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Der Israelit · 1878-02-06 · Heft 6 (6.2.1878) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 6 (6.2.1878)
Date
1878-02-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
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145 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Alzey, 31. Januar. Vorgestern Abend wurde in dem benachbarten Flonheim die zweiunddreißig Jahre ate Haushälterin des jüdischen Handelsmannes Kapp ermordet. Der Vorgang war, soweit er bis jetzt festgeftellt werden konnte, folgender: Abends zwischen 8 und 9 Uhr kam ein Mann von Uffhofen, um den Kapp zu so später Stunde noch zu sprechen. Die Haushälterin weckte den alten Mann, der sich im Nebenzimmer bereits zur Ruhe begeben hatte, nunmehr leicht bekleidet erschien und nach dem Begehr fragte. Der Ankömmling drückte dem Kapp sein Bedauern darüber aus, daß er den fälligen Termin seiner Schuld an ihn nicht einhalten könne, worauf ihn Kapp beruhigt haben soll. In dem Augenblicke trat ein zweiter Uffhofener in die Stube, der eine fällige Schuldsamme auf den Tisch zahlte, zu der einen noch fehlenden Thaler zuzulegen der erste Ankömmling Miene machte. Statt dessen aber führre er plötzlich gegen den gerade quitticenden Kapp einen furchtbaren Schlag von hinten, so daß dieser vom Stuhle herab gegen ein anderes Möbel fuhr. Zugleicher Zeit fiel durch die Wucht des Angriffs die Lampe vom Tisch, ohne daß die nunmehr eingetrelene Dunkelheit den anderen Uffhofer hinderte, der Haushälterin, die von ihrem Spinnrad erschrocken aufgesprungen war, vermuthlich mittels eines Bandmessers oder Hirschfängers einen furchtbaren Hieb in den Hals zu versetzen. Das Röcheln des in den letzten Zügen liegenden Mädchens zog die Aufmerksamkeit einer zufällig vorübergehenden Lauffrau auf sich, welche die Insassen des in der Nähe befindlichen Wirthshauses von dem Gehörten in Kenntniß setzte. Als diese die von Innen verriegelte Thür Kapp's eingetreten hatten, sprang einer der Thäter, die allgemeine Consternirung benutzen-, heraus und entkam, obwohl er einmal in die Kniee stürzte. Er war jedoch erkannt worden und zwar als Adjunct und Kirchen Vorstandsmitglied seiner Gemeinde. Kapp wurde ins Leben zurückgerufen. Alsbald setzte man den Verbrechern nach, von denen man den Einen in seiner Wohnung, den Andern im Wirths- Haus zu Uffhofen traf, wo er sich bei einer Cotelette und einem Kännchen Schnaps zu erholen gedachte. Nur mit Mühe konnte ein Lynchverfahren von den Mördern abgehalten werden, die sofort nach Flonheim und gestern von dort in Ketten nach Alzei abgeliefert wurden. Die Kleider des Einen zeigten feuchte Stellen, an denen vermuthlich Blut weggewischt worden war; die deS Anderen, der sich verdächtiger Weise in seinen Sonntagsstaat geworfen hatte, konnten so wenig, wie das Mordinstrument bisher aufgefunden werden. An dem Kniee des Gestürzten zeigten sich Sugillationen, die das Läugnen seiner Jdendität überflüssig machten. Dje Section der Haushälterin wurde durch vr. meä. Weber von Alzey ausgeführt: die Leiche derselben durch Herrn Rabbiner I)r. Rothschild von dort alsbald bestattet. Halb Alzey, vornehmlich aber die liebe Jugend, empfing mit Rufen und Pfeifen die gestern Abend eingebrachten Verbrecher. Frankreich. » Paris. Monatsbericht (December 1877) der „All. Jsr. llniv." (Fortsetzung.) Am 9. Ab (20. Juli) bemächtigten sich 3 Bulgaren unter Anführung eines Vierten, der ein Russe zu sein schien, des Hauses von Aaron Caneti, und da letzterer sich aus Furcht vor Gewaltthätigkeiten versteckt hatte, suchten sie ihn, fanden jedoch nur seine Associes, Jsaac und Juda Assa, die gefänglich eingezogen, aufgefordert wurden, anzugeben, wo Aaron Caneti sein Geld hingelegt habe. Diese Unglücklichen, die unmöglich Widerstand leisten konnten, glaubten gut zu thun, wenn sie einen Theil des Geldes auslieferten, aber die Plünderer erklärten sich hiermit nicht zufrieden! Vom Zorn aufgebracht, hielten sie nicht länger an sich und tödteten Juda Assa mit einem Dolchstich; Jsaac Assa hatte entfliehen können. Als die Juden dies erfuhren, erhoben sie sofort Klage beim russischen Commandanten, der Wachen in die Straßen legen ließ, um die Plünderung aufzuhalten und sich aller Marodeure zu bemächtigen. Aber trotz dieser mehr zum Schein ergriffenen Maßregeln setzten die Bulgaren ihr Werk fort und blieben 8 Tage, vom 10. bis 18. Ab, Herren der Stadt. Am 19. Ab kam die Nachricht, daß die Türken in Zagara eingerückt seien. Sofort zogen sich die Russen, die in Kazanlik sich nicht stark genug fühlten, nach Schipka und ließen die türkischen und jüdischen Familien im Streit mit den Bulgaren zurück , welche die Anwesenheit der Fremden doch noch ein wenig im Zaune gehalten hatte. Seitdem hatten die Excesse keine Grenzen mehr. Eine Proclamation der bulgarischen Regierung that zu wissen, daß jeder Türke oder Jude, der aus seinem Hause zu gehen versuchen sollte, auf der Stelle getödtet werden würde. Einige Türken wagten, diesem Verbote zu trotzen, und fanden sofort i«

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