Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1878-02-06 · Heft 6 (6.2.1878) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 6 (6.2.1878)
Date
1878-02-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447747-2447754--14585-2470500
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

144 Die Neologen waren eS, die das Bild schrecklicher Zerrissenheit und den Unhold der Zwietracht heraufbeschworen; die Aufgabe, das Zeitliche mit dem Ewigen auszusöhnen, ist von Seiten der Neo» logen verworfen worden, und das einheitliche Wirken wäre von nun an ein verfehlter Plan. Daher, um die Thora zu erhalten und die willige Unterordnung unter das höchste Gesetz, unter das Joch der Thora, vor Gott und Menschen zu bekunden, war und ist die Trennung, die faktische Trennung von den Neologen und die Constituirung auf Grundlage des Landesorganisationsstatutes von Seiten der Orthodoxen Ungarns und Siebenbürgens das sicherste, nothwendigste und letzte Mittel. Trennung! Sich trennen von den Brüdern, mit denen man so vielfältig verbündet ist, ist das nicht zuviel verlangt? Kann die Trennung nicht endlicheine vollständige Scheidung, eine Scheidung in legalster Form gureet äotaeto nach sich ziehen? Liegt nicht eine zu große Bitterkeit in dem Worte „Trennung"? Ist diese Trennung nicht ein noch nie dagewesenes Verlangen? O nein, nein, theurer Bruder. Nicht zu viel wird verlangt, nicht Bitterkeit ist in dem Rufe „Trennung" zu empfinden, sondern ein Ruf des Heils, der Segen und Frieden bringt, ist die Trennung. Daß diese Trennungs-Idee auch keine neue ist, ist im 5. Buche Moses, Cap. 13, V. 6 und 7 angedeutet: „Du sollst den Bösen wegschaffen aus deiner Mitte, da er dich verleiten könnte." 7) Zur Zeit des Propheten Nehemja, als ein Theil des Volkes der Thora untreu zu werden anfing, da rafften sich die Gläubigen auf und schlossen einen unverbrüchlichen Bund, setzten ihn schriftlich auf und ließen die Fürsten, Leviten und Priester auf dieser besiegelten Urkunde unterschreiben. 8) Also constituirten sie sich, traten in Eid und Schwur und verpflichteten sich schriftlich, zu wandeln nach der göttlichen Lehre, welche durch Moses, den Diener Gottes, gegeben wurde! Als unsere Vorfahren aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrten, wiesen sie mit starker Hand die dargebotene Gemeinschaft mit den Kuthäern . zurück. Obzwar sie im Voraus wußten, daß die Zurückweisung, resp. diese Trennung, ihnen unzählige Leiden und Verfolgungen bringen würde. 7) Bergl. Bal haturim zur Stelle und Maimon. Aboda Sora 5, 1. 8) Nehemja 10 und vergleiche das tägliche Morgengedet: Wahrhaft, festgesetzt, begründe!, bleibend u. s. w., welches auf diese Constituirung sich bezieht. Vergleiche 'das Werk Arba Chuschim, Prag 5622. Als zu Ende des zweiten Jahrhunderts vor der gewöhnlichen Zeitrechnung die Sadducäer am Hofe der hasmonäischen Könige groß und mächtig wurden und ihr Princip zu verbreiten sich bestrebten, sagte man sich unter großen Opfern und! Schwierigkeiten von ihnen los. Unsere Vorfahren i verzichteten auf Rang und Titel, um nur die Thora unverkürzt und unverfälscht den Kindern vererben zu können. Also, getrennt haben sie sich factisch! Als tausend Jahre später die Karäer die Tradition bekämpften und verwarfen°), so trennte man sich von ihnen. Groß war der Kampf, unsäglich viel die Opfer, die gebracht werden mußten, aber für das erhabene Ziel, die Erhaltung der Thora, war unfern Vätern jedes Opfer zu gering. Also neu ist die Trennungs-Idee nicht, schon unsere Vorfahren haben uns triftige Beweise geliefert, daß man sich, wenn man die Thora unverkürzt erhalten und vererben will, von den Sektirern trennen müsse. Kann man, wenn man es mit Leuten zu thun hat, die Jahr aus Jahr ein den Sabbat öffentlich entweihen, am Peßach Chamez genießen, den Bet Josef als einen beschränkten Geist und ehrgeizig verschreien, den Sch-lchan Aruch in seinem Wesen und Zweck als eine Uebcrtretung des mosaischen Gesetzes betrachten, die alte Bibel als unecht erklären, kann man diese Leute noch immer als wahre Juden betrachten und behandeln? Dank Dir, Vater im Himmel, daß Du uns eine Regierung und Volksvertretung, die von dem Geiste wahrhafter Humanität und echter Freisinnigkeit durchdrungen sind, eingesetzt hast, die unser religiöses Bedenken mit der größten Sorgfalt in Erwägung gezogen, und die Trennung wie die Constituirung auf Grundlage des orthodoxenLandesorganisationsstatutes die gebührende Anerkennung gegeben haben. Wir, die wir uns auf Grund- , läge des erwähnten Statutes constituirten, sind i nun davor gesichert, daß nicht heute oder morgen ein neologes Gemeindemitglied an's Ruder kommen und das Götzenbild seiner Vernichtungs- Theorie neben dem Altäre des Heiligthums aufftellen wird. (Schluß folgt.) 9) Das Karäerthum war keine Reform, welche die göttlichen Gebote der Zeit anznb quemen strebte, kein Rationalismus, der Alles nur natürlich zu erklären strebte und alles rationell nicht Erklärbare verwarf, sondern eine orthodoxe Religionsgenossenschaft auf dem Boden der schriftlichen Lehre, die ihnen heilig war. Daß unsere Neologen im Allgemeinen nicht einmal als Textlcr betrachtet werden können, ist eine allbekannte traurige Wahrheit. Siehe Schach zum Schluffe Hilchoth milah. -W - -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.