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Der Israelit · 1878-01-23 · Heft 4 (23.1.1878) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 4 (23.1.1878)
Date
1878-01-23
Page
– (sequence 19)
Language
German
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89 lebensunfähig. Vor diese Alternative gestellt, er» gibt sich das, was mit Erfolg geschehen kann, von selbst: „Gründung eines Gemeindebundes zur Förderung aller und besonders der jüdischen Interesse., „die durch die Ungunst der Zeiten besonders be- „droht sind. Mitglieder können nur solche Gemeinden werden, die in ihren Institutionen daS „überlieferte jüdische Gesetz als ihr Fundamental« „Statut unverbrüchlich anerkennen." Ein auf solchen Principien errichteter Gemeindebund mützte allerdings zunächst darauf verzichten, durch eine zahlreiche allgemeine Betheiligung zu brilliren. Aber 130 Gemeinden würden sich ihm anschließen, wenn selbst kein geborner Präsident eine Propaganda für ihn entfaltete, wenn nur die gesetzestreuen Rabbinen, Lehrer und Vorstände, nachdem sie ein derartiges Project inreifliche Erwägung gezogen, ihm das Wort redeten. Die agitatorische Propaganda würden die Interessen selber besorgen, die sich von einer solchen Vereinigung eine Förderung versprechen dürfen! Denn diese Interessen sind so vielgestaltig, greifen so tief in das Leben der Einzelnen wie der Gemeinden ein, ihre Verkümmerung wird von vielen Edlen mit so unnennbarem Schmerze empfunden, daß eine Anregung zum gemeinschaftlichen Handeln sicherlich einen Widerhall in allen gesinnungsverwandten Geistern und Gemüthern finden. Man braucht nur einige dieser Interessen herauszugreifen, man braucht sie nur zu nennen, um der thätigen Sympathien aller derer sicher zu sein, denen für Judenthum und Judenheit noch ein jüdisches Herz warm in der Brust schlägt, kurz, die für jüdische Interessen noch jüdisches Interesse haben. Unsere min, ihr Studium, ihre Verbreitung, ihre Achtung und Anerkennung , unsere min, die Seele unseres Gemeindekörpers, für die der Leipziger Gemeindebund kein Seelenswörtchen übrig hat, unsere min, dieses höchste allumfassendste aller jüdischen Interessen, wäre natürlich der erste Gegenstand, dem sich ein jüdischer Gemeindebund zuzuwenden hätte. Welches weite Feld würde die Fürsorge für diesen einen Zweck der Thätigkeit eines jüdischen Gemeindebundes eröffnen! Die spärlichen Anstalten, an welchen in Deutschland .min gelehrt wird, zu heben, sie durch neue zu vermehren, den Lehrenden und Lernenden hilfreich zur Seite zu stehen, ihnen durch materielle Unterstützung die täglich sich mehrenden Hindernisse aus ihrem dornenvollen Lebenspfad zu räumen, durch bloße Kundgebung eines solchen Interesses jüdischer Gemeinden für unsere mm — wie bedeutend oder unbedeutend zunächst auch der practische Erfolg wäre — einen wahrlich nicht zu unterschätzenden Beitrag für ihre Achtung und Anerkennung zu werden, das sind Ideale, die nur eine Bereinigung jüdischer Gemeinden vollständig realistren kann, realisiren wird, wenn sie nur mit ausdauernder Hingebung in die Hand genommen wird. — Die Quelle unserer ganzen Misere ist die in Feindseligkeit ausartende Gleichgiltigkeit gegen unsere min; ihr Cours sinkt von Tag zu Tag im Werthe, weil wir keine jüdische öffentliche Meinung haben, welche die Unwissenheit brandmarkt, und Thorawissenschaft anerkennt. Der Verehrer der Thora sinder in seiner Umgebung für den Gegenstand seiner Verehrung keine Anerkennung und für sich daher keinen Sporn, der Verächter keinen Tadel. Die öffentliche Meinung ist aber die Summe der Meinungen Einzelner. Wir haben keine unsere.min fördernde jüdische öffentliche Meinung, weil die Einzelnen Individuen der mm entfremdet sind. — Ursache und Wirkung greifen so in einer Weise ineinander, daß es unmöglich ist, zu bestimmen, wo die eine anfängt und die andere aufhört. Die Mißachtung der nun resultirt aus dem Mangel einer jüdisi.en öffentlichen Meinung, und wir haben keine jüdische öffentliche Meinung, weil bei den Einzelnen der Sinn für mm fehlt. Deßhalb leben wir der festen Ueberzeugung, dem nrnvivi nmnn könne am wirksamsten entgegentreten, eine n:vi'- moyn minn könne erfolgreich nur angebahnt werden, wenn die wahren Vertreter der jüdischen öffentlichen Meinung, wenn die jüdischen Gemeinden durch eine Vereinigung ihre Fürsorge für min niebn an den Tag legen, wenn die „Gemeinde Jakobs" der Verkümmerung ihres Erbguts entgegentritt. min müßte das erste Ressort, müßte die ausschließliche Grundlage einer Vereinigung jüdischer Gemeinden sein; aus der sich dann alle weiteren Ziele von selbst ergeben, wie z. B- Ergreifen von Maßregeln, um die Hindernisse zu beseitigen oder zu mildern, welche unsere mercantilischen Verhältnisse der Heilighaltung der Sabbat- und Feiertage entgegenstellen. (Die Ziele des schon so oft angeregten, aber immer noch nicht i«’8 Leben getretenen rnvio« Vereins, würden dann mit denjenigen eines solchen Gemeindebundes zusammenfallen.) rc. rc. ES ist überflüssig, nach Aufgaben zu suchen, die ein derartig organisirter Gemeindebund zu lösen hätte, sie sind mo jnso ran«, wie die Grundlage, ans der er ruht. — Die detaillirten Aufgaben einer solchen Vereinigung hier darzulegen, kann zudem nicht die Aufgabe dieser Zeilen sein, die nur das Project eines jüdischen Gemeindebundes im Allgemeinen anregen wollten. Sollte sich diese Anregung des Beifalls von Gesinnungsgenossen erfreuen, so werden wir auf den Gegenstand mit

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