Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 19 (1878)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1878)
- Date
- 1878-01-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2447747-2447751--14495-2470407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
49 Flecken bekomme und sehr unangenehm rieche. In der That hatte die Butter Flecken, in der Mitte von meunigrother Farbe und nach außen rosa verlaufend; die Oberfläche war dagegen mit Schimmel bedeckt. Ich nahm nun die rothgewordenen Stellen in Untersuchung, schmolz sie und fand in der klar» gewordenen Masse häutige Fragmente, die ich sowohl unter dem Mikroskop, als auch beim Kochen in Wasser und nachherigem Behandeln mit Gerbsäure >. s. w. als leimgebenden Stoff anerkannte. Der Fälscher batte sich also die Erfahrung zunutze gemacht, daß Rindsfett — hieraus neben 18 Prvcent Wasser bestand nämlich die Butter zum größten Theile — seinen spezifischen Geruch erst beim Auskochen erhält. Er nahm daher den rohen Talg, wie er aus dem geschlachteten Rind kommt, verarbeitete denselben in der Fleischhackmaschine unter Zusatz von Wasser, Butterfarbe, Salz und etwas Butter und erhielt, wie ich mich durch den Versuch überzeugte, eine Butter, welche von süßlichem Geruch und Geschmack war, dabei nicht entfernt an Talg erinnerte. Aeußerlich, den Mangel des Butteraroma abgerechnet,, war die Nachahmung eine gelungene zu nennen, aber — sie verdarb rasch und setzte sich dadurch in den entschiedensten Gegensatz zu dem, was sie war und sein sollte." Besonders stark wird die Kunstbutterfabrikation in Holland getrieben, die Leipziger „Zeitschrift gegen Verfälschung der Lebensmittel" schreibt darüber: „Es bestehen eine Reihe Fabriken, deren Verfahren aber in das tiefste Dunkel des Geheimnisses gehüllt ist. Ob man Grund hat, das Licht zu scheuen, oder ob man mühsam erworbene Fabrikationsmethoden nicht der Alles ausplündernden Oeffentlichkeit preisgeben will, das ist nicht bekannt. Thatsache ist, daß diese Fabriken zugleich geringere Sorten natürlicher Butter umarbeiten und ..verbessern" und auch dabei wirkliche „Kunstbutter" erzeugen. Von den 200.000 kg. Oleo-Margarine, welche im vergangenen Jahre aus den Vereinigten Staaten nach Europa exportirt wurde, konsumirte Frankreich (Paris) 150,o00 kg. und Holland den Rest. Dazu wird aber noch österreichisches Fett in großen Quantitäten verarbeitet, ohne diejenigen Materialien der Fabrikation, deren Quantität, Herkunft u. s. w. man nicht kennt. Der größte Theil dieser künstlichen und „verbesserten" natürlichen Butter geht nach Deutschland und wird wohl als gute holländische Butter in großem Vert-auen konsumirt werden, wobei der arglose Käufer nicht ahnt, daß seine Butter eben so oft vom Ochsen stammt als von der Kuh!" Vielfach sind außerdem die Fälschungen, die mit ranziger Butter vorgenommen, sowie diejenigen, die durch Beimischung eines ungewöhnich hohen Procentsatzes Wasser, zu Wege gebracht worden, und viele andere, die uns jedoch hier nicht interessiren, weil sie nur mit dem guten Geschmack und dem Geldbeutel, nicht aber mit den jüdischen Speisegesetzen collidiren. Von Interesse dürfte noch schließlich ein neues Verfahren zur Prüfung der Butter auf Beimischung thierischer Fettsubstanzen sein Der pharmaceutische Kreisverein zu Leipzig hat nämlich, wie bereits früher mitgetheilt, eine Preisaufgabe ausgeschrieben, welche die Ermittelung eines sichern Verfahrens zur Untersuchung der Butter namentlich auf fremde Fette zum Zwecke hatte. Diese Preisaufgabe hat Herr Otto Hehner in London (Public Analyst für die Insel Wight) auf folgende Weise gelöst: „Reine Butter enthält, zwischen 85,5 bis 87,5 o/g Fettsäuren, während alle anderen thierischen Fette 95 bis 95,5 % davon haben. Eine mit Schweinefett, Rindstalg u. dergl. verfälschte Butter muß daher auch 87.5 % Gehalt von Fettsäuren um so mehr überschreiten, je mehr sie thierische Fette enthält. Das Verfahren ist folgendes: 20 Gramm Butter werden im Wafferbad geschmolzen und das Butterfett vom Bodensatz (Buttermilch) durch ein trackenes Filter abfiltrirt. Von dem erhaltenen reinen Butterfett bringt man 5 Gramm in ein Porzellanschälchen, setzt 50 Cubikmeter Alkohol und 2 Gramm trockenes Aetzkali hinzu und erwärmt auf dem Wasserbade so lange, bis das Butterfett sich ganz aufgelöst und verseift hat. oder bis einige Tropfen destillirtes Wasser keine Trübung von ausgeschiedenem Fett mehr Hervorbringen. Die entstandene Butterseifenlösung wird dann, um den Alkohol wieder zu entfernen, auf dem Wasserbade eingedampft und der^Rückstand in 100 Cubikcentimeter Wasser wieder gelöst. Nun setzt man zu dieser Lösung verdünnte Schwefelsäure oder Salzsäure bis zur stark sauren Reaction, wobei sich die Fettsäuren als käsige Massen auf der Oberfläche abfcheiden. Um die Fettsäuren nun bequemer von der Flüssigkeit abheben zu können, empfiehlt O. Dietzsch in Zürich Folgendes: Man fügt jetzt 5 Gramm trockenes weißes oder gelbes Wachs hinzu, welches in der heißen Flüssigkeit schmilzt und sich mit der ausgeschiedenen Fettsäure vermischt. Nach vollständigem Erkalten wird die Wachsdecke abgehoben, mit kaltem Wasser abgewaschen, gut getrocknet und gewogen. Das Mehrgewicht (über 5 Gramm) des Wachses ist die in 5 Gramm Butter enthaltene Fettsäure, deren Gewicht mit 20 multiplicirt den Procentgehalt derselben ergibt. 5 Gramm reine