Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-02-13 · Heft 7 (13.2.1878) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 7 (13.2.1878)
Date
1878-02-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447755--14603-2470519
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

161 len von Alt - Serbien wird die National - Miliz organisirt. Türkei. Constantinopel. Der „K. Ztg." schreibt man aus Pera, 29. Dec. 77: „Unter den fünf Nichtmohamedanern, welche der Sultan eben zu seinen persönlichen Adjutanten ernannt hat, ist auch ein Jude Namens Salomon Efendi. Sonst aber scheinen die Juden augenblicklich nicht sehr in Gunst zu stehen, jedenfalls nicht beim Polizeiminister. Ihrer hundert und wohl noch mehr sind eben verhaftet worden unter der Anschuldigung, eine Art von Kairnä - Verschwörung angezettelt zu haben. Sie Alle soll indessen, wie ich aus sehr guter Quelle höre, keine andere Schuld treffen, als daß sie die Finanzkrisis zu Börsen - Speculationen in ihrem eigenen, keineswegs im russischen Interesse ausgebeutet haben. Die Polizei ging bei den Verhaftungen so wenig umsichtig zu Werke, daß sie sogar Hand an Herrn Matalon, den Makler des allmächtigen Hosbanquiers Herrn Zarafi, legte. Der aber erlangte durch Verwendung seines Principals sofort die Freiheit wieder. In Folge dieser Verhaftungen ist der Curs des Papiergeldes für den Augenblick ein besserer geworden, doch schwankt er noch fortwährend." Nach dem „W. Jsr." sollen auf Verwenden des Adjutanten Salomon Efendi alle bis auf fünf wieder entlassen worden sein. Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. XXIII. Der Leichenzug nahte in der That. Es war ein imposanter, unabsehbarer Zug. Voran die vierhundert Arbeiter, fämmtlich in schwarzen Kleidern, einen schwarzen Trauerflor am Arm, große weiße Kerzen mit langen schwarzen Bandschleifen in den Händen. Dann folgte der israelitische Cantor im langwallenden Tatar, umgeben von sämmtlichen Mitgliedern des Chores. Auch sie trugen Kerzen, und diese brannten. Langsam bewegte der Zug sich vorwärts. Eine schwarzaüsgeschlagene Equipage ward sichtbar und in derselben der israelitische Seelsorger Doctor G .... Es war ein schöner, bleicher Mann im schwarzen Sammet-Baret und Ornat. Die gefalteten Hände ruhten auf seinen Knien, der Blick war trauernd zu Boden gesenkt. Und nach dem Geistlichen ward der von vier Rappen gezogene Leichenwagen sichtbar. Die schwarzen Pferde waren mit schwarzen Decken umhüllt, doch von dem prächtigen mit Silber beschlagenen Sarge sah man nichts, über und über war er mit Kränzen und Blumen bedeckt. Und nun folgten in langer, unabsehbarer Reihe von Equipagen die Leidtragenden und deren Freunde. Der Friedhof war erreicht, die Arbeiter ordneten sich seitwärts, der Chor gruppirte sich vor ihnen und während-nun der blumenbedeckte Sarg vom Wagen gehoben und in die Halle getragen ward, begann der Cantor mit schöner, klangvoller Stimme ein ergreifendes deutsches Lied und der wohlgeschulte Chor fiel harmonisch ein. Der Sarg war inzwischen auf den Katafalk gehoben, sämmtliche Leidtragende hatten die Equipagen verlassen und sich in der Halle versammelt, die fast gedrängt voll. Nur der obere Raum, wo der Katafalk sich befand, war frei gelassen. Der Sargdeckel ward abgehoben und Doctor G .... trat zum geöffneten Sarge, die Leichenrede zu halten. Leise begann er, leise klagend, als habe der Schmerz die Stimme ihm geraubt. „Wenn der Allbarmherzige seinen Boten sendet, heimzurufen den müden Greis, der vollendet hat des Lebens Lauf, dann auch füllet Wehmuth unser Herz, doch unsere Thränen fließen sanfter, wissen wir doch, daß er vollendet. „Doch wenn aus nächtigem Firmament der Wetterstrahl herniederfährt, die mächtige, schattenreiche Eiche fället, wenn der Faden, den die Parze spann, zerrissen, wenn wie hier in der Blüthe seines Alters, in der Vollkraft seiner Jahre ein liebender Vater, ein edler Freund plötzlich uns entrissen wird, dann erfaßt uns wilder, verzweiflungsvoller Schmerz, wild und unaufhaltsam rinnen unsere Zähren." Thränen erstickten die Worte des Redners und die meisten der Anwesenden hielten ihre Tücher vor die thränenüberströmenden Augen. Doch endlich schien Doctor G.... sich wieder zu ermannen und Hub nun an zuerst in leisen, allmählich aber lauter werdenden Worten die Tugenden und Verdienste des Verstorbenen zu preisen. Er schilderte seine Menschenliebe, seine unermüdliche Mildthätigkeit. „Auf die Ausübung dieser Tugenden legte er das höchste Gewicht!" rief Doctor G... und brachte hiebei sein schönes, klangvolles Organ zur vollen Geltung. „Wicht!" hallte es da plötzlich zurück. Wüthend wandte sich der Redner um, denn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.