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Der Israelit · 1878-01-30 · Heft 5 (30.1.1878) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 5 (30.1.1878)
Date
1878-01-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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verfolgen und aussaugen ließ — ein unantastbares Heiligthum, für welches er in allen Zeiten, Umständen und Verhältnissen leben und sterben muß; dem orth. Juden ist das Judenthum, das den Fortschritt in allem Guten und Nützlichen nicht nur nicht ausschließt, vielmehr verlangt5), ein absolutes Gesetz Dies in Kürze das Princip, der Grundsatz und der Standpunkt der orth. Partei. Was ist aber das Princip und worin besteht das Judenthum derer, die sich als Fortschritts-! Partei bezeichnen? > Ihr Standpunkt und Princip resumirt sich ganz einfach in Folgendem:! „Ideen der Wahrheit symbolisch anschaulich! zu machen und dadurch mittelbar auf Tugend und j Frömmigkeit einzuwirken, war ein nöthigeS Mittel! für unsere unwissenden Vorfahren. Wir aber, die! von Cultur, Humanität und Liberalismus durch-! drungen, ja voll, übervoll sind, tragen die damit ’ zu bezeichnenden höhern Gedanken und Gefühle in > unserem Herzen, und die Gesetze der Thora sind; für uns veraltet."! Die Herren Fortschrittler haben dieses Prinj cip in Deutschland allgemein verbreitet und die j Herren Rabbiner machten es sich zur Aufgabe,! dieses Princip zur Verwirklichung zu bringen, so,! daß man in Frankfurt a. M. einen Verein gründete, um die Beschneidung zu beseitigen. Und solange schritten die Herren Neologen vorwärts bis Dr. Holdheim, Rabbiner und Prediger in Berlin, sich mit strenger Conscquenz aussprach: „Alles im Mosaismus hat für unsere Zeit seine Geltung verloren!" Holdheim ist zwar gestorben, aber seine Nachbeter und Gesinnungsgenossen leben noch immer. Sie sind verzweigt in allen Enden der Welt, und auch der gesegnete ungarische Boden hat die bittere Saat Holdheims zu üppig aufsprießen lassen. In der Leipziger Synode im! Jahre 1868 und in der Augsburger im Jahre 1870, bei welcher sich auch zwei ungarische Rabbiner : persönlich betheiligten, ist Holdheim vom Tode zum Leben erwacht'! In der österreichischen Hauptstadt hat das Rabbinat und der Vorstand durch j den im Jahre 1871 gefaßten Beschluß: „Alle auf j Jerusalem bezughabenden Reminiscenzen zu be- I festigen," Holdheims Auferstehung gefeiert!! Und die Herren Congreßler in Ungarn und Siebenbürgen wandeln in den Fußtapfen dieses Reformators. j Du glaubst, lieber Leser, ich übertreibe, wenn ich der Congreßpartei, respective ihren Anführern! 5) V. B. M. 4. 10. und Midrasch Rabba Bereschith Capitel 70. zumuthe, daß sie vom Geiste Holdheims durchdrungen wären! Nun frage ich Dich, wird die Fortschrittspar, tei in Ungarn und Siebenbürgen nicht von solchem Principe geleitet? Wer sind denn die Wortführer, die Tonangeber, die CultuS- und Religionsvorsteher der soi genannten Fortschrittspartei? (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenze«. Deutschland. Auerbach a. d. B. Ein schwerer Verlust hat unsere Gemeinde, ja unsere ganze Gegend getroffen. n"3 starb dahier "UttbVdrp oma« 'nn im Alter von 70 Jahren. Derselbe war in Jchenhausen (Bayern) geboren, widmete sich von frühester Jugend an dem Thorastudium und lernte zu Hürden, Ansbach und auf der zu Fürth. 45 Jahre war er Lehrer am hiesigen Platze, 45 Jahre war er thätig in Thora und Awodah. Hunderte von Männern verdanken ihm einen großen Theil ihrer Kenntnisse. Seine Liebe zu seinem Berufe, seine große Kenntniß nttfnpn umina, sein liebevolles Wesen gegen Jedermann, besonders gegen seine Collegen, die an ihm einen treuen Freund, einen weisen Rathgeber verlieren, verschafften ihm hohes Ansehen und Achtung in der ganzen Gemeinde und Umgegend. Die Beerdigung fand Donnerstag rau rm rr do statt. Die Betheiligung an derselben war eine sehr große, nicht allein Seitens | der jüdischen Einwohner der ganzen Umgegend, i auch die angesehensten christlichen Bürger gaben ihm das letzte Geleite. Möge der Allgütige die trauernde Familie trösten und ihr seinen Schutz und Beistand nicht versagen. " An dem Dahingeschiedenen möge sich das Wort unserer heil Schrift erfüllen: *n nos? i'piL -(bm „Deine Frömmigkeit wird vor Dir hergehen und die Herrlichkeit Gottes Dich aufnehmen." n"3"sVn. A. W. Fürth, 15, Jan. Gestatten Sie mir, geehrtester Herr Redacteur, in Ihren geschätzten Blättern einem Gefühle Ausdruck zu verleihen, dessen herber Schmerz in noch vielen jüdischen Herzen tief empfunden wird. Unsere jüd. Gemeinde beklagt heute den Tod eines ihrer edelsten Häupter. Der greise Rabbi Mendel Königshöfer schied nach einem

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