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Der Israelit · 1878-02-06 · Heft 6 (6.2.1878) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 6 (6.2.1878)
Date
1878-02-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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131 und wohlhabendsten der ganzen Provinz. Die Streitigkeiten, welche einst das Gemeindeleben daselbst zerrütteten, sind G. s. D. beendigt, und so wird sich Herrn Dr. E. zu einem gedeihlichen und segensreichen Wirten volle Gelegenheit bieten. Wir rufen ein herzliches m-i n^s zu. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Aus Galizien Dem „Neuen Wiener Tagblatt," wurde einen höchstbpklagenswerthenAct des Fanatismus das Nachstehende geschrieben: Sniatyn ist ein kleines Dorf im Kreisgerichtssprengel Kolomea, in welchem, abgesehen von einigen unbedeutenden christlichen Seelen, lauter Juden wohnen, wie dies auch in mehreren Ortschaften Galiziens der Fall fein soll. Zur großen Bekümmerniß des dortigen, nunmehr verstorbenen Rabbiners war der Samen der Aufklärung auch bis zu dieser entlegenen Ortschaft gedrungen und gaben sich die Mitglieder der Gemeinde, anstatt einträchtig zu handeln und zu wandeln, der unsauberen Beschäftigung hin, einander in den Haaren zu liegen. Die Chassidim oder die Altgläubigen standen den Reformjuden als unversöhnliche Feinde gegenüber und bedrückten die letzteren, wo es nur immer angehen wollte. Es herrschte daher bald auch im Schooße der Fortschritt-Partei eine Erbitterung gegen die Chassidim, welche den kaum vermeidlichen Zusammenstoß der beiden Parteien zu einem furchtbaren gestalten mußte. Jndeß, so lange der alte Rabbiner lebte, begnügte man sich beiderseits, im stummen Groll wohl eine Faust im Sack zu machen, doch einem ernsteren Rencontre auszuweichen. Da starb aber im Herbste des Jahres 1874 der gute Hirte und an seinem Sarge schon entfesselten sich alle die bisher mühsam zurückgedrängten Leidenschaften. Die Chassidim wählten den Rabbiner von Tlusty Osias Ellbogen, die Reformjuden den Rabbiner von Jaworow Moses Rappaport zum Rabbi von Sniatyn. Jede Partei lud, unbekümmert um die andere, ihren Kandidaten zum Einzuge nach Sniatyn ein. Jede Partei haßte den Erwählten der andern und nachdem sich die Gegensätze solchermaßen noch verschärft hatten, kann es nicht Wunder nehmen, daß gelegentlich dieses Wahlkampfes die Bombe platzte. An der Spitze der Reformjuden stand der Gutsherr Juda Birnbaum, ein fanatischer Gegner des Rabbis der Chassidim, welcher in der Schenke des Nuchim Drimmer mehr als einmal versicherte, er werde den Tlustyer Rabbi umbringen, falls es diesem je einfallen sollte, seinen Fuß nach Sniatyn zu setzen. Dieser Drohung ungeachtet hatten sich die Chassidim, als Anfangs Mai 187b der Rabbi Rappaport sich seiner Partei vorstellte, nicht Eiligeres zu thun, als auch ihren Rabbi einzuladen. Derselbe sollte am 11. Mai seinen Einzug halten. Hiezu wurden von Seite der Chassidim die großartigsten Empfangsfeierlichkeiten verabredet. Mehrere Wagen, beladen mit den angesehensten Parteigenossen, fuhren dem Rabbi entgegen, Andere sollten ihn am Eingänge des Dorfes erwarten und das schönste Haus am Ringplatze, Eigenthum des begeisterten Chassid Simon Grissel war bestimmt, den frommen Mann zu beherbergen. Während die Chassidim diesen Trumpf auszuspielen gedachten, war die Fortschrittspartei jedoch auch nicht müssig geblieben. Juda Birnbaum hatte seine Getreuen, eine stattliche Schaar um sich-auf dem Ringplatze versammelt. Sein Busenfreund Kaimann Gewiß theilte Stöcke unter dieselbe aus, ohne über den Zweck dieser Mobilisirung ein Wort zu verlieren. Trotzdem wußte Jeder, wozu ihm die Waffe in die Hand gedrückt worden. Einige setzten sogar mit Zustimmung Juda Birnbaum's gleich eine kleine Waffenübung in Scene, indem sie mehrere verspätete Chassidim, welche sich über den Ringplatz schleichen wollten, um dem Empfange des Rabbiners beizuwohnen, abfingen und elendiglich prügelten. Noch andere Dinge wurden vertheilt, deren Verwendung der Leser später erfahren wird. Sodann errichtete eine Abtdeilung Reformjuden an der Gassemnündung des Ringplatzes eine Barrikade aus Kisten und Fässern, um dadurch den Festzug aufzuhalten, während das Gros der Streiter in drohender Haltung vor dem Hause des Simon Griffel Aufstellung nahm. Endlich in später Nachmittagsstunde erschien in der Mitte der Chassidim Rabbi Osias Ellbogen bei der Barrikade, wo sich der Wagenzug natürlich stauen mußte. Darauf hatten nun die Reformjuden nur gewartet; sie erhoben in diesem Augenblicke ein ohrenzerreißendes Geheul, verfluchten den Rabbi bis zu seinem entferntesten Anverwandten in aufsteigender Linie, tobten wie besessen und warfen schließlich jene oben erwähnten Dinger, nämlich todte Katzen, mit Koth besudelte Ratten und Steine in den Wagen des consternirten Rabbi, welcher vor dieser Behandlung Reißaus nahm und sammt einem Häuflein seiner erschrockenen Beschützer in das Haus Simon Griffel's flüchtete, dessen Thoren sofort verammelt wurden. Die Gesammtheit der Reformirten aber schickte sich nun an, die Herberge des Rabbi regelrecht zu belagern. Ein Steinhagel fegte zunächst sämmtliche Fensterscheiben hinweg und veranlaßte die Jnternirten, sich in den Hoftrakt zurückzuziehen. Dann wurden die Fensterstöcke, so weit man sie erreichen konnte, ausgerissen und sonstiges Unheil angerichtet und dann brach die Nacht herein, welche den Belage-

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