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Der Israelit · 1878-01-30 · Heft 5 (30.1.1878) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 5 (30.1.1878)
Date
1878-01-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Feuilleton. Licht und Schatten Erzählung von Friedrich Rott. XXI Und Caroline hatte in der That die Freude, die schwache Emma ohne sichtliches Widerstreben noch einige kräftigende Nahrung zu sich nehmen zu sehen. Es handelt sich bei allem ja nur um den Anfang, und wo war denn, ihrer Anschauung nach, der Unterschied, ob sie nun nur eine Tasse Bouillon oder ein Viertel Hühnchen genossen hatte. Sie fühlte sich danach in Wirklichkeit frischer und kräftiger, die Blässe ihren Wangen war gewichen, und war auch mit dem körperlichen Unbehagen die Angst vor dem Zusammentreffen mit dem Gatten noch nicht ganz geschwunden. so war sie doch für den Moment in den Hintergrund getreten und lächelnd lauschte sie Carolinens munterem Geplauder und nicht ganz ohne Neid staunte sie die kostbaren Geschenke an, mit denen ihr Schwager seine Frau zu überraschen liebte. Warum fiel es nur Carl nie ein, sie mit-dergleichen zu überraschen? — Zwar wußte sie, daß trotz ihrer wohlgeordneten Verhältnisse Carls Vermögen sich mit dem seines Schwagers nicht messen konnte, aber — aber — er hätte doch wohl etwas mehr für ihre Freuden und Annehmlichkeiten sorgen können. Caroline errieth, was in ihrer Schwester vorging und suchte noch zu schüren, und angenehm erregt lauschte Emma. „Und er ist doch ein guter Mann!" rief sic dann fröhlich lachend. „und ich habe ihn von Herzen lieb und er mich auch. Doch nun ist's Zeit, daß ich heim komme, sei so gut Caroline und lasse anspannen." Caroline entsprach ihrem Wunsche und begleitete sie selbst nach Hause. Sie bemühte sich, durch heitere Unterhaltung die Schwester in guter Stimmung zu erhalten, doch je mehr sie sich ihrer Wohnung näherten, desto mehr sank Emmas Muth, mit dem Bewußtsein ihres Unrechts dem sie herzlich liebenden und ihr in allem so unbedingt vertrauenden Gatten zu begegnen. Ihr Lachen ward gezwungen, ihre Stimme gepreßt. „Muth, Herzchen, Dein Mann ist ja kein Tyrann." „Das weiß ich" entgegnet Emma das Köpfchen zurückwerfend „und wenn er es wäre, was könnte er mir anhaben?" „Nichts, durchaus nichts? ‘ „Freilich nichts — und dennoch — kommst Du mit hinein?" „Ist mir für heute nicht möglich, liebe Emma, Du weißt es, Friedrich, wartet auf mich." „Nun so lebe wohl!" Noch eine Umarmung, und Emma verließ den Wagen. Laut pochte ihr Herz, als sie ihre Schwelle überschritt; sie freute sich bei dem Gedanken, Carl noch nicht daheim zu treffen. Doch er wußte, daß sie heute ihren ersten Ausflug unternommen und war er deßhalb früher als gewöhnlich heimgekommen, weil er zu erfahren wünschte, wie die Spazierfahrt ihr beha.fi. Er war so voll Aufmerksamkeit, so ängstlich besorgt für ihr Wohl und ihr Behagen — und gegen ihn konnte sie nicht mehr wahr sein. — Es ward ihr doch unendlich schwer, seinem treuen Auge zu begegnen. „Das Fähren scheint Dich doch angestrengt zu haben. Wo bist Du denn so lange gewesen? ich war schon im Begriff, zu Caroline zu gehen." „Dort hättest Du mich auch getroffen," erwiederte sie gepreßt und innerlich zitternd bei dem Gedanken, wie er sie dort hätte treffen können. „Wie unrecht, Emma, diese vielen Stiegen und dabei hast Du so lange nichts zu Dir genommen." Er stand, auf und zog die Glocke und befahl der eintretenden Dienerin, Bouillon und Wein für seine Frau zu bringen. Emma preßte die Livven aufeinander. „Du bist zu ängstlich, Carl, ich bin gar nicht mehr so schwach wie Du glaubst." „Ich fürchte, Du bist schwächer als Du es Dir selbst gestehen willst," erwiederte er, „Du wechselst ja beständig die Farbe." „Ach, das hat nichts zu bedeuten," erwiederte sie lächelnd, und fuhr mit dem Tuch über die jetzt wieder gerötheten Wangen. „Aber wer ist denn gestorben?" fuhr sie ablenkend fort, indem sie den schwarz gerändeten Partezettel, der auf dem Tische lag, las. „Norden? Fabriksbesitzer Norden — war das nicht Dein Onkel, Carl?" „Allerdings" erwiederte dieser, tief Athem holend, „er war der Bruder meiner seligen Mutter." Sie hatte inzwischen die Namen der Hinterblieben auf dcm Partezettel gelesen. „Eduard Grün als Schwiegersohn — ist das ein Verwandter von Dir?" „Eduard ist mein Bruder." „Ja, ja, ganz recht, jetzt erinnere ich mich, Du hast es mir schon einmal gesagt, daß Dein Bruder die jüngste Tochter und Haupterbin Deines Onkels geheirathet hat. Aber wie eigen, wir wohnen mit Deinem Bruder in derselben Stadt, und ich habe ihn noch nie gesehen."

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