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Der Israelit · 1878-02-06 · Heft 6 (6.2.1878) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 6 (6.2.1878)
Date
1878-02-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XIX. Jahrgang. Zweite Anlage zu Ar. 6 -es Israelit. Leitender Artikel. Offenes Schreiben an die Gemeinden in Ungarn und Siebenbürgen. Von Salomon Schück in Karczag. Rabbiner der Stadt und des Bezirks. (Fortsetzung.) Männer, die die Gesetze ihrer ererbten Religion als Dinge betrachten und behandeln, die man nach Zeit und Umständen modificiren und verwerfen kann! Männer, die den Sabbat, das heiligste und Wichtigste Geboi — den selbst die Christen in den ersten Jahrhunderten ihrer Zeitrechnung gleich den Juden am Samstag feierten, öffentlich entweihen! Sich taufen lassen, das ist eine öffentliche directe Verleugnung des Judenthums, aber die öffentliche Entweihung des Sabbats und die Lossagung von den Gesetzen der Thora ist nicht minder eine indirekte Verleugnung. Männer, die selbstgeständlich im Hause und öffentlich die Reinheits- und Speise- Gesetze übertreten! Männer, die das Congreßftatut ausarbeiteten und deren erster Vorsteher seinem Rabbiner die christliche Köchin als Haus-Schächter vorzustellen sich beehrte! Männer, wie Rabbiner Steinhart in Arad, der schon im Jahre 1858 in der Zeitschrift „Kochbe Jizchak", Seite 14, die 31t0jährige Bibel, welche alle Confessionen der Erde verehren, als unecht ausposaunte und einer Correctur unterzog! Männer, wie der Pesther Congreßvorstand, der seinen Real - Lehrer in die Simultan - Schule als Religions - Lehrer sendet, damit er dort eine magere Stunde am Sabbat*— da in den Wochentagen sowohl er als die jungen Kinder mit weit wichtigeren Dingen anderweitig beschäftigt sind — den Relgionsunterricht ertheile, und der fromme Religionslehrer nimmt am heiligen Sabbat Schreibzeug zur Hand und ertheilt seinen frommen Schülern die verdienten Noten in Religion! Männer, die Schwiegersöhne, Schüler und Anhänger eines vr. Philippson, der in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" vom Jahre 1876, Nr. 16, die unverschämte Frechheit hatte, auszusprechen: Bet Josef und Schulchan Aruch sei eine Uebertretung des mosaischen Gesetzes!! Männer, wie die Seminar-Rabbiner. Schüler! eines Dr. Grätz, der feit zwei Decennien mit seiner', literarisch-kritisch-historischen Schwindeleien das Judenthum und den Talmud besudelt! Und endlich Männer, die mit inquisitorischer Strenge den bedächtigsten, ältesten und gebildetsten RabbinenO) beim Kongresse das Wort entzogen haben, weil sie im Lauf ihrer Rede den Schulchan Aruch erwähnten! Daß also zwischen den Orthodoxen und Neologen ein tiefer, principiell einschneidender Gegensatz factisch eingetreten ist, wird jeder gesinnungstüchtige Jude, und wäre er auch Nicht-Orthodox, einsehen. Daß es die Congreßpartei war, die in Ungarn und Siebenbürgen den erbittertsten Kampf mit seinen beispiellosen Folgen heraufbeschworen und uns das Verharren in einem Gemeindeverbande zur Unmöglichkeit gemacht haben, wird ferner jeder Mensch mit gesundem Verstände einsehen. Ja, traurig genug! Aber die Trennung war eine Nothwendigkeit geworden; denn, fragen wir, was ist das Wesen einer jüdischen Gemeinde und was ist ihre Aufgabe? Das Wesen einer jüdischen Gemeinde ist ein religiöses, um gemeinschaftlich die religiösen Institutionen, deren die Gemeinde bei Erfüllung ihrer religiösen Pflichten haben muß und die der Einzelne nicht in's Leben rufen und erhalten kann, zu befördern und zu erhalten. Uno zu dieser Gemeinsamkeit ist Gemeinsamkeit der religiösen Ueberzeugung die erste Bedingung. Konnten wir also als Orlhodoxe die religiösen Interessen gemeinsam mit einer Partei fördern, erhalten und unterstützen, die in religiöser Beziehung mit uns in krassem Widerspruche steht? Kann der Arzt die giftigen Säfte, welche bereits ihren zehrenden Einfluß im Kranken begonnen haben, nicht entfernen, so besteht sein Beruf darin, durch die Vorschrift einer weisen Diät den Feind des Lebens fern zu halten. Und wie oft geschieht es, daß ein krankes Glied, wie schwer und schmerzvoll es auch sein mag. abgeschnitten wird, um dadurch den ganzen Körper zu erhalten! Ist es nicht besser, die böse Krankheit zu beseitigen, wenn sie erst droht, als wenn sie schon fest eingenistet ist? 6) Wie Rabbiner Weiße aus Waag-Reustadtl, Rabbiner und Prediger Fischmann aus Preßburg, Rabbiner Dr. Hildesheimer, damals in Eisenstadt.

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