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Der Israelit · 1878-02-06 · Heft 6 (6.2.1878) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 6 (6.2.1878)
Date
1878-02-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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132 rungsarbeiten vorläufig ein Ende machte. Nach Rücklaß einer genügenden Wache zerstreute sich die Menge. Der Rabbi aber und die Chassidim in Griffels Hause beteten drinnen untz hatten Angst bis zum frühen Morgen. Als der Tag anbrach, kam schon wieder Juda Birnbaum, mit seinem Anhänge den Ringplatz besetzend. Er tummelte sich daselbst den ganzen Tag herum und hatte wohl Acht darauf, daß nicht etwa einer der vielen Chassidim, die eingefangen wurden , zu wenig gehauen, oder von bestechlichen Parteigängern gar losgelassen werde. Gegen Abend begann sodann ein neuer Steinregen auf das Griffel'sche Haus. Die Menge forderte peremptorisch die Herausgabe des Rabbi mit der Begründung, daß sie eine unbezähmbare Lust fühle, ihn zu steinigen. Aus dieser schweren Trübsal und Gefahr sollten die internirten Chassidim durch einen Edlen ihrer Partei, durch Simon Griffel selbst, gerissen werden. Dem letzten König der Athener, Cvorus gleich, welcher allein mitten in das Lager der Feinde trat, um dort getödtet zu werden und dadurch den Orakelspruch zu Gunsten seines Vaterlandes zu wenden, erbot sich Simon Griffel, allein aus dem Hause unter die wüthende Menge zu treten. Während er dieselbe beschwören werde, sein Haus zu schonen, und während solchermaßen die ganze Aufmerksamkeit auf seine Person gerichtet sein werde, mögen die Chassidim den Rabbi umringen, einen Ausfall thun und sich auf diese Weise zn retten suchen. Dieser gewiß edelmüthige Antrag wurde mit Enthusiasmus ausgenommen und ausgeführt. Simon Griffel warf sich unter die Reformjuden, einige Sekunden darauf stürzte die Phalanx der Chassidim unter einem Steinhagel aus dem Hause und es gelang ihr in der That, sich mit dem Rabbi nach einem anderen, besser verproviantirten Hause durchzuschlagen. Die ganze Wuth Juda Birnbaumes und seines Anhanges richtete sich nun gegen Denjenigen, von dem sie ihres Erachtens übertölpelt worden waren, und im nächsten Momente lag Simon Griffel, aus einer Kopfwunde blutend, erschlagen auf dem Platze. Niemand wollte wissen, wer den tödtlichen Streich geführt, Niemand wollte ihn geführt haben, ein jähes Entsetzen durchzuckte Alle, die noch vor wenigen Sekunden dräuend die Fäuste erhoben hatten; der Religionskrieg war zu Ende Angesichts der blutigen Leiche und der Rabbi Ellbogen durfte unbehelligt einen Wagen besteigen und einen Segensspruch für den todten Codrus der Chassidim, den Netter seines Lebens, einen Fluch für dessen Mörder auf den Lippen, nach Tlusty zurückkehren .... Simon Griffels tragisches Ende beschwor gegen die Theilnehmer an der Revolte eine Untersuchung herauf, in deren Folge Juda Birnbaum als Rädelsführer wegen der Verbrechen der schweren körperlichen Verletzung, ferner der Erpressung und einer nebenbei begangenen Majeftätsbeleidigung zu zwei Jahren schweren Kerkers verurtheilt wurde. Ein weiteres halbes Dutzend, das der Erpressung und der schweren körperlichen Verletzung schuldig erkannt worden, bekam Kerkerstrafen von 18 bis zu 14 Monaten herab und die Uebrigen bedachte das Kreisgericht Kolomea wegen Erpressung mit Kerkerstrafen von 1 Monat bis zu 6 Monaten aufwärts. Nahezu sämmtliche Herren ergriffen die Nichtigkeitsbeschwerde, welche gestern vor dem Cassationshofe durch Dr. Markbreiter ihre bestmögliche Vertretung fand. Der Vertheidiger bekämpfte vor Allem' die Annahme der Erpressung, indem er ausführte, daß durch den auch nach seiner Ansicht höchst pöbelhaften Exceß nicht die Entfer» nung des mißliebigen Rabbi erzwungen, sondern einfach dem Aerger über den Einzug des Rabbi Luft gewacht werden sollte. Was den Tod Simon Griffcl's betreffe, so sei eine Gewißheit nicht geschaffen worden, ob derselbe von der Partei Juda Birnbaumes erschlagen worden. Aus dem Akte gehe hervor, daß die Chassidim bei ihrem Ausfälle mit Steine warfen, von welchen Griffel im Getümmel getroffen worden sein könne. Die Beschaffenheit der Wunde widerspreche dieser Ansicht nicht. Auf die formellen Nichtigkeitsgründe übergehend , betonte Dr. Markbreiter die etwas zu große Oekonomie im Beweisverfahren. Es fei ausgerechnet worden, daß aus das Verhör eines Angeklagten oder Zeugen bei der fünftägigen Verhandlung nur je fünf Minuten gekommen seien, auf die so nothwendigen Confrontationen aber gar keine Zeit geblieben sei. Der oberste Gerichtshof wies jedoch über Antrag des General - Advokaten v. Simonovics die Beschwerde zurück. Feuilleton. Mher Ghiera. Eine historische Erzählung. VI. Die beiden Mädchen waren vollständig betäubt; sie wußten nicht, was mit ihnen geschehen war. Man hatte ihnen den Mund verstopft, um sie am Schreien zu verhindern; erst als dieKutsche m

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