Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1878)
- Date
- 1878-01-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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53 Rumänien. Aus Cholin wird von einer neuen Judenhetze berichtet. welche am 27. Dec. stattgefunden und volle drei Stunden ungehindert gedauert hat. Die neuausgehobenen Rekruten überfielen jenen Theil der Stadt, in welchem meistentheils Juden wohnen und begannen bei den Juden zu stehlen, zu rauben und zu plündern. Sie bildeten Banden, die fich in den einzelnen Gassen postirten und jeden vorübergehenden Juden zu Boden warfen, ihn mißhandelten und beraubten. Manche Juden wurden von ihnen so lange geprügelt, bis sie besinnungslos liegen blieben. Ein Greis wurde völlig mit Theer überschüttet, und als der Arme zu schreien begann, wurde ihm Theer in den Mund gegossen, so daß er fast seinen Martern unterlegen ist. Die Polizei hatte mit dem Einschreiten keine Eile. (W. Jsr.) F t li i I I e t p li* --Wer Wiera. Eine historische Erzählung. III. „Wo nur Dein Oheim bleiben mag!" sagte Rabbi Amram Mordechai zu seiner Tochter, die ihm soeben das zweite Frühstück gebracht hatte, „er pflegt doch sonst um diese Stunde zu mir zu kommen, und gerade heute hätte ich etwas Wichtiges mit ihm zu sprechen, hätte gerne eine Auskunft von ihm, in der seine Wissenschaft, die Heilkunde, maßgebend ist." „„Darf ich Dich fragen, lieber Vater," fragte Esther, „„um was es sich handelt? Du weißt, Onkel Rüben hat mich ein wenig in seine Wissenschaft eingeführt."" In diesem Augenblicke öffnete sich die ThüG» und der Erwartete trat mit seinem Gaste, dem als Staatsmann und Arzt weitberühmten Rabbi Salomon Aschkenasi, ins Zimmer. „„Guten Morgen, lieber Bruder," sagte Don Rüben, „guten Morgen, liebe Nichte! Erlaubt mir, daß ich Euch meinen Gast, Rabbi Salomon Aschkenasi aus Constantinopel, zuführe."" „Seid mir herzlich willkommensagte der Rabbiner. „Ihr seid mir kein Fremder. Euer Ruf ist groß und dringt weit." „„Erlaubt mir, verehrter Herr," sagte Esther, „„daß auch ich Euch willkommen heiße. Auch ich habe schon viel von Euch gehört, daß Ihr der Liebling der Sultanin Chaseki seid, daß Ihr unseren Glaubensgenossen schon viel Gutes erwiesen und viel Unheil von ihren Häuptern abgewendet habt."" „„Ich danke Euch,"" entgegnete Rabbi Salomon , sich verneigend. „„Was ich thun konnte, war nur wenig und gering'"" „,,O, es muß groß und schön sein,"" rief Esther, „„Gutes erweisen zu können seinem Volke. Doch jetzt gestattet, daß ich hinausgche, um einige Erfrischungen für die Herren zu holen."" Esther ging hinaus. „„Don Rodrigo," flüsterte Rabbi Salomon dem Ängeredeten zu, „es ergeht mir, wie unserm Vater Jakob, für den die erste Begegnung mit Rachel entscheidend war." „Auch Ihr seid Arzt," redete Rabbi Amram Mordechai den Fremden an. „Erlaubt mir, daß ich Euch und meinem Bruder eine Frage vorlege, die mich sehr beschäftigt und in Bezug auf welche die Medicin ein entscheidendes Wort zu sprechen hat. Doch lasset uns zuvor essen und trinken." Ehsther brachte Speise und Trank für die beiden Gäste und wollte sich dann wieder ent» fernen. „Bleibe, meine Tochter," sagte ihr Vater, „die Frage, welche ich den beiden Herren vorzulegen habe, wird auch Dich interessiren." Das einfache Mahl war bald beendet, und der Rabbine nahm das Wort. „Ich habe da ein Schreiben aus Deutschland bekommen, welches mich um meine Meinung fragt in Bezug auf die Entscheidung eines großen und bedeutenden Rabbinen. Derselbe hat unlängst eine Entscheidung getroffen, welche sich nicht des Beifalls vieler deutscher Rabbinen erfreut. Der Fall ist folgender. Im Joreh Deah, Kapitel 40, wird gelehrt, daß wenn ein Thier oder ein Vogel geöffnet wird, und es findet sich kein Herz vor, so ist das Geschöpf trepha. Ein solcher Fall kam unlängst in Deutschland vor. Die Köchin öffnete ein Huhn und fand in demselben kein Herz vor; aber eine Katze war im Zimmer, darauf wartend, daß für sie etwas abfalle. Der Rabbiner erklärte das Huhn für koscher, weil anzunehmen sei, daß beim Ausnehmen der Eingeweide das Herz herausgefalleu und von der Katze gefressen sei; denn, sagt er, es ist gar nicht möglich, daß ein Geschöpf, sei es Mensch oder Thier oder Vogel ohne Herz leben könne; ja, er behauptet sogar, daß, wenn sonst glaubhafte Zeugen aussagen würden, sie hätten sorgfältig geöffnet und kein Herz vorgefunden, daß diese Lügen zu strafen und das betreffende Huhn dennoch für koscher zu erklären sei, weil es eben unmöglich, daß ein Geschöpf einige Zeit ohne Herz leben könne. Er bringt Beweise für diese