Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1878)
- Date
- 1878-01-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wohlgemuth von hier, auf daS Beste getroffen. Nach dem feierlichen AbendgotteS^ienste wurde da- Fest durch eine Ansprache des vr. Rülf eröffnet und eingeleitet. Er sagte etwa Folgendes: „Als Vorstandsmitglied des Vereins, als iqup (OrdnungS-Luffrher) habe ich die Pflicht, zu bestätigen, daß Alles nen 2101 jpno, Alles in* bester Ordnung sich befindet und das schöne, einzige Fest seinen Anfang nehmen kann." — Hierauf hieß er die fremden Gäste, vorzüglich die Rabbi- «en der benachbarten und ferneren Städte, in gebührenden Worten herzlich willkommen und fügte dann, kurz gefaßt, das Folgende hinzu: „Wir sagen heute Abend: «w, mxa eno “n:f „Gelobt sei Gott, der die Lichter der Flamme geschaffen hat," wir sagen „die Lichter" im Plural, ’niru mo #o«a ftO’N. „Vielerlei Lichtfarben sind in der Flamme." Dieser mehrtausendjährige Ausspruch der Weisen erhält durch die moderne Wissenschaft eine gar merkwürdige Bestätigung. Ein physicalisches Instrument, das Spectrum, zeigt uns die verschiedenen Lichter der Flammen in gesonderter Darstellung. Auch von den göttlichen Lichtern unserer Thora, unserem Volke, der menschlichen Seele gilt das Wort: sonn to*« mru o-u, „Viele Lichter vereinigen sich in der Flamme". Durch die Spectral-Analyse des Geistes erhalten wir Kenntniß von den tausendfältigen Lichtern, welche von ihnen ausgestrahlt sind und noch fortwährend ausstrahleu, um die Welt zu erleuchten und zu verklären. Und in welchem Verhältniß stehen diese Lichter zu einander? Der Midrasch fagt's uns: 'ui n’3 "p:i -,T3 nj, „Mein Licht ist in Deiner Hand, spricht Gott, und dein Licht in Meiner Hand; bewahrst und pflegst du Mein Licht, so bewahre und pflege Ich dein Licht." — Der heutige Tag soll Zeugniß ablegen von der Wirkung, Gegenwirkung und Wechselwirkung dieser Lichter. — So möge denn das Fest seinen Anfang nehmen." Nach dem Gottesdienst des folgenden Morgens fand der eigentliche Sijum statt. Eingeleitct wurde derselbe durch einen geistvollen Bortrag des Rabbiners Joschijah Heller aus Telsch, der würdige und gelehrte Sproß einer würdigen und berühmten Gelehrtenfamilie. Hierauf folgte der von dem ältesten -wo unseres anuen rva, Hrn. Mordechai Söffe vorgetragene, eigentliche cm Jetzt wurde der erste Imbiß, bestehend in dem unfehlbaren Lekech (Lebkuchen) — welche zu jeder russischen Festlichkeit in mannigfaltigster Weise zubereitet werden — und Branntwein herumgereicht. Nunmehr erst bestieg der Hauptredner des Tages, der Rabbiner Malbim aus Königsberg, die no»2. Sein Vortrag war ganz nach Art des Mannes, welcher als einer der talentvollsten Exegeten und Interpreten des gegenwärtigen JudenthumS gilt. Wer sich davon überzeugen will, braucht blos einen Blick in sein großes Bibelwerk zu werfen. Gegen drei Uhr Nachmittag nruo 'sn 'nx begann mit etwa 90 Gedecken das Festmahl; das war'S im eminentesten Sinne des Wortes, trotzdem das ganze Menu nur aus drei Gängen bestand. Gegessen und getrunken wurde nicht viel, desto mehr aber geredet. Der erste Redner bei Tische war wieder vr. Rülf, ihm folgten die Rabbinen aus Kletzk, Polangen und Garsden rc, auch Heller und Malbim haben noch vielfach das Wort ergriffen. Wollte man alle diese Reden auch nur in kürzester Form skizziren, man würde kein Ende finden. Mit der aufgebotenen Summe an Geist und Witz könnte man hundert Festmahlzeiten würzen. Der Kenner und Liebhaber hübscher Erklärungen, geistvoller O'-viis, scharf pointirter Wörtchen, überraschender O’üffs hätte an diesem Tage deren so viel einheimsen können, um sein ganzes Leben lang davon zu zehren. Und so zog sich denn doch unter Reden, Gesang und Tanz — selbst unser alter Magciid Jaffe verschmähte es nicht, mit dem zweiten Maggid den Kosak zu tanzen — unser Festmahl hin bis gegen Mitternacht. Stratzburg (Elsaß), 22. Jan. Man erzählt sich hier, daß die Schüler der Tertia des hiesigen Lyccums einen Lehrer, der bereits früher der Gegenstand arger Injurien war, irr. seiner eigenen Wohnung mißhandelt hätten. Demselben Lehrer wurden während des Unterrichts Dynamit-Patronen in das Zimmer gelegt, die auch explodirten, ohne jedoch großen Schaden zu thun. Der Eine der Schuldigen wurde vorgestern relegirt, der Andere erhielt das Consilium abeundi. Es ist merkwürdig, daß es in diesem Falle wie früher wieder die Söhne hoher Beamten sind, welche den Unfug verübten. Andere Schüler hatten es vor Kurzem auf den Lehrer der isr. Religion, Rabbiner Aron, abgesehen. Sie sammelten in der Tertia (Real-Classe) je 2 Pfennige von jedem Schüler und kauften dafür eine sogenannte „Sonne", welche vor Beginn des isr. Religions-Unterrichtes unter dem Katheder befestigt wurde. Dieselbe war mit einer Zündschnur versehen, deren Dauer auf 25 Minuten berechnet war. Um 23/4 Uhr Nachmittags wurde angesteckt, worauf die Tertianer das Lokal räumten. Darauf kamen die jüdischen Schüler, und der Religions-Unterricht begann. Zehn Minuten nach 3 Uhr ging das Feuerwerk unter dem Stichle des Rabbiners los, dessen peinliche Lage man sich denken kann. Jedenfalls ist die Disciplin an unserem Lyceum, wie aus diesen Beispielen hervorgeht, eine ganz vorzügliche. (F. I.)