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Der Israelit · 1878-01-30 · Heft 5 (30.1.1878) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 5 (30.1.1878)
Date
1878-01-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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105 Feuilleton. Lsther Hhiera. Eine historische Erzählung. Y. ©inan Pascha, Der abgesetzte Großwesir, hatte sich auf sein Schloß nach Salonichi begeben. Mißmuthig blies er die Rauchwolken von sich, die er aus seinem langen Tschibuk zog; cs behagte ihm durchaus nicht in der Verbannung, und all sein Sinnen und Trachten ging dahin, wie er eermöglichen könne, nach Constantinopel zurückzukehren und die höchste Gewalt wieder an sich zu reißen. Er schmiedete Pläne auf Pläne, die sich bei ruhiger Ueberlegung sämmtlich als unausführbar erwiesen. Er hatte befohlen, Niemanden zu ihm zu lassen; Dennoch öffnete sich der Vorhang des Gemaches, und sein Diener Hamid trat ein. „Hund!" herrschte ihn der Pascha an, „wagst auch Du es schon, meinen Befehlen zu trotzen?" „„Hoher Herr."" „Schweig, hinaus!" „,.O Herr, schilt mich, schlage wich, nur höre mich an.""' „Wirst Du schweigen! Noch einmal, hinaus!" „„Es schmerzt mich, Dir ungehorsam sein zu müssen, allein mein Wunsch, daß Du nach Stambul zurückkehrst, wiederum alleiniger Gebieter des mächtigsten Reiches der Welt werdest . . . „Was kannst Du Hund, Du Nichts, dazu beitragen?" „„Vielleicht ist es der Wille Allah'S. daß ich dazu beitrage. Hat doch einst die Maus, die kleine, ohnmächtige, wie Lockman erzählt, die Netze des gefangenen Löwen zerbissen. Drum höre mich, Herr! Du erinnerst Dich, daß einst ein Korsar eine kleine Venetianerin fing und sie nach Stambul brachte? Die kleine Benetianerin wurde später Sultanin Chaseki, und der Korsar, der Begründer ihres Glückes wurde mit Ehren und Reichthümern überhäuft." " „Rede weiter." ,,„O Herr, ich habe hier in dem schmutzigen Salonichi die Perle aller Frauen entbeut. Ich will sie Dir nicht beschreiben , Du mußt sie selber schauen; Du wirst entzückt sein wie ich es ward. Kein Weib auf Erden, das an Schönheit und Anmuth der Esther Chiera gleichkäme." " „Wer ist Esther Chiera?" j „„Eine junge Jüdin, kaum sechzehn Jahre! alt, die Tochter des Rabbinen von Salonichi. Jeden Nachmittag gegen Abend ergeht sie sich in Begleitung einer Dienerin im Parke Deines Schlosses, dessen Benutzung Du großmüthig allen Bewohnern von Salonichi gestattet hast. ES nahet die Stunde, in der sie zu lommen pflegt. Komm mit mir, Herr, ich führe Dich an einen versteckten Platz, von wo aus Du sie ungesehen beobachten kannst. Deine Augen haben noch kein Weib geschaut. das dieser Esther gliche. Die Schönheit ihres Gesichte-, die Anmuth ihrer Gestalt, der Wohllaut ihrer Stimme — doch Du wirst selber sehen. Wenn Du dieses Weib dem Padischa zuführst, so wird er Dich wieder an die Spitze seiner Staaten stellen, und der hündische Ferhad mag dann das bittere Brod der Verbannung kosten oder mit der seidenen Schnur, ganz nach Deinem Belieben, seinem frevelhaften Leben ein Ende machen." " „Aber ich darf nicht nach Stambul zurückkehren, darf mich dort nicht öffentlich zeigen!" „„Auch daran habe ich gedacht. Du kehrst heimlich nach Stambul zurück und läsiest die schöne Esther durch Deine Schwester in den Serail führen. Erst wenn der Padischa das Glück und die Wonne seines Lebens in der schönen Jüdin findet, soll Dein Name genannt und Deine Macht und Herrschaft auf's Neue begründet werden." " „Du bist ein Kleinod von einem Diener. Auf, führe mich, damit mein Auge das B under erschaue, auf das Du so große Pläne gebaut." Hamid führte seinen Herrn in den Park und verbarg ihn an einer dicht mit Bäumen bewachsenen Stelle in der Nähe einer Ruhebank. Nicht lange währte es, und Esther erschien in Begleitung ihrer alten Dienerin. Hanna, die seit dem Tode ihrer Mutter dem schönen Mädchen mehr Freundin und Vertraute als Dienerin war. „ „Sei nicht so traurig, mein Püppchen,"" sagte Hanna. „„Signor Salomo wird in Stambul bald alles zum guten Ende führen und daun wiederkehren. Ich begreife Dich nicht, als Signor Salomo Dir die Trauerkunde brachte, da warst Du voll Hoffung. voll Muth und Zuversicht, und jetzt gibst Du Dich so ganz dem Trübsinne hin."" „Ich begreife mich selber nicht, gute Hanna; ich, die ich sonst so froh und freudig in die Zukunft schaute, bin seit der Abreise meines Bräutigams voll trüber Ahnungen." „„Wollen wir uns nicht ein wenig auf diese Ruhebank setze»? Ich bin alt, und der Spaziergang hat mich ermüdet.""

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