Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1878)
- Date
- 1878-01-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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75 Möchten daher diese Zeilen für manchen wohlthätigen Glaubensgenossen eine Veranlassung sein, eine so äußerst nützliche Institution, die die Förderung der heiligsten Interessen des Judenthums bezweckt, zu unterstützen. — Wir aber wünschen dem Talmud-Thora-Berein Glück und ferneres Gedeihen. Berlin, 9. Jan. (Abgeordnetenhaus.) Eine Petition des Gemeindebürgers Jakob Hornemann in Viersen beschwert sich darüber, daß in dem Statut der dortigen Realschule die Juden von dem Curatorium ausgeschlossen seien, indem man bestimmt habe, daß sechs Katholiken und drei evangel. Mitglieder desselben sein sollen. Die Commission beantragt den Uebergang zur Tagesordnung, während Abg. Bergenroth die Petition der Staatsregierung zur Berücksichtigung überweisen will. Gegen diesen Antrag sprechen sich die Abg. Franz, Windthorst-Meppen und Techow und der Regierungscomwissär Geh. Rath Stander aus, indem sie darauf Hinweisen, daß die Aufstellung des Statuts ein Act der Selbstverwaltung sei, den man gesetzlich nicht anfechten könne. Die Abgeordneten Langerhans und Bergenroth erklären, daß es überhaupt zu vermeiden sei, in die Statuten derartiger Schulen Bestimmungen über die Confession der Curatoren aufzunehmen. Das Haus genehmigt den Antrag der Commission. Strastbrrrg. Man schreibt uns, daß die Regierung beabsichtige, den Gehalt der Rabbiner Elsaß-Lothringens zu erhöhen. Es werden gegenwärtig nämlich ausführliche Zusammenstellungen über das Nebeneinkommen eines jeden Rabbiners ausgenommen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Absicht zur Ausführung gelange. (Un. Jsr.) Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wie». Der Bericht des Bürgermeisters vr. C. Felder über die Gemeindeverwaltung der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien in den Jahren 1874—1876 bringt auch sehr interessante Streiflichter über die Verhältnisse der engern Cultusgemeinden und namentlich der isr. Einwohnerschaft, daß wir nicht umhin können, einige Auszüge eines in der „Neuzeit" abgedruckten diesbezüglichen Artikels mitzutheilen. Schon der erste Abschnitt, der sich mit der Bevölkerung und den Bewegungen derselben beschäftiget, gibt uns, obgleich Stand und Zuwachs der Einwohnerschaft nicht immer nach Confessionen angeordnet ist, denn doch Gelegenheit zu Wahrnehmungen, die uns ganz speciell angehen. So erfahren wir z. B, daß in den genannten drei Jahren 66 katholische, 6 evangelische, 9 confessionSlose in Wien zuständig gewesene Individuen, aber kein einziger Jude ausgewandert sind, dagegen erhielten 112 Israeliten die Zuständigkeit nach Wien, und wanderten vom Auslande 169 ein, die in Wien das Heimathsrecht erworben haben; 25 erhielten das Bürgerrecht der Stadt Wien. Israelitische Trauungen fanden statt im Jahre 1874: 394, 1875: 350. 1876: 311. Die Abnahme war bei allen Confessionen eine stetige, Mischehen zwischen Israeliten und ConfessionSlosen fanden im Jahre 1874: 41, 1875: 36, 1876: 50 statt, wobei entweder der Bräutigam oder die Braut sich confessionslos erklärten. Im Vergleiche mit dem vorangegangenen Triennium, wo auch die Zahl der Eheschließungen, aber blos die von dem römisch-katholischen Seelsorger vollzogenen, sich verminderte, fällt es auf, daß in den letzten drei Jahren die Heirathslust abgenommen hat. Es ergibt sich, daß bei statistischer Berechnung der Bevölkerung die Zahl der Israeliten im Jahre 1874: 44,382; im Jahre 1875: 45,: 62; im Jahre 1876: 46,185 erreichte; daher entfiel bei den Israeliten im Jahre 1874 eine Trauung auf 56.3, im Jahre 1875 auf 64.6, im Jahre 1876 auf 74.2 Einwohnerpaare. Da nun bei den Katholiken schon auf 51 Paare, bei den Protestanten sogar auf 30 Paare eine Trauung entfällt, so muß man zugeben, daß die Sehnsucht, Familien zu gründen, die vormals zu den hervorstechenden Kriterien der Juden gehörte, eine bedeutende Abschwachung gefunden hat, was allerdings auch den Devastationen, welche die Finanzkatastrophe von 1873 mit sich brachte, zuzuschreiben ist. Die Zahl der Ehescheidungen und ihre Ursachen sind nicht nach Confessionen angegeben. Der Artikel: „Geburten" weist eine Zunahme unehelicher Kinder nach, u. z. entfielen auf je 100 lebend geborene eheliche Kinder eben solche unehelicher Abkunft bei den Israeliten 1874: 12; 1875: 12; 1876: 13; bei den Katholiken je 73, 74, 81, was allerdings zu Gunsten der Juden spricht. So kamen vor: 1874: 1823 eheliche lebende, 66 eheliche todte Geburten, dergleichen uneheliche 219 lebende und 20 todte; 1875: 1652 eheliche lebende, 212 uneheliche lebende, 59 eheliche todte, 12 uneheliche todte; 1876: 1749 eheliche lebende, 239 uneheliche lebende, 75 eheliche todte, 7 uneheliche todte. Unter den Stiftungen machen sich bemerklich die Stiftung des Herrn Baron Ed. Todesco per 10,000 fl., die Löwenfeld'sche per 2000 fl., die Zweig'sche per 1000 fl., die Meher-Kohn'sche Stif-