Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1878)
- Date
- 1878-02-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447754--14577-2470492- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
136 Majestät unserer erhabenen Kaiserin" besucht und in der huldreichsten Weise als der Allerhöchsten Zufriedenheit würdig gefunden zu werden. Dem Ausdrucke tieferfüllter Dankbarkeit für die uns gewordene Huld der Landesfürstin reihet sich aber zunächst auch die ungeheuchelte Anerkennung an für die Munifizenz der Gönner, die dem menschenfreundlichen Wirken des Institutes durch werkthätige Liebe und Opfergaben ihre Unterstützung angedeihen ließen. Als ein sehr erfreuliches Moment, welche Sorgfalt unserem Institute entgegengebracht wird, dürften die in so hohem Grade befriedigenden sanitären Umstände erwähnt zu werden verdienen. Trotz der herrschenden Epidemie in Kinderkrankheiten , welche im abgelaufenen Schuljahre leider an Ausdehnung Angenommen hatte, blieb unsere Anstalt von jeglicher Heimsuchung dieser Art verschont. Die Einnahmen betrugen 48,866 fl., die Ausgaben 44,612 fl. Am Schluffe des Schuljahres 1876—1877 befanden sich im Institute 110 Zöglinge und zwar 68 Knaben und 42 Mädchen, wovon 49 als zahlende Zöglinge, 20 aus dem ungarischen israel. Schulfonde, 6 aus dem mährisch-israel. Landesmaffafonde, 26 unentgeltlich aus dem Jnstituts- Fonde. und 9 unentgeltlich auf Grund von Privat- Stiftungen Aufnahme fanden. Ungvar, 16. Januar. Der Erlaß unseres Ministeriums für Cultus und Unterricht, wonach jüdische Zöglinge an Mittelschulen auf den Wunsch ihrer Eltern nicht angehalten werden, am Samstag zu schreiben, zu zeichnen oder zu rechnen, hat nicht lange sein Leben gefristet, denn er wurde dieser Tage von einem neuen, ihn ganz desavouirenden überholt, der nicht nur ihm, sondern auch so manchen Hoffnungen vieler echt jüdischer Eltern, die nunmehr gezwungen sein werden, ihre Kinder diesen Anstalten zu entziehen, den Todesstoß gegeben. Wie wir hören, haben außer der Durchführungs- Commission noch die orthodoxen Gemeinden zu Preßburg und Galgöz gegen diesen Erlaß eingehend motivirte Repräsentationen unterbreitet, welche aber unseres Wissens alle erfolglos blieben, nachdem das hohe Ministerium von dem einmal festgestellten Unterrichtsplan für Mittelschulen nicht äbgehen will und es, wie es sagt, in dieser Bestimmung um so weniger einen Gewissenszwang erblickt, als ja blos die Volksschule, nicht aber auch die Mittelschule obligatorisch ist. Israel Margarethen. Feuilleton. Licht und Schalten. Erzählung von Friedrich Rott. XXII. Der plötzliche Hintritt des Fabrikbesitzers Norden hatte die Theilnahme der ganzen Stadt auf's Lebhafteste erregt. Da er im sog. besten Mannesalter stand und dem Anscheine nach von blühender Gesundheit war, so hatte kein Mensch eine Ahnung, daß auch ein Unwohlsein ihn getroffen, als die Kunde seine Freunde traf, daß er einem Schlaganfall erlegen. In socialer Beziehung von tadellosem Charakter, menschenfreundlich und liebenswürdig im Verkehr, human und mildthätig gegen Jeden, der sich um Unterstützung an ihn wandte, ward sein Scheiden von gar Vielen in Wirklichkeit als Verlust empfunden, von seiner Familie natürlich am herbsten. Seine Gattin war ihm schon im vorigen Jahre vorangegangen. Seine Töchter waren fassungslos in ihrem Schmerz. Auch seine Stieftochter Rosa, die in fernem Lande an einen Ingenieur verheirathet, war auf die Kunde von seinem Ableben herbeigeeilt, um dem Manne, der ihr von frühester Jugend an stets väterliche Freundlichkeit und Liebe erzeigt, die letzte Verehrung zu erweisen. Die pecuniären Verhältnisse Nordens waren im bestgeordneten Stande, sein Testament hatte er gleich nach dem Tode seiner Frau beim Notar deponirt, doch war dessen Inhalt seiner Familie kein Geheimniß. Seine älteste Tochter Pauline, aus erster Ehe, hatte schon bei ihrer Verheirathung ibr mütterliches Erbe und reiche Mitgift von ihrem Vater erhalten, der die Fabrik mit dem Vermögen seiner ersten Frau gegründet und diese daher nebst dem Haupthell seines ganzen Vermögens testamentarisch seiner jüngsten Tochter vermachte, während die beiden älteren Schwestern nur Legate erhielten. Eduard Grün, der Gatte von Nordens jüngster Tochter, war nunmehr Inhaber der Fabrik, die nahezu vierhundert Arbeiter beschäftigte, und eines, diesem Besitze entsprechenden Vermögens. Trotz dieses großen Reichthums, den er nun sein eigen nannte, lag düsterer Ernst, schmerzliche Erschütterung auf dem bleichen Antlitze des jungen Mannes, der in später Nachtstunde ruhelos in seinem Zimmer auf- und niederschritt. Tiefe Stille herrschte in den öden weiten j Räumen, Alles schlief, nur der Leichenwächter mr'r ' ''--7