Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1878)
- Date
- 1878-01-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XIX. Jahrgang. Zweite Beilage jn Ar. 5 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Fantfnrt a. M., 10. Jan. Nachdem wir jüngst einige Notizen über die isr. Krankenkasse gebracht haben, möge es uns heute gestattet sein, auf einen andern,' insofern eigenartigen Verein hinzuweisen, als er zum Theil auf Gegenseitigkeit beruht, zum Theil einen wohlthätigen Zweck verfolgt. Es ist dies der Verein zur Aussteuerung hiesiger isr. Bürgerstöchter. Die Zeit seiner Gründung läßt sich nicht mit Bestimmtheit angcben; vermutlich dürfte sie in die Mitte des vorigen > Jahrhunderts fallen. Die Aussteuerung Vermögens- I loser Mädchen, besonders Waisen, war von jeher! ein Hauptzweig der jüdischen Mildthätigkeit; so j wird einem vor mehr als hundert Jahren dahier i verstorbenen und begrabenen Talmudgelehrten Nabln! Aron Levi aus Göttingen*)) aus seinem Grabstein I nachgerühmt , daß er sowohl aus eigenen Mitteln als durch Sammlung bei seinen Glaubensgenossen sehr viel für diesen Zweck geleistet habe. Dieser Mann dürfte wohl als Mitstifter des Vereins zu betrachten sein. Im Jahre 1826 wurde auf Anregung des Hrn. M. I. Wohl der Verein vollständig erneut; neben mehreren kleineren Legaten von anderer Seite vermachte im I. 1837 Herr I. M. Braunschweig dem Verein ein Kapital 'von fl. 10,000, so daß in den Jahren von 1837 bis 1862 an 25 Mädchen 42,040 fl. als Aussteuerungs- Preise erster Klasse, und an 25 Mädchen 25,706 fl. als Aussteuerungen zweiter Klaffe gegeben werden konnten. Die Preise erster Klaffe sind nämlich solche , welche durch Loosziehung an Mitglieder, die zweiter Klasse, welche, gleichfalls durch Loosziehung , an die sich bewerbenden Mädchen fallen. Im Anfang dieses Jahrzehnts testirte Herr Emanuel *) <vs ist bieg bei St mmvater bei iveilberühiiieen Familie H lisch aus Halbcrstabt; Rabbi Ahron Götting war Dajon iu Frantsurt a M.: sein Sohn, Rabbi Hirsch «Hötting, ivar Klausrabbiner in Rabbi Bärmann's Beth-Harnidrasch in Halberstabt; dessen Sohn Rabbi Ahron Gotting, bei spater den Bornamen seines Vaters zu seinem Familiennamen machte, ebensall; ein hervorragenber Talmub-Gelehrter, war bei Begrünber bes Hntten-Probucten - Geschäftes, bas seinen Namen führt; sein ältester Sohn war der Coinmerzieiirath Joseph Hirsch , gesegneten Anden lens, der bis vor sieben Jahren an der Spitze des erwähnten (Geschäftes stand.! Höchberg gleichfalls ein Kapital von fl. 10,000 zu! Gunsten des Vereins. Durch die neueren Bestimmungen wurde der Mitgliederbeitrag auf 9 M. jährlich normirt, ablösbar durch einmalige Zahlung von 200 M. Die eine Hälfte der Zinsen des Vereinsvennögens wird stets zum Kapital geschlagen; die andere. Hälfte dagegen zum ersten Preise zugeschoffen und dadurch den Contribuenten der Vortheil geboten. daß sie die Chancen auf eine Summe erhalten, welche den Werth des Beitrages bei weitem übersteigt. Ein solcher Verein, welcher dem Mitglied aus dem Mittelstände die Verheirathung seiner Töchter erleichtert und zugleich auch armen Mädchen die Möglichkeit einer Aussteuer eröffnet, kann dem allgemeinen Wohlwollen unserer jüdischen Mitbürger nicht dringend genug empfohlen werden, damit die in den neuen Statuten vorgesehenen Maxima (12O00 M. für den ersten Preis, 6000 M. für den zweiten Preis) recht bald den Betreffenden zu Gute kommen können. Frankfurt fl. M. Nachdem nunmehr im benachbarten Born heim eine größere Zahl von Israeliten ihren Wohnsitz genommen, haben dieselben auch für ihre religiösen Bedürfnisse zu sorgen begonnen und ein Local gemiethet, welches zu einem Bet-Sal eingerichtet worden ist. Verflossenen Samstag wurde zum ersten Mal Gottesdienst darin gehalten. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Die hiesige isr. Allianz hat einen traurigen Bericht aus dem an der Donau liegenden türkischen Städtchen Lom-Palanka erhalten. Daselbst wohnten etwa 48 jüdische Familien, die sich in guten Verhältnissen befanden. Als die Beschießung des Ortes begann, haben sich einige derselben nach Widdin geflüchtet. Die Zurückgebliebenen hatten ein trauriges Loos, sie wurden ihrer Habe beraubt; ihre Häuser, darunter die Synagoge, wurden zerstört und die nmn zerrissen. 134 Seelen dieser Unglücklichen sind in einem erbärmlichen Zustande in Krajowa angekommen und haben sich von da aus um Hilfe an die Allianz gewendet. (W. Isr.) Bttdapesth. Seit einigen Wochen erscheint dahier unter der Redaction des Herrn Rabbiner