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Der Israelit · 1878-01-16 · Heft 3 (16.1.1878) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
19 (1878)
Issue
Heft 3 (16.1.1878)
Date
1878-01-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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57 Rohling dem Talmud anhängen will, an Gehässigkeit gegen Andersgläubige noch weit übertroffen finden. Dänemark. Kopenhagen. Eine zum erstenmale veröffentlichte officielle Zusammenstellung gibt das Gesammtcapital der von Privatvermächtnissen herrührenden Wohlthätigkeitsanstalten Dänemarks auf 25 Millionen Kronen an; davon kommen auf jüdische wihlthätige Vereine 2,000,000 und auf katholische nur LÖ0.000 Kronen. (Jew. Chr.) Amerika. Washington. Neueren Nachrichten zufolge hat Herr B. F. Peixotto den ihm von der Regierung angebotenen Posten eines Generalkonsuls in Petersburg nicht angenommen. Die Besoldung eines Generalconsuls ist nur 2000 Doll, per Jahr, während zur würdigen Vertretung dieses Postens in Petersburg ein Äufwano von 5—8000 Doll, erforderlich ist, eine Summe, die zu bestreiten, die pekuniären Verhältnisse des Herrn Peixotto nicht erlauben. Feuilleton. Licht und Schatten. Erzählung von Friedrich Rott. XIX. Emma Weigert hatte es durchgesetzt. Sie war verlobt, war glückliche Braut des geliebten Mannes, den sie mit einer Gluth, einer Leidenschaft liebte, die Niemand ihrer, dem Anscheine nach so sanften Natur zugetraut hatte. Aber Carl Grün war auch ein Mann, den man lieben konnte. In jedem Zug ein Mann voll Geist- und Herzensadel und dabei voll Lebenslust und Jugendfrische. ES war ein selten schönes Paar. „Wie für einander geschaffen," so lautete das einstimmige Urtheil aller ihrer Bekannten. — Wenn sie mit ihm in den schattigen Gängen des Stadtparks lustwandelte, selig in dem Bewußtsein ihm anzugehören, von ihm geliebt zu werden, da schien kein Opfer ihr zu schwer. Was kümmerte es sie, daß ihre Schwester und die meisten ihrer Bekannten spöttisch lächelten, wenn sie am Sabbat trotz Sonnengluth und Hitze Fächer und Schirm zu Hause ließ, fröhlich lächelnd drückte sie den breitrandigen Sonnenhut auf daS lockige Haupt und spottete selbst des Spottens ihrer Freunde. Und selbst das, was man in unser» Tagen als das schwerste Opfer zu betrachten pflegt, sie brachte es willig. Zwar glitt ein Schatten über ihr liebliches Antlitz, als Carl ihr erklärte, daß jüdisches Gesetz es erheische, daß sie nach der Trauung den eigenen Haarschmuck den Blicken Anderer entziehe — sie hatte nie davon gehört — aber Carl betrachtete es als unerläßlich, wie hätte sie zögern können? — Und in ihrem unablässigen Streben, die Liebe des Geliebten sich zu erhalten und sich daher in Allem streng nach religiöser Vorschrift zu richten, gelang es ihr bald, das Vorurtheil, das ihr Schwiegervater im Anfang gegen sie hegte, zu besiegen und sich die innige Liebe ihrer Schwägerin zu erwerben. Rosa war bereits seit Kurzem vermählt. Ihr Vater, der zwar Rosenbaum's Verirrung, aber auch seine aufrichtige Reue und die Liebe seiner Tochter für ihn kannte, hatte nicht gezögert, seine Einwilligung zu ihrer Verbindung zu geben und Frau Rachel Rosenbaum, glücklich in dem Gedanken ihren Sohn an der Seite des hochsinnig charakterfesten Mädchens gegen alle Verführung gesichert zuwissen, hatte im Gefühl ihrer rasch dähinschwindenden Lebenskräfte darauf bestanden, daß die Trauung schon nach wenigen Wochen der Verlobung folgte. Noch einige Monate war sie glücklich in dem Glücke ihrer Kinder, dann entschlummerte sie sanft in ihren Armen, versöhnt mit ihrem Sohn, in dessen wilden, wortlosen Schmerz sie die nie enden wollenden Selbstanklagen erkannte. — Ein Segenswunsch für ihn war ihr letztes Wort. Rosenbaums Schmerz nach dem Ableben seiner Mutter war stnmm aber um so herber, verzehrender. — Seine junge Frau that ihr Mögliches, durch die Macht ihrer Liebe und ihres starken Geistes ihn aufrecht zu erhalten. Doch was sie auch sagen mochte, die Thatsache, daß er die erste und nicht einmal unschuldige Veranlassung zu dem Tode seiner Mutter gewesen, die vermochte auch sie nicht in Abrede zu stellen. Sobald jedoch die vier ersten Trauerwocheu vorüber, bestand sie darauf, in die Wohnung ihres Vaters zu übersiedeln. Einerseits war es ihr in der That darum zu thun, für die Pflege ihres Vaters selbst zu sorgen, andererseits wollte sie auch um jeden Preis ihren Gatten den Räumen entziehen, die Zeugen seiner wildesten Verzweiflung gewesen. Und der alte Grün empfand eS in Wirklichkeit als Wohlthat, daß die Tochter zu ihm zurückkehrte. Carls Hochzeitstag nahte, und nach dem-

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