Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1878)
- Date
- 1878-01-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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recte Förderung jener Revolte erblicken; und daj jüd. Gesetz und seine Anwälte sollten dem neu- > zeitlichen Anathem verfallen, weil es den Lnforde-! rungea des gesunden Menschenverstandes entspricht? l Jüdische Zedakah. so einzig allumfassend sie auch ist, daß sie selbst den Heiden mit umschließt, ist eben Zedakah, ist ein Act der Gerechtigkeit, ist dem Juden — dem gesetzestreuen wenigstens — kein zur bloßen Wohlthätigkeit herabgesunkenes Almosenwesen, das unter Umständen ein Auge zudrückt, jüdische Zedakah wurzelt nicht im menschlichen Mitleid, sondern in dem jüdischen Pflichtbewußtseiu, das hilft und spendet, weil ihm Helfen und Spenden heilige Gott-gebotene Pflicht ist. Darin liegt das Kriterium, das jüdische Zedakah, von allen Aeußerungen thätiger Menschenliebe, nichtjüdischer Kreise scharf abscheidet, 'u nonn npns, PKün o’Dwb Toni. Auf Liebe kann Jeder Anspruch erheben, auch Derjenige, der sie hundertmal verscherzt hat, die Uebung einer Pflicht kann Niemand verlangen, der ihre Verbindlichkeit principiell sonst leugnet. Derselbe Gott hat mit demselben Ernst das Verbot maj bj uan ab, und das Gebot fr-y Tnx tu gesprochen, 82' -oyar I'.'II mnxn 7?20, wer sich über das erste hinwegsetzt, hat auf das andere keinen Anspruch; bemerkt vtnn Dtca :"ed. Man sieht, diese neuorthodoxe Ansicht ist ziemlich alt, wir Ünnten noch MaimonideS n"s D”jy nuno no?n und sämmtliche Koryphäen des Judenthums, als weitere Gewährsmänner anführen, aber wozu: Fanatische Reformjuden belehren wollen, hieße Perlen vor die — Neologen werfen. Die Rabbinen, Vorstände und Allianzen wissen, was sie von den Fieberphantasien eines exaltirten Reformblattes zu halten haben, für sie bedarf eS keines Commentars dieser von uns betonten Bestimmung des jüd. Gesetzes. Sie werden, falls sie sich überhaupt veranlaßt finden, von dieser unserer Anregung Notiz zu nehmen, es sicherlich nicht rn dem Sinne thun, wie es der Radicalismus der Neuzeit wohl gern möchte. Sie werden, wo dies erforderlich sein sollte, ihre Humanitären Bestrebungen nicht dem Geschmack irgend einer Partei, wohl aber den Normen des überlieferten Ju:enthums gemäß entfallen, und sicherlich nicht die thätige Mithilfe der gesetzestreuen Judenheit mit so cynifcher Frivolität von sich weisen, wie ihnen von dem Abhub der neologen Hetzcaplanpresse hier zugemuthet wird. Das weiß übrigens auch die ..Neuzeit" selber, und das überwältigende Gefühl dieses Bewußtseins spricht sich unverhohlen aus, — indem sie den Ausdruck ihrer Ueberzeugung von der Erfolglosig" keit .ihrer Leitartikel mit den Worten schließt: „Nun. die „Neuzeit" ist es seit nahezu achtzehn Jahren gewöhnt, wie eine Stimure in der Wüste betrachtet zu werden,-und auch die Zeit einer Anerkennung ihres selbstlosen Wirkens wird dereinst aufgehen, wenn auch noch so spät, und wenn sie auch bis dahin den schweren Kamps um ihr Dasein zu kämpfen hat." Das sind kostbare Bekenntnisse einer schönen Seele! Die „Neuzeit" erscheint jetzt im siebenzehnten Jahrgange, uud seit nahezu 18 Jahren hat sie schon gewußt, was wir erst jetzt erfahren; eine Stimme in der Wüste! Eine wüste Stimme, das würde allerdings noch von größerer Selvstkenntniß zeigen, aber das heilige Lager der Reform ä outrance, in welchem die „Neuzeit" seit 17 Jahren erscheint, von den eigenen Wortführern als „Wüste" bezeichnen zu hören, das gibt viel zu denken. Soviel, daß man einen ganzen Leitartikel mit der Ueberschrift „Von den eigenen Anwälten — blamirt" darüber schreiben könnte; jedevfalls aber zuviel, als daß es in diesem Aufsätze seine Erledigung finden könnte. — Wir werden auf diesen „neuzeitlichen" Stoßseufzer, der übrigens nicht vereinzelt dasteht, vielleicht bei einer anderen Gelegenheit zurückkommen, und bei dieser Veranlassung auch das anderweitige große neuorthodoxe Sündenregister, bei dessen Aufstellung die „Neuzeit" jedoch ebenfalls nicht originell ist, ein wenig bei Licht betrachten. Doch für diesmal genug des grausamen Spiels, kehren wir zu unserem Gegenstände zurück. Wenn wir von der Schwierigkeit sprechen, die darin liegt, positive Vorschläge zur Bildung eines jüd. Gemeindebundes zu machen, so müssen wir diese Behauptung darauf beschränken, daß wir eS für schwierig. ja geradezu für unmöglich halten, Mittel und Wege zu finden, durch welche sämmtliche jüdische Gemeinden durch einen Bund vereinigt werden können. Dieses herrliche Ideal ist bei der heutigen Lage der Dinge unerreichbar, es trotzdem anstreben wollen, wäre eine Zersplitterung der Kräfte für eine Utopie auf Kosten dessen, was sich thatsächlich erreichen läßt. Steht es fest, daß Vereinigung jüdischer Gemeinden nur durch und für specifisch jüdische Interessen denkbar und möglich ist, so ist bei der schroffen Gegensätzlichkeit über die Auffassung dessen, was jüdische Interessen und eine Förderung oder Gefährdung derselben eigentlich heißen, an ein einheitliches Zusammengehen sämmtlicher jüd. Gemeinden nicht zu denken. Eine Vereinigung jüdischer Gemeinden mit Ausschluß alles specifisch Jüdischen, ist, wie wir zu beweisen versuchten, und wie der Leipziger Gemeindebund thatsächlich beweist.