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Der Israelit · 1878-01-30 · Heft 5 (30.1.1878) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 5 (30.1.1878)
Date
1878-01-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
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117 Turin als Freiwilliger in die ital. Armee. Figdor wurde dem Generalstabe in Rom zugetheilt; hier lernte ihn Victor Emanuel kennen und ernannte ihn 1872 zu seinem Adjutanten. Da Figdor in Oesterreich als Deserteur betrachtet wurde, so bat er den König, für ihn beim österreichischen Kaiser Fürsprache einzulegen. Als der König von Italien 1873 Wien besuchte, erfüllte er den Wunsch seines Adjutanten, und die Sache wurde selbstverständlich zu seinen Gunsten geordnet. Rom, den 18. Jan. Im hiesigen isr Tempel ging eö letzten Samstag recht feierlich her. Es wohnten mehrere Generäle und Minister dem Gottesdienste bei Es fand ein Trauergottesdienst für den verstorbenen König Victor Emanuel statt, an den sich ein Gebet für König Huwbert anreihte. Die hohen Gäste waren von der Feierlichkeit sehr befriedigt, und einer derselben soll sich geäußert haben: Wahrlich schön sind die Einrichtungen der Juden. Von dem verstorbenen König erzählt „Vess. Isr.", daß er, als er zum erstenmale das befreite Padua besuchte, bei einem Israeliten gewohnt. Er bemerkte daselbst die Mesusvth an den Thürpfosten und ließ sich vom Rabbiner die Bedeutung derselben erklären. „Ich bin erfreut", sagte der Könige „unter solch gutem Schutze mich zu befinden". Als er das Dekret Unterzeichnete, durch welches der erste Israelit zum Senator ernannt wurde, sagteer: „Dies ist eine Bestätigung, welche ich sehr gern gebe." Frankreich. Paris. Monatsbericht (Deccmber 1877) der „All. Isr. Univ." (Die Israeliten der Türkei) Das Comite von Constantinopel erachtet es für Pflicht, die aus Bukarest dort angekommenen Flüchtlinge noch nicht nach Adrianopel abreisen zu lassen. „Wir werden sie, schreibt dasselbe, einstweilen in Constantinopel zu behalten suchen und ihnen eine wöchentliche Pension verabreichen, ohne diejenigen,, die sich absolut mit ihren Familien in Adrianopel vereinigen wollen, an ihrer Abreise zu hindern." Das C.-Comit« hat über die Lage der Israeliten in der Türkei folgende Mittheilungen erhalten:*) 1. Brief des Herrn Beneziani. Constantinopel, 23. November 1877. Meine Herren! Wie ich Ihnen in meinem Schreiben vom 13. d. MtS. anzuzeigen die Ehre hatte, habe ich mehrere unserer zu Schiffe von Triest hier angckommenen Flüchtlinge bei mir versammelt und mir die auf ihre Reisen bezüglichen Vorgänge erzählen lassen. Diese Erzählung, die der Gegenstand meines gegenwärtigen Schreibens ist, gebe ich Ihnen treu, wieder, indem ich oft erueri der Erzähler selbst sprechen lasse, um dadurch derselben ihren ursprünglichen Charakter und ihre Einfachheit zn bewahren. Am 7. Ab (18. Juli) sind die Russen nach Kazanlik gekommen. Die widerstandsfähigen türkischen Kräfte bestanden aus 15^0 Mann regulärer Truppen, zu denen man die Bevölkerung der Stadt, soweit sie Waffen tragen konnte, in einer Effektivstärke von ca. 4000 Mann hinzunehmea mußte. Diese 5500 Mann zogen dem Feinde entgegen und kamen, nach einem Treffen mit demselben, nach Kazanlik zurück, nachdem sie enorme Verluste gehabt und eine große.Anzahl der Ihrigen auf dem Platze gelassen hatten. Nach dieser Schlappe pflanzte die bürgerliche Bevölkerung, welche die Waffen ergriffen hatte, da sie sich verloren sah, die Parlamentär» Fahne auf und schickte eine aus Türken, Juden und Bulgaren bestehende Deputation zum General Gurko, um über die Caputilation zu verhandeln. Da die Deputation den General nicht sprechen und auf ihre Vorschläge keine Antwort erhalten konnte, während der Feind fortwährend auf die Stadt vorrückte, so beschloß sie, mit demselben zugleich wieder nach der Stadt zu gehen. Kaum aber waren die russischen Soldaten in unseren Mauern, als die Bulgaren sich der Regierung der Stadt bemächtigten, das Gerichtsgebäude überfielen, den Kadi (Stadtrichter) zum" Gefangenen machten und ihn in Procession, unter Vorantragung von Heiligenbildern, nach dem Kloster führten, wobei Jeder der Anwesenden als Abzeichen Blumen und eine kleine russische Fahne trug. Der Karmakan (Bürgermeister), der bei dem Widerstandsversuch gegen die Russen gezogen war, wurde von den Bulgaren ergriffen und grausam malträtirr; sie rissen ihm ein Auge und die Zähne aus. Am anderen Tage, den 8. Ab (19. Juli), erlaubte der feindliche General den Russen und Bulgaren die türkischen und jüdischen Häuser zu plündern. Die Eigenthümer, die man vorsichts» *) Obgleich mir schon früher ausführlich über die an unsere Glaubensgenossen in Kazanlik begangenen t^ränelthaten berichtet, veröffentlichen mir dennoch nachstehenden Brief, weil er die ttanrige Asfaire. von Augenzeugen mitgetheilt, in ihren Cinzelnheiten schildert und über manchen bisher unerklärlichen 'Pn>,kt Aufschluß gibt. t.Ned. des „Zsr.")

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