Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1878)
- Date
- 1878-01-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447752--14521-2470434- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Knaben, großentheils Kinder unbemittelter Eltern, werden von dem Verein mit allem Nothwendigen versehen. Es sind dreißig Knaben, der Mehrzahl «ach auswärtige, die diese große Wohlthat eines gründlichen talmudischen Unterrichts genießen; aber Hunderte von Kindern werden angemeldet und müssen aus Mangel an hinreichenden Mitteln zurückgewiesen werden. Es liegt auf der Hand, daß dieser Verein eine großartige, epochemachende Wirksamkeit entfalten könnte, wenn ihm die nothwendigen Mittel zur Verfügung gestellt würden. Es gibt nichts Wichtigeres als mm -ro^n, als das Studium der Gotteslehre. Das Gebot orujan, „und du sollst sie einschärfen deinen Kindern" ist die Grundlage der Existenz des Judenthums. Nur die Kenntniß der heiligen Gotteslehre und das gediegene, umfassende Wissen von ihr kann die Jugend stählen in den Kämpfen des Lebens, kann das Judenthum erhalten von Geschlecht zu Geschlecht. Der Verein „Ki lo Almon Jisroäl" hat auch in der That in Ungarn bereits großen Anklang gefunden; die bedeutendsten Rabbiner des erwähnten Landes empfehlen den Beitritt zu demselben und so zählt er denn bereits — er besteht seit fünf Jahren. — mehr als 1000 Mitglieder, die durch Jahresbeiträge die heiligen Zwecke des Bereins fördern. Jetzt hat nun die Verwaltung deslelben den Entschluß gefaßt, auch in Deutschland Propaganda für diese hohen Ziele zu machen und zu diesem Zwecke den in weiten Kreisen rühmlichft bekannten Gekehrten, Herrn Abraham B i k, aus Preßburg, Verfasser der Werke i-qx mzrn und nyia ‘rnw, veranlaßt, Deutschland zu bereisen, zum Beitritte zu dem Vereine aufzuforderu und Spenden für denselben entgegenzunehmen. Herr Abraham Bik, den wir heute das Vergnügen hatten, persönlich kennen zn lernen — seine Werke sind uns feit Jahren bekannt — ist von den hervorragendsten Rabbiner auf das Wärmste empfohlen. Möge er überall freundliches Entgegenkommen und die von ihm vertretene heilige Sache die ausgiebigste Förderung finden. — Aus Bayern Der Talmud -Tora- Ve^rein in Burgpreppach versendet soeben einen Rechenschaftsbericht über das abgelaufens Jahr. Die Mittheilungen, die wir demselben entnehmen, sind im hohen Grade erfreulich. Es sind kaum 3 Jahre her, seitdem vom Vorstande des erwähnten Vereins ein Aufruf erlassen wurde, in welchem eine Förderung der Vereinszwecke und besonders um Unterstützung für die Reorganisation der seit langen Jahren zu Burgpreppach bestehenden Talmud-Thora-Schule gebeten wurde. Der allseitigen Theilnahme, die dieser Aufruf gefunden hat, ganz besonders aber dem unermüdlichen Eifer des Directors Hr. Rabb. Hirsch, der eine seltene Thätigkeit dieser Sache widmet und mit einer bewunderungswürdigen Begeisterung für dieselbe wirkt, ist es zu danken, daß heute in Burgpreppach eine Talmud-Thora- Schule blüht» die 53 Schüler zählt und die als eine Musterschule dieser Art gelten kann. Der Rechenschaftsbericht bezeichnet als Zweck der Anstalt eine gediegene Ausbildung der ihr anvertrauten Zöglinge nicht nur in allen deutschen UnterrichtSgegenftänden. wie sie an einer gehobenen Schule unterrichtet werden, in der französischen und englischen Sprache, sondern ganz besonders eine Erzielung von gründlichem jüdischem Wissen und spricht die Hoffunng aus, daß dadurch in erster Linie Lehrer herangebildet werden, die mit ausreichender Vorbildung in das Lehrerseminar übertreten und dadurch um so sicherer Berufstüchtigkeit und allseitige Bildung erlangen können, und daß zweitens auch diejenigen sich in der Talmud-Thora-Schule befindenden junge Leute, die sich dem Kaufmannsstande widmen, sich nicht nur umfassende Vorkenntnisse für ihren zukünftigen Beruf aneignen, sondern auch im Jüdischen soviel erlernen, daß sie befähigt werden in den Quellen der jüdischen Literatur weiterforschen zu können. Von unschätzbarem Werthe aber ist. was der Rechenschaftsbericht mit besonderer Vorliebe betont, (wir kennen diese Anstalt und bestätigen dies daher umso freudiger) die Erzielung echt-jüdischer Gesinnung, die wahre Tun', die in dieser Anstalt herrscht und die Begeisterung, die in derselben für ncpnpn umm geweckt wird. — Außer dem Direktor wirken an der Schule 2 Lehrer, die Herren Ehrmann und Neumann. — Die Einnahmen des Talmud - Thora - Vereins betragen bis jetzt an Spenden 14157 M. 12 Pf. Die Ausgaben incl. einer noch auf dem Hause der Talmud-Thora haftenden Hypotheke 13689 M. 97 Pf., so daß ein Ueberschuß von 467 M. 15 Pf. vorhanden ist. Außerdem wurde an regelmäßigen Jahresbeiträgen der Vereinsmitglieder (ein jährlicher Beitrag von 6 M. erwirkt die Mitgliedschaft) in verflossenem Jahre eingenommen 1315 M., womit theilweise die Lehrergehalte gezahlt wurden, da nur von Kindern sehr reicher Eltern ein Schulgeld erhoben wird. — In dem Maaße, wie die Wirksamkeit des Vereins sich erweitert, vergrößern sich natürlich auch die Bedürfnisse. Dieselben werden in der nächsten Zeit ganz besonders groß sein, da ein Umbau der Schullokale nöthig ist.