Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1878)
- Date
- 1878-01-30
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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i 16 Salomo» Kohn etnneu'ä, in hebräisch-deutschen Lettern gedrucktes Blatt. „Der Israelitische Neuigkeitsbote" betitelt. Dasselbe enthält außer poli- .tischen und jüd. Nachrichten auch noch Illustrationen jüdischen Inhalts. Aus der Zips (Ungarn), im Januar. „Wenn wir erlangt den sclnvcr ennügencil Sieg, Sann droht die Tuiiimhcil unZ mit ncucur äineg." Nach tausendjährigem blutigen und unheilvollen Kampfe, len Eltern aus Kinder vererbten und Generation auf Generation foitpflanzte, haben endlich Wahrheit und Recht über Vorurtheil und mittelalterlichen Fanatismus den Sieg davon getragen. So eigenthümlich der Kampf war, so eigenthümlich hat er geendet: wie im Kampfe die unterliegenden und aus Tausend Wunden blutenden Juden zugleich die Besiegten und die Sieger waren, so haben ihre Gegner wieder am Ende des Kampfes die Waffen streckend den schönsten Sieg errungen. — Glücklich, daß der Kampf so und nicht anders endete; denn nur so können wir ihn als vom Schau» platze der Welt für immer verschwunden, und den Frieden als einen ewig.n betrachten. So verderblich und verhangnißvoll der Kampf war, so segensreich und voll Glück ist der Friede: darum ist ein Feind der Menschheit jeder Feind dieses Friedens, und ein Verräther an Gott und Menschen, wer ihn zu untergraben sucht. Wie auch im blumeubedeckten Gefilde die Giftpflanze wächst, wie die Schlange selbst in das Paradies eingedrungen war, so gibt ^s auch heutzutage, trotz aller Aufklärung trotz allen geistigen und sittlichen Fortschrittes , cine ziemliche Anzahl heilloser Gesellen und kanibalischer Judenfresser, die den alten rechtlosen Zustand zurückwünschcn, wo das Recht mit Füßen getreten und Judenblut vergossen wurde. Ungarn ist eines der wenigen Staaten, wo es, Kneipen-Hctzen etwa ausgenommen, keine Judenverfolgung gegeben hat; und auch in diesem Lande treiben die Judenfeinde ihr Unwesen, wie folgende jüngfterlebte Thatsache beweisen mag: ' Einem jüdischen Einwohner der Zipser Stadt Wellendors wurden von seiner christlichen Magd Wertheffecten und baarcs Geld entwendet; und da er sie auf frischer That ertappt hatte und die Anzeige bei der Behörde machte, suchte sie ihr - Heil in der Flucht. Nun wurden die abenteuerlichsten Gerüchte verbreitet; es hieß: der Jude habe die Magd geschlachtet, um das Blut dem Rabbiner zu verkaufen. Was ein gewissenhafter Richter unter kiesen Umständen gethan hätte, braucht nicht erst gesagt zu werden, ich will blos erzählen, was ein gewissenloser gethan hat. Der Bezirks- Richter Pommer in Kirchdraus entblödete sich nicht, auf Grund dieser unsinnigen, aus der Luft gegriffenen Gerüchte den Starthauptmann mit der Hauptuntersuchung zu beauftragen. Dieser aber, ein wackerer, verständiger Mann, dem noch überdies die Ehrlichkeit und Harmlosigkeit des so hart Beschuldigten bekannt war, weigerte sich gegen die an ihn ergangene Zumuthung '"tandhaft und machte die ernstesten und nachdrücklichsten Vorstellungen. Allein es half nichrs; der Bez.-Richter, unterstützt von gleichgesinnten Subjecten, namentlich von einem Rechtsanwälte in Kirchdraus, wollte einmal sein Müthchen an dem Juden kühten, und der Stadthauytmann mußte sich schließlich den wiederholten strengen Befehlen fügen und die Untersuchung gestatten. Nun ging es an die Suche. Das ganze Haus wurde umstand ich und ohne Rücksicht untersucht. Der Keller förmlich aufgegraben und überhaupt alles Mögliche angewendet, eine menschliche Leiche ausfindig zu machen; wo aber nichts ist, kann auch nichts gefunden werden. Nichtdestoweniger blieben Haus und Eigenthümer unter Bewachung und der Wuth des Pöbels preisgegeben. Und als endlich die diebische Magd in einem entfernten Dorfe entdeckt wurde, konnte der arme Jude sich glücklich schätzen, daß sie sich in Folge aller möglichen Versprechungen bewegen ließ, in die Stadt zurückzukehren und dieselbe von ihrem Leben zu überzeugen. Wenn der Hr. Bezirks-Richter und Consorten gegen Juden und Judenthum geifern, so begnügen wir uns sie zu verachten; aber der Staat darf nicht ungerochen in seinem Namen freveln, und ungestraft seine Gewalt mißbrauchen lassen; denn: „Crlnubniß gibt, wer böser That^ Freien Lauf gewährt anstatt der Ltrafe." Das ungerechte Vorgehen des Bez.-Richters P. ist nicht blos eine Beleidigung des ungarischen Richterstandes und des ungarischen Rechtes, es ist ein Fauftschlag vor aller Welt; nie hat ein Ungar eine Beleidigung seiner Nation und die Besudelung seiner Ehre ungeahndet hingehen lassen: wir können daher dem ehrlichen Juden eine vollkommene Genugthuuna, und dem Bez.-Richler die wohlverdiente Strafe mit aller Bestimmtheit prophezeihen. A. B. Italien. * Rom Der „W. Jsr." erzählt nach einer Mittheilung des Herrn Moritz Oppenheim, daß der Adjutant Figdor des verstorbenen Königs Victor Emanuels ein Jude und zwar aus Preßburg gebürt gt ist. Derselbe war der Sohn reicher und streng religiöser Eltern. In den 50er Jahren verließ er plötzlich das Elternhaus und trat in