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Der Israelit · 1878-01-30 · Heft 5 (30.1.1878) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 5 (30.1.1878)
Date
1878-01-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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10) und hielt da- Glas Wasser so lange, bis Rabbi Abahu erwachte." „Selbst wenn Vater oder Mutter in Gegenwart der Kinder einen Beutel Geld ins Wasser werfen, so haben die Kinder nicht das Recht, die Eltern zu beschämen, sondern müssen eS in Geduld ertragen." — „Wenn Raw Joseph aus der Ferne vernahm, daß seine Mutter herankam. so stand er auf und sagte: ich ehre Gott, indem ich meine Mutter ehre." Andrerseits müssen aber auch die Eltern ihre Kinder so erziehen, daß die Ehrfurcht vor den Eltern nicht bloß eine geforderte, sondern eine aus den Herzen der Kinder erwachsende ist. Dazu ist vor Allem erforderlich, daß die Kinder zur Gottesfurcht erzogen werden und daß die Eltern im religiösen Leben und Denken den Kindern mit gutem Beispiele vorangehen. Ohne Gottesfurcht ist die Ehrerbietung der Kinder gegen die Eltern nicht von Dauer; sie hört auf, sobald das Nützlichkeitsverhältniß aufhort. Jene Gedanken, welche Schiller seinen Franz Moor in den „Räubern" aussprechen läßt und die wir hier nicht wiedergeben können, sie characterisiren genugsam, wie weit die „natürlichen" Gefühle in Bezug auf die Pflicht der Elternehre reichen. Es ist daher die eigentliche und wirkliche Begründung dieser erhabenen Pflicht, welche die Grundlage des ganzen sittlichen Lebens bildet, in dem Gebote des allmächtigen und allweisen Schöpfers von Himmel und Erde zu suchen. Willst du, o Vater, willst du, o Mutter, dankbare und liebevolle Kinder erziehen, deren höchstes Lebensziel ist, Euch zu erfreuen und Euer Alter durch ihre Liebe zu verschönen und zu versüßen , so erziehet sie zur Gottesfurcht, so seid ihnen Vorbilder der Tugend und Frömmigkeit, so erziehet sie vor Allem zum Gehorsam gegen Gott. Hffenes Schreiben an die 8tatus-qiio-©ettteinben in Ungarn und Siebenbürgen. Bon Salomon Schück in Karczag, Rabbiner der Stadt und des Bezirks. Ehrs. Gemeinden! Wenn ich mir hier erlaube, ein Schreiben an Sie zu richten, so geschieht es nicht in der Absicht, die Schwächen und Blößen meiner Glaubensgenossen zu verkünden, denn „über alle Fehler muß die Liebe ihr Gewand decken" *), jst der Cardinal-Grundsatz der jüdischen Religion; jch, als berufener Diener des Judenthums, kann daher nicht die Absicht haben, das Feuer des Zankes anzufachen; traurig genug, daß wir es zu löschen nicht vermögen. Ich konnte auch nicht die Absicht habe«, daS geduldige Papier in Anspruch zu nehmen, um darauf an die in Ungarn und Siebenbürgen befindliche FortschrttSfraction ein schriftliches ermahnendes Wort zu richten; das wäre ein eitles, nichtiges und zweckloses Unternehmen , eine Aussaat auf einem Boden, dessen Triebkraft der winterliche Frost bereits ganz gebrochen hat. An die Neologcn ein ernstes Wort zu richte», würde einem Glase Wasser gleichen, das in einen ungeheuren Brand gegossen wird. Die Flamme kann dies GlaS Wafier nicht löschen, sondern verursacht vielmehr noch ein stärkeres Auflodern. Dämpfen wollen, sollen, können und müflen wir daS Feuer dort. wo es sich erst Luft machen will. - Und zu diesem Behufe erhebe ich meine schwache Stimme. Ich will zuvörderst znr Kennzeichnung des Standpunktes der Orthodoxie und der Fortschrittspartei in Ungarn und Siebenbürgen»und um der Wahrheit ihren gerechten Tribut zu zollen, die Ereignisse und Bewegungen von Bedeutung, welche sich seit Beginn des letzten Jahrhunderts im Judenthume im Allgemeinen und besonders seit einigen Decennien in Ungarn und Siebenbürgen kundgaben. und welche wir Alle mitangesehen, mitempfunden, mitgelitten und mitgeduldet, kurz skiziren; ich will erstlich auf die folgenschwere, inhaltreiche, eine europäische Regeneration herbeiführende Epoche, die alle unsere Fasern und Fibern in Anspruch nahm, auf das Waffengeklirre feindlich gegenüber sich stehender Brüder, auf das schauerliche Dunkel dieser schwarzfinstern Tage aufmerksam machen. und dann ein ernstes Wort, ein Wort zur rechten und höchsten Zeit an Sie richten. Ein Laie, erzählt uns der Talmud 1 2 3), legte einst einem Rabbi eine sehr frappante Frage zur Entscheidung vor: Seine Frau, gibt der Fragende vor, brachte vor 13 Jahren einKnäblein mit zwei Köpfen zur Welt, ob ein solche- Kind die Tephilinb) auf beide Köpfe anlegen müsse? — Der Rabbi in der Meinung, daß eine solche Mißgeburt lebensunfähig sei und daS dreizehnte Jahr, nach welchem die religiöse Mündigkeit beginnt, nicht erreichen könne, Häher die Frage eine einfach spitzfindige Erdichtung sein müsse — wies ihn mit strengen Worten zur Thür. WaS würde der Rabbi dazu gesagt haben, so man ihm von einem Kinde, welches gar drei 1) Spr. Salomon 10. 2) Menackoth. 3) Gebetriemen. t

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