die Verhältnisse unseres Vaterlandes gewaltig geändert, anders der Boden, anders die Sprache und die geistige Anschauung. Alles fortgeschritten, Alles entwickelt und den Verhältnissen der Zeit angepaßt. Nur eines blieb, worüber die Jahrhunderte beinahe spurlos dahin gerollt, was unverrrückt stehen blieb am alten Platze, wie ein Zeuaniß eines versunkenen Zeitalters, und das ist die Jeschiwa!" Welche Schamlosigkeit, solche Worte gegen seine Stammesgenossen der Gegenwart und der Vorzeit auszustoßen! Seit 600 Jahren ist Alles fortgeschritten, nur die Talmud-Schulen blieben j am alten Platze wie ein versunkenes Zeitalter? i Muß nicht alle Welt gestehen, daß auch in den letzten 600 Jahren der Jude einer Welt voll Verkennung doch ein wenig Achtung einzuflößen verstand? Hat nicht der Jude auch in den letzten Jahrhunderten alle Kämpfe und Mühseligkeiten, alle Anfechtungen und Widerwärtigkeiten durch sein Wissen und durch sein Tal nt zu beseitigen gewußt? Haben wir nicht auch in den letzten Jahrhunderten namenlos gelitten, hat sich unsere geistige Schwungkraft gelähmt? Was anders hat unsere Geisteskraft erhalten und was anders hat uns Achtung verschafft, als die Talmud-Schule der Vorzeit? Waren die Schule» des seligen Rabbi Jechesket Landau zu Prag, des Rabbi Mordechai Bonnet zu Nikolsburg, des Rabbi Mausche Szofer zu Preßburg Zeugnisse eines versunkenen Zeitalters? Wird nicht in der Mischna die Pflicht des Thora-Studiums als die wichtigste unter allen großen Pflichten hingestellt? Also Talmud-Schulen sind nach Ausspruch des unfehlbaren Dr. Kohn als versunkenes, hingegen Orgel-Synagoge mit abgekürzten Gebeten, flache und wässerige Theaterpredigten v-r leeren Bänken, eine Jugend ohne Religion und Moral, als ein fortgeschrittenes Zeitalter zu betrachten? Im Congresse sagte der Alterspräsident: Die gesetzestreuen Juden sind Bismarkffche Spione; der erste Präsident erklärte: Die orth. Juden sind unwürdige, unwissende Lügner; der zweite Präsident Wahrman sagte im Parlament: Die Gegner der Congreßstatuten sind lauter Betrüger, und das geistliche Oberhaupt der Pesther Eongreßgemeinde nennt die Jejchiwa das Zeugniß eines versunkenes Zeitalters! * 1 Genügt dies Alles nicht, um es jedem Juden, in dessen Adern noch jüdisches Blut cirkulirt, zur heiligen Pflicht zu machen, sich durch die Constituirung auf Grundlage des LandesorganisationsstatuteS von dieser Congreßpartei in facto zu trennen? Können wir geduldig und stillschweigend stehen bleiben, wo es sich darum handelt: ob Thora oder nicht? Müssen wir nicht mit vereinten Kräften diesem Treiben einen Damm setzen? Als ich im Laufe der Congreßepoche mit einigen Herren, die dem Ltatus guo huldigten, über diesen Gegenstand debattirte, sagte mir einer, daß 10) Talmud-Schule, l 1)!!! ein hübsches Stück Bildung!

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