Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1878)
- Date
- 1878-02-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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162 er wähnte, es habe eia Frecher dieses Schimpf-! wort ihm entgegeng-schleudert, und erregt schauten die Versammelten in das vor Wuth fast verzerrte Antlitz des Seelsorgers. Doctor G. .. wußte, daß er Gegner hatte; ihm kam der Gedanke, einer derselben habe ihn hier öffentlich beleidigen wollen und mit Anstrengung, sich fassend, wollte er mit bebender aber noch lauterer Stimme seine Rede fortsetzen. „Wohl war unser edler Freund nicht das, was man nennt orthodox —" rief er. „Ochs!' tönte es grollend durch die Halle. Doctor G . .. müßte sich an den Sarg lehnen , um nicht zu sinken, doch wo möglich noch lauter fuhr er fort: „Er hatte seinen Geist genährt an den Brüsten der Philosophie." „Vieh!" schleuderte das Echo ihm zurück. Ein Gemurmel des Unwillens lief durch die Versammlung, noch ahnte Niemand, was hier geschah. Doctor G ... .,wüthend, in unsagbarer Verwirrung, denn er hatte den Faden seiner sorgfältig! ausgearbeiteten, wohlmemorirten Rede vollständig! verloren; er wußte kaum mehr, was er sagen sollte.! Aber trotzdem wollte er reden, wollte sich um kei- | nen Preis durch den vermeintlich Elenden zum! Schweigen bringen lassen. Und ohne sich ganz! klar zu sein, was er sagte, schrie er: j „Alles Guten, alles Edlen war er Prototyp." z „Dieb!" schallte es zurück.! Doctor G . . wollte nicht mehr darauf achten und um den Frechen zu üderschreien, schrie er noch lauter, indem er die Arme emporhob: „Allmächtiger! öffne ibm des Himmels Thor!" „Thor!" höhnte das Echo. Kraftlos ließ der Gegner seine Arme sinken* es ward ihm schwarz vor Zen Augen. „Wasser! Ein Glas Wasser für Herrn Doctor G ....! Herr Doctor G .... ist unwohl geworden!" „Aber wo ist denn der Elende, der sich solche Sottisen erlaubt?" „Hinaus mit dem Frechen!" so schallte es wild durcheinander durch die Versammlung. Und während Einige sich um den fast bewußte losen Doctor G .... mühten, durchstreiften Andere die Halle, den Ruhestörer hinaus in's Freie zu befördern, als die beiden Mitglieder der Begrabnißbruderschaft, die schon vorhin diese Entdeckung gemacht, den Thatbestand constatirten. „Es ist ein Echo. Es ist ein Echo. Ein Echo!" tönte es von Mund zu Mund und die allgemeine Entrüstung wäre nahezu trotz der Gegenwart der Leiche in allgemeine Heiterkeit übergegangen, doch die Besonnercn suchten zu beschwichtigen. „Ein Echo!" flüsterte Doctor G. .., indem er tief aufathmend die Augen aufschlug. „Wenn Hochwürden sich genügend erholt haben und vielleicht in gedämpftem Tone die erbauungsvolle Rede fortsetzen wollten? — " „Ja, ja." Doctor G ... war gern bereit, namentlich was den gedämpften Ton der nun folgen sollenden Rede betraf. Und nach einigen Minuten trat er abermals an den Sarg und sprach mit gedämpfter, leiser Stimme. Doch was er gesprochen, haben wohl nur Wenige vernommen, und die es vernommen. haben es sicher nicht verstanden, denn der Doctor wußte in Wirklichkeit selbst nicht, was er sprach. (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. /gesucht für einen jungen Menschen von 16 Jahv*/ Ten, klugen Kopfes, der mit allen nöthigen Schulkenntnissen versehen ist, eine 2jähr. Lehrlingsstelle in einem Kurzwaaren-Engros- oder Detail- Geschäft. Kost und Logis im Hanse. Adressen gefäll. an die Expedition d. Bl. sud Nr. 506. in junger Mann (militärfrei), der mit der Buchführung sowie Correspondenz vertraut ist und eine schöne Handschrift schreibt, sucht per 1. Mai unter bescheidenen Ansprüchen Stellung in einem Manufacturwaaren-Geschäfte, welches am Sabbat und an Festtagen streng geschlossen hält. Derselbe wünscht größtentheils auf Comptoir verwendet zu werden. Offerten werden sub Nr. 26 postlag. Fredeburg (Westph.) erbeten. (507