Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1878)
- Date
- 1878-01-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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78 hohe Gönnerin die Snltanin Chaseki Sultanin Valide geworden." „„Hört weiter, Herr! Der Großwesir Murads, Sivan Pascha, wurde in die Verbannung geschickt, und Ferhad Pascha wurde statt seiner zum Großwesir ernannt. Aber dieSipahi's machten Revolution, und Abdallah, der Sohn eines jüdischen Renegaten, gab sich für Mustapha, des neuen Sultan ermordeten Bruder aus. Ferhad Pascha erstickte die Revolution; weil der Empörer jüdischer Abstammung war, so sollen alle Juden ohne Ausnahme aus Stambul vertrieben werden."" „£), Gott, kann denn nichts auf Erden sich ereignen, ohne daß wir Juden dabei zu leiden hätten!" „„Ihr könnt Euch vorstellen, Herr, daß Alles in Bewegung ist, um dieses grausame Decret wieder rückgängig zu machen; allein bis jetzt waren alle Schritte umsonst. Der Chacham Baschi, der ehrwürdige Rabbi Jizchak Akrisch und die Vorsteher der Gemeinde sind persönlich in Euer Haus gekommen, um Euch zu bitten, daß Ihr Euch der Sultanin Valide zu Füßen werfet. Ihre Verzweifelung, als sie erfuhren, Ihr seid verreist, war groß. Ich aber verschloß das Haus, stellte es in Gottes Obhut und reiste hierher, um Euch zu benachrichtigen."" „„Du hast Recht gethan, Du Guter. Laß Dir Speise und Trank geben und erquicke Dich; dann packe meine Lachen zusammen und rüste Alles zur schleunigen Abreise; ich will nur Abschied nehmen von meiner Braut; denn wisse, ich habe mir die Tochter des hiesigen Rabbinen zu meiner künftigen Frau erkoren."" Rabbi Salomon wartete die Antwort des Dieners nicht ab; er eilte von dannen, dem Hause seines Schwiegervaters zu. Hier trat ihm Esther freudig entgegen. Allein erschreckt lrat sie zurück, als sie seine betrübte Miene bemerkte. „Esther," rief Rabbi Salomo, „Esther, meine geliebte Braut, ich gedachte, das schöne Purimfest in Eurem lieben Kreise zu verleben; aber ich muß heute noch abreisen." „..Heute noch?"" „Sofort! Ein schweres Unglück bedroht die heilige Gemeinde der Hauptstadt; alle Juden von Stambul sollen vertrieben werden. Man sendet mir einen Boten, mich herbeizurufen. Ich eile nach Constantinopel, mich der Sultanin Valide zu Füßen zu werfen." „„Der Sultanin Chaseki, wolltest Du wohl sagen!"" „Murad ist todt; Mohammed 111. hat den Thron bestiegen; Ferhad Pascha, stets ein Feind der Juden, ist Großwesir geworden; ich darf keinen Augenblick säumen. O, meine Geliebte, wie schwer wird mir die Trennung von Dir!" „ „Eile, mein Geliebter, eile dabin, wohin die Pflicht Dich ruft. Wohl wäre mir Deine längere Anwesenheit kostbarer, denn Alles auf Erden. Allein, wo es sich um das Wohl, um die Rettung vieler Tausender handelt, da muß der Einzelne zurücktreten. Beneidenswerth ist Dein Loos, daß Du Deine beißen Herzenswünsche opfern darfst, um den bedrängten Brüdern zu Hilfe zu eilen!" „Du Gute, Du Edle, wie liebe ich Dich um dieses große, schöne Wort! Wahrlich, wenn meine Liebe zu Dir noch einer Steigerung fähig gewesen wäre, sie würde gewachsen sein durch diese Offenbarung Deines großen und edlen Herzens!" „„Du übertreibst, mein Freund. Ist es denn anders möglich als daß ein jüdisches Herz all die Seinen mit heißer Liebe umfängt und gern und freudig Alles opfert, um so hohe Pflichten zu erfüllen?"" „Das ist's eben, was mich entzückt, daß Du Dir Deines großen und edlen Sinnes gar nicht bewußt bist, daß bei Dir sich Alles wie von selbst aus Deiner so groß und edel angelegten Natur sich ergibt! Doch nun führe mich zu Deinem Vater, daß er mich segne vor meiner Abreise, und sende um Deinen Oheim, daß ich mich auch von ihm verabschiede." Rabbi Amram Mordechai und Don Rüben vernahmen mit großer Trauer die Schreckenskunde; Keiner von ihnen sprach ein Wort, um den liebgewonnenen . neuen Verwandten zurückzuhalten. Dtit überströmenden Thränen ertheilte der Rabbiner dem zukünftigen Schwiegersöhne den erbetenen Segen. Dann eilte dieser in den Gafthof zurück, wo Abieser Alles zur Abreise vorbereitet hatte. Rabbi Salomon und sein Diener bestiegen ihre Pferde und begaben sich schweren Herzens auf die Reise nach Constantinopel, gefolgt von den heißen Segenswünschen der Familie Chiera. (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gott»leben'- Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).